Dritte Folge «Auf und davon» Nach Schicksalsschlag zweifeln Auswanderer am Vorhaben

Carlotta Henggeler

18.1.2026

In der neuen Folge von «Auf und davon» geraten Auswanderungsträume ins Wanken: Ein plötzlicher Todesfall erschüttert die Frankreich-Auswanderer Sibylle und Thomas tief und lässt sie an ihrem Vorhaben zweifeln.

Carlotta Henggeler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der plötzliche Tod eines engen Freundes und Mit-Auswanderer bringt das Vorhaben von Sibylle Luisi und Thomas Neyerlin ins Wanken, doch sie halten an ihrem Traum fest.
  • Derweil steht bei Familie Burkhalter in Costa Rica ein Neuanfang der besonderen Art an: Die Buben gehen neu in die Kita und zur Schule. 
  • Mirjam und Marc Dunkel kämpfen mit extremen Minustemperaturen in Colorado, die das Wasser gefrieren lässt und Probleme mit der Elektrik verursachen.

Schicksalsschlag in Frankreich

Die Suche nach dem perfekten Campingplatz fühlt sich für Sibylle Luisi und Thomas Neyerlin zeitweise wie ein endloser Weg an. Orte mit Strandnähe, mit Weitsicht, mit scheinbar allem, was man sich wünschen könnte – und doch fehlt etwas. «Es macht einfach nicht klick», sagt Thomas. Also entscheiden sie sich bewusst fürs Warten. «Wir müssen nichts überschiessen. Lieber leben wir im Camper, bis sich der richtige Ort zeigt.»

Seit zwei Monaten ist genau das ihre Realität. Sie pendeln zwischen der Schweiz und Frankreich, schlafen im Wohnwagen, begleitet von ihren zwei Hunden. Ein Leben auf engem Raum, geprägt von Improvisation, Geduld – und Hoffnung. Doch der Alltag ist herausfordernd. In Frankreich regnet es oft, alles ist feucht, matschig, schwer. «Das geht irgendwann auf die Nerven», sagt Sibylle offen.

Trotzdem halten sie an ihrem Traum fest. Rund 15 Campingplätze schauen sie sich an. Jedes Mal flammt Hoffnung auf. Jedes Mal stellen sie sich vor, wie hier ihr neues Leben beginnen könnte. Mehrmals stehen sie kurz vor einer Einigung – Vertragsverhandlungen laufen, Perspektiven entstehen. Und zerbrechen wieder.

Der Moment, der alles infrage stellt

Dann kommt der Einschnitt, der alles überlagert. Zeitgleich mit dem Scheitern einer Übernahme stirbt René – plötzlich, völlig unerwartet. Er macht Mittagsschlaf und wacht nicht mehr auf. René ist ein langjähriger enger Freund des Paares und wollte mit ihnen nach Frankreich auswandern.

«Einen Tag vorher hat er sich noch über die Vertragsverhandlungen gefreut», erzählt Sibylle. «Und dann war er einfach weg.»

René war Mitglied der Spezialeinheit «Barracuda» der Kantonspolizei Basel – eine harte Schale, diszipliniert, stark. Sein Tod trifft Sibylle und Thomas mit voller Wucht. «Wir waren extrem geschockt», sagen sie.

Plötzlich kommen Zweifel auf, die vorher keinen Platz hatten. Ist das alles ein Zeichen? Sollen sie weitermachen – oder ist dieser Traum von Anfang an zum Scheitern verurteilt?

Ein Gedanke spendet Trost: René hat das endgültige Scheitern der Vertragsverhandlungen nicht mehr erlebt. Er ist im Glauben gestorben, dass es klappen würde. Dass sein Traum Wirklichkeit wird.

Ein Ort, der neues Vertrauen schenkt

Und tatsächlich: Die Geschichte endet nicht hier. In Obterre, einer ruhigen Region im Herzen Frankreichs, bekannt für ihre Schlösser, finden Sibylle Luisi und Thomas Neyerlin schliesslich ihren Ort. Sie übernehmen «Le Colvert» – eine kleine Anlage mit Ferienwohnungen und Studios. Kein lauter Neubeginn, sondern ein leiser. Einer, der sich richtig anfühlt.

