Doppelter Traumjob in WienSchweizer Tänzerin am ESC: «Das ist ein riesiger Adrenalin-Schub»
Carlotta Henggeler
14.5.2026
Die Zürcher Tänzerin Zoey May ist am ESC in Wien gleich doppelt im Einsatz: Sie tanzt nicht nur als Haupttänzerin auf der Bühne, sondern arbeitet auch als Stand-in für mehrere Länderdelegationen – quasi als Double für die Choreographien der Länder-Delegationen.
Zoey May/Instagram
Die Zürcher Tänzerin Zoey May steht beim ESC in Wien gleich doppelt auf der Bühne: als Haupttänzerin und Choreografie-Double. Nur wenige schaffen den Sprung durchs harte Casting.
Zoey May gehört beim ESC 2026 in Wien zu den wenigen ausgewählten Tänzerinnen und arbeitet gleich doppelt: als Haupttänzerin der Liveshows und als Stand-in für mehrere Länderdelegationen.
Die Zürcherin beschreibt die wochenlangen Proben als körperlich extrem fordernd, geht aber bewusster mit Pausen und Regeneration um als beim ESC im Vorjahr. Sie war schon beim ESC 2025 in Basel dabei.
Der ESC hat ihrer Karriere einen grossen Schub gegeben. Im Sommer zieht die 22-Jährige nach London, um dort als Freelance-Tänzerin internationale Chancen zu nutzen.
Über tausend Tänzerinnen und Tänzer bewarben sich für einen Platz im Hauptcast des Eurovision Song Contest in Wien – nur 20 wurden ausgewählt. Mit dabei: die Zürcherin Zoey May. Die Schweizerin steht nicht nur bei den Liveshows auf der Bühne, sondern arbeitet zusätzlich als Stand-in für mehrere Länderdelegationen.
«Das ist ein riesiger Adrenalin-Schub», sagt sie im Gespräch mit blue News. Während Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer die grossen ESC-Momente entspannt während drei Abenden im TV verfolgen, befindet sich Zoey May seit Wochen im Ausnahmezustand.
Sechs Wochen Proben, nur zwei freie Tage und dauernde körperliche Belastung: Als Stand-in übernimmt Zoey May eine wichtige Rolle hinter den Kulissen. Sie lernt die Choreografien verschiedener Länder und tanzt diese für interne Proben vor.
So können die Delegationen bereits vor ihrer eigentlichen Anreise sehen, wie ihre Performance auf der ESC-Bühne wirkt. Damit können Licht- und Kamera-Einstellungen schon im Vorfeld der Generalprobe optimiert werden – und zur Showtime sitzt jedes Detail. Zoey May arbeitet unter anderem für Zypern, Albanien, Montenegro und San Marino.
Ihr zweiter Job: Tänzerin im Main-Cast. Dabei tanzt sie nicht für die einzelnen Acts, sondern für die Showeinlagen zwischen den Ländern. So stand sie beim ersten Halbfinale am vergangenen Dienstag mit ESC-Eröffnungsgast Vicky Leandros auf der Bühne.
Dass sie die Belastung heute deutlich besser wegsteckt als noch beim ESC 2025 in Basel, wo sie bereits Teil der Produktion war, habe einen klaren Grund: «Ich weiss mittlerweile, wo meine Trigger sind», sagt Zoey May.
Während sie sich im vergangenen Jahr neben den intensiven Proben auch sozial komplett verausgabt habe, gehe sie diesmal deutlich bewusster mit ihren Kräften um. Sie plane gezielt Pausen ein und setze auf Meditation sowie Regeneration und Stretching. «Ich habe gelernt, besser auf meinen Körper zu hören.»
Der ESC als Karriere-Boost
Die Unterschiede zwischen den beiden ESC-Jahren seien enorm – vor allem beim choreografischen Stil. «Letztes Jahr war vieles mehr Contemporary. Dieses Jahr ist alles viel schärfer und bildlicher», erklärt die Tänzerin. Die Performances seien stärker auf präzise Bilder und klare Bewegungen ausgelegt.
Der ESC in Basel vergangenes Jahr sei für sie definitiv ein Karrieresprung gewesen. «Ich hatte danach viele coole Möglichkeiten, die sich mir geboten haben, und plötzlich einen Wiedererkennungswert.»
Trotzdem blickt sie realistisch auf die Branche. Den grossen Moment vom letzten Jahr, als sie als Lead-Tänzerin im Opening-Act prominent gezeigt wurde, könne man kaum wiederholen. «Das war ein Million-Dollar-Shot.»
Stillstand kommt für die Zürcherin nicht infrage. Im Sommer zieht sie für ein halbes Jahr nach London – ihre Traumstadt. Dort will sie als Freelance-Tänzerin Fuss fassen. «Denn dort gibt es alles: Auditions, Agenturen, Tanzklassen. Die perfekten Chancen.»
Zoey May tanzte schon am ESC in Basel
Über 800 Mitbewerber*innen: Diese Zürcherin hat alle ausgestochen – und tanzt am ESC vor Millionenpublikum
Zoey May ist eine von 20 Auserwählten, die am ESC 2025 auftreten darf. 820 Menschen wollten diesen Job. Sie wird vor einem Millionenpublikum tanzen – wie geht die 21-jährige Tänzerin mit dem Druck um?