Tom Cruise blickt zurück

«Schon mit vier wollte ich Filme machen»

Von Marlène von Arx

20.5.2022

Tom Cruise präsentiert «Top Gun: Maverick» in Cannes

Tom Cruise präsentiert «Top Gun: Maverick» in Cannes

US-Schauspieler Tom Cruise, der in den 80er-Jahren mit dem Film «Top Gun» seinen Durchbruch hatte, war bei der Präsentation des Films «Top Gun: Maverick» bei dem Filmfestival im südfranzösischen Cannes anwesend. Der Film läuft dort ausser Konkurre

19.05.2022

Für Tom Cruise und «Top Gun: Maverick» hat das Filmfestival von Cannes am Mittwoch das ganz grosse Geschütz aufgefahren – inklusive Jets und Feuerwerk. Cruise stand zuvor in einer «Masterclass» Rede und Antwort.

Von Marlène von Arx

20.5.2022

Das hat Seltenheitswert. Tom Cruise ist am Filmfestival von Cannes: «Top Gun: Maverick» feiert auf der Croisette inklusive Fliegerstaffel Premiere.

Der Hollywood-Star, der die Piloten-Sonnenbrille popularisierte, war zuvor erst einmal in Cannes. Auf den Tag genau vor dreissig Jahren mit Ron Howards Western «Far and Away», der damals das Festival abschloss. Bei der Zeremonie am gleichen Abend überreichte er die Palme d'or an Bille August («The Best Intentions»).

30 Jahre und 30 Filme später wird Tom Cruise nun mit einem dreizehnminütigen Highlight-Clip, Standing Ovations und einer Überraschungs-Palme d’Or für sein Lebenswerk geehrt.

«Leben gefüllt mit Abenteuern»

Tom Cruise ist einer der letzten Filmstars aus den achtziger Jahren, der immer noch in regelmässigen Abständen Blockbusters abliefert. Der «Mission Impossible»-Star, der am 3. Juli 60 Jahre alt wird, erklärt an der Masterclass im Palais de Congrès, wie er das schaffte.

Die Weichen habe er früh gestellt: «Schon mit vier Jahren wollte ich Filme machen und Flugzeuge fliegen. Ich kletterte auf die höchsten Bäume. Mein Leben sollte gefüllt mit Abenteuern sein.»

Mit dem Sackgeld, das er mit Schneeschaufeln und Kartenverkauf von Tür zu Tür verdiente, ging er ins Kino. Mit achtzehn landete er eine kleine Rolle im Kadetten-Film «Taps » und nutzte die Gelegenheit: «Ich ging in jedes Department – Kamera, Licht, etc – um zu lernen, wie sie ihren Job machen. Wie konnte ich ihnen dabei helfen? Jedes Element der Filmkunst ist wichtig.»

Szenen sorgen für Applaus

Nach seinem ersten kleinen Erfolgen beauftragte der damals 19-jährige seinen Agenten, ein Meeting mit Star-Regisseur Sydney-Pollack («The Way We Were») zu organisieren. Er wurde sein Mentor und die beiden drehten zusammen die Grisham-Adaption «The Firm».

Über die «Mission Impossible»- und «Jack Reacher »-Jahre hat man fast vergessen, wie vielseitig Tom Cruises auf der Leinwand eigentlich sein kann.

Die Unterhosen-Tanzszene in «Risky Business» ist gemäss den Reaktionen in Cannes noch immer ein Publikumshit, ebenso die verzweifelten Zeilen «Show Me the Money» und «You Complete Me» aus «Jerry Maguire». Von Dustin Hoffmans Yuppie-Bruder in «Rain Man», über den Vietnam-Veteranen in «Born on the 4th of July» bis zum Rockstar in «Rock of Ages» hat er die unterschiedlichsten Rollen gespielt und war auch dreimal für einen Oscar nominiert.

Stunts sind sein Markenzeichen

Aber das Publikum sieht Tom Cruise am liebsten in einem schnellen Fortbewegungsmittel – und er sich auch. Die Stunts macht er dabei nach eigenen Angaben alle selber. Die Frage, wieso er sich auf dem Set Gefahren aussetzt, beantwortet er mit einem schlichten: «Man fragte ja Gene Kelly auch nicht, wieso er selber tanzt oder selber singt.»

