Händeschütteln, ungerührt – das Virus juckt die Queen nicht

Gil Bieler

5.3.2020 - 11:51

Händeschütteln trotz allem: Die Queen empfängt am Mittwoch Barbara Elena Montalvo Alvarez, die kubanische Botschafterin in London.
Bild: Dominic Lipinski/PA Images via Getty Images

Wenn die Queen bei einem offiziellen Termin plötzlich Handschuhe trägt, sorgt das für geradewegs fiebrige Fantasien. Doch nur ein Narr würde der Monarchin Angst vor dem Coronavirus unterstellen.

Dass das neuartige Coronavirus vor allem für ältere Menschen lebensgefährlich werden kann, dürfte mittlerweile bekannt sein. Und um das Wohlergehen der Queen, die im April ihren 94. Geburtstag feiert, scheinen sich in diesen Tagen besonders viele zu sorgen. 

Als das britische Staatsoberhaupt während einer Ordensverleihung am Dienstag zum ersten Mal seit Jahrzehnten Handschuhe trug, schien das für vermeintliche Royals-Experten und Boulevardblätter ein eindeutiges Indiz zu sein: Elizabeth II. schützt sich vor dem Coronavirus!

Nun, falsch gelegen. Denn schon einen Tag später, beim Empfang von Würdenträgern, waren die blaublütigen Hände wieder ohne Schutz zu sehen. Und die Queen liess es sich auch nicht nehmen, ihren Gästen die Hand zu schütteln, wie Fotos zeigen.

Am Dienstag trug Elizabeth II. noch Handschuhe – was zu Spekulationen führte.
Bild: Keystone

Dazu könnte man jetzt natürlich wieder vortrefflich spekulieren. Etwa so: Man könnte darin Hochmut vermuten. Die Queen, wohl das mächtigste Staatsoberhaupt der Welt, bestens behütet und abgekoppelt von allem Weltlichem, die zuletzt den Brexit, Prinz Andrews Verstrickungen in den Missbrauchsskandal um Jeffrey Epstein und dann auch noch den Megxit weggesteckt hat, ja, diese Frau fühlt sich sicher vor einem unsichtbaren, mikroskopisch kleinen Gegner, der zudem erst vor Kurzem die Weltbühne betreten hat. Könnte man zumindest meinen, so völlig unqualifiziert.



Dabei sind wir vor dem Virus alle gleich, und Elizabeth II. ist bloss eine 93-jährige Dame – also gemäss Weltgesundheitsorganisation im Risikoalter –, die sich das Händeschütteln nicht nehmen lassen will.

Da tickt sie übrigens genau gleich wie Premierminister Boris Johnson. Auf dass das für die beiden gut kommt: God save the Queen – und God save the Boris.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

Galerie: Die Coronavirus-Krise

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