Mega-Event mit Mini-Vorlauf So stemmen die SBB die Besuchermassen am ESC in Basel

Dominik Müller

10.4.2025

Am Bahnhof Basel SBB wird in der ESC-Woche ein emsiges Treiben herrschen.
Am Bahnhof Basel SBB wird in der ESC-Woche ein emsiges Treiben herrschen.
Imago

Mitten in einem Super-Eventjahr stemmen die SBB den Eurovision Song Contest in Basel – trotz kurzer Vorbereitungszeit. Mehr als hundert Extrazüge sollen die Besuchermassen bewältigen.

Dominik Müller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • 2025 setzen die SBB wegen 1400 Events über 1600 Extrazüge ein – doppelt so viele wie in einem durchschnittlichen Jahr.
  • Allein 115 Extrazüge sind für den Eurovision Song Contest in Basel im Einsatz.
  • Geplant sind Shuttlezüge, verlängerte Regelzüge und Nachtverbindungen, um rund 250'000 Besucher*innen effizient zu transportieren – trotz extrem kurzer Vorbereitungszeit.

2025 ist für die SBB ein Jahr der Superlative. 1400 Events haben mehr als 1600 Extrazüge zur Folge. Zum