Doch bevor ihr grosser Traum verwirklicht werden kann, ist einmal mehr Geduld gefragt. Die Übernahme-Papiere müssen von Anwälten geprüft werden. Und einen Termin zu finden, ist keine leichte Sache. 

Erster Schultag in Costa Rica

Beim Thema Bildung setzen die Burkhalters aus Sugiez FR klare Prioritäten. In Cahuita an der Karibikküste von Costa Rica gibt es seit drei Jahren eine private Schule mit Schweizer Wurzeln. Initiiert wurde das Projekt vom Schweizer Pius Graf, der selbst vor rund 30 Jahren nach Costa Rica ausgewandert ist. Weil passende Bildungsangebote vor Ort fehlten, gründete er eine eigene Schule. Begonnen hat alles mit zwei Kindern, heute zählt die Schule rund 130 Schülerinnen und Schüler.

Der Besuch der Schule ist mit Kosten verbunden: Das Schulgeld beträgt rund 320 US-Dollar pro Monat und Kind. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Monatseinkommen in Costa Rica liegt bei etwa 800 bis 900 US-Dollar. 

Für die vierköpfige Familie Burkhalter ist Bildung dennoch ein zentraler Bestandteil ihres Neuanfangs. Entsprechend angespannt ist die Stimmung vor den ersten Tagen im neuen Alltag. Doch die Erleichterung folgt schnell: Der Schul- und Kita-Start verläuft reibungslos, die Kinder fühlen sich wohl.

Nun fehlt noch der Ort, an dem der Traum wirklich Wurzeln schlagen kann. Die Familie besichtigt ein bestehendes Hotel, doch das Gefühl stimmt nicht. Zu viele Kompromisse, die Zimmer sind ihnen zu eng, zu klein. Das Gebäude renovationsbedürftig.

Für ihren Auswanderer-Traum wollen sie sich Zeit lassen – und lieber weiter suchen, als sich vorschnell festzulegen.

Extreme Kälte in Colorado

Die Realität holt sie mit voller Wucht ein – und mit extremer Kälte. Auf der Ranch kämpfen sie täglich mit Temperaturen, die selbst einfache Handgriffe auf der Giga-Ranch zur Herausforderung machen. 

Sogar Mirjam Dunkels Haare frieren im Freien ein. Derweil steht Ranchmanager Marc vor praktischen Problemen, die sofort gelöst werden müssen: kein fliessendes Wasser, Stromausfälle wegen der Kälte. «Irgendjemand muss es richten – also mache ich es», sagt er.

Für Marc wird die Pflege des Anwesens und der Cabin-Gäste schnell zum Vollzeitjob. Der frühere Manager wächst in eine neue Rolle hinein – als Allrounder, als Mann für alle Fälle. Er findet Halt in der Aufgabe, sieht Sinn im Unterhalt der Ranch, im Reparieren, Improvisieren, Weitermachen. Ein Leben, das körperlich fordert, aber greifbar ist.

Neustart mit Platzsuche

Für Mirjam ist der Neustart schwieriger. In der Schweiz war sie über 20 Jahre als Pferdetrainerin tätig, parallel zu ihrem Beruf als Polizistin. In Kanada fehlt zunächst die Perspektive. «Ich bin nicht in ein Loch gefallen», sagt sie. «Aber es war deutlich schwieriger als für Marc, mir vorzustellen, was ich hier beruflich machen könnte.» Während Marc anpackt und Lösungen findet, ist sie noch auf der Suche – nach einem Platz, einer Aufgabe, einer neuen Identität.

Und dann ist da noch ein weiterer Traum: das eigene Tiny House. Entworfen von einem Schweizer Auswanderer, soll es ihr neues Zuhause werden. Doch noch ist es Zukunftsmusik. Noch warten sie. Auf Pläne, auf Baufortschritte – und auf einen Ort, der sich endlich nach Ankommen anfühlt.


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