Action ist eben einfach sein Ding. Ebenso das Reisen: «Die Basis für ‹Mission Impossible› ist eigentlich, dass ich versuche, Filme an verschiedenen Orten zu drehen und verschiedene Kulturen zu würdigen – weil sie mich interessieren und ich sie mit dem Publikum teilen will.»

Was er nicht teilt, ist die Euphorie für Streaming-Dienste. «Top Gun: Maverick» während der Pandemie auf einem Streaming-Dienst zu lancieren, wäre für ihn «nie und nimmer» infrage gekommen: « Ich habe Kinobesitzer angerufen und ihnen gesagt, sie sollen durchhalten. Wir machen einen neuen ‹Mission Impossible› und ‹Top Gun› wird kommen. Ich mache Filme spezifisch fürs Kino. Ich verstehe das Filmbusiness und weiss daher, wohin die Filme nach dem Kino gehen. Und das ist auch okay. Denn ich mache Filme so, dass sie nicht nur am ersten Wochenende Kasse machen, sondern dass man sie auch später noch schauen kann.»

«Mission Impossible» war der erste Film, den er produzierte. Kurzfristig war er zusammen mit seiner Produktionspartnerin Paula Wagner sogar Studio-Mogul und leitete United Artists.

Aber Filme wie «Lions for Lambs» mit Meryl Streep und inszeniert von Robert Redford floppten unter seiner Führung. Inzwischen dreht er den achten «Mission Impossible»-Film: «Mit diesen Sequels habe ich gelernt, einen Dialog mit dem Publikum zu schaffen. Für eine Fortsetzung von ‹Top Gun› war ich in den achtziger Jahren, als davon die Rede war, noch nicht bereit. Ich musste zuerst als Künstler wachsen. Deshalb hat es 36 Jahre gedauert.»

Nicht nur den Action-Film, sondern auch die Film-Promotion hat er mit-revolutioniert: «Ich bin zu allen Studio-Bossen gegangen und habe gesagt, wir brauchen mehr Kinos in Asien und Europa. Und wir machen statt Interviews in Hotelzimmern festliche Red Carpet Premieren in jeder Stadt», so Cruise, der seit Jahren kein ausführliches Print-Interview mehr gegeben hat und auch auf Social Media nicht aktiv ist.

«Entweder so, oder ich mache den Film nicht»

«Es dauerte Jahre, bis ich sie davon überzeugt hatte. Ich sagte ihnen schliesslich: Entweder so, oder ich mache den Film nicht. Jetzt kann ich die Promo-Tour in einer kürzeren Zeitspanne absolvieren und ich werde auf den roten Teppichen direkt von den Fans informiert, was ihnen gefällt anhand der Bilder und DVDs, die sie signiert haben wollen.»

Ein bisschen hat seine Interview-Abstinenz aber wohl auch mit seiner Scientology-Affiliation und seinem mysteriös gehaltenen Privatleben zu tun. Das legendäre Sofa-Hüpfen in der Oprah Winfrey Show 2005 war der bizarre Höhepunkt seiner Verliebtheit mit Katie Holmes, von der er sich nach sechs Ehejahren und einer gemeinsamen Tochter trennte.

Dem Publikum in Cannes fiel auf, dass Nicole Kidman in seinem ausführlichen Karriere-Tribut nicht zu erkennen war, obwohl das Paar drei gemeinsame Filme drehte, über zehn Jahre verheiratet war und zwei Kinder zusammen adoptiert hat.

Was es mit ihrer Absenz auf sich hatte, konnte man ihn in Cannes nicht fragen. Eine Pressekonferenz gab es wie erwartet nicht. Und überhaupt musste er gleich nach der Premiere wieder weg: In London warteten nämlich die Royals auf die königliche «Top Gun»-Premiere.

Ab dem 25. Mai läuft «Top Gun: Maverick» in den blue Cinemas. An der Movie Night der blue Cinema Kinos kannst du den Action-Film ausserdem noch vor dem Kinostart am 26. Mai erleben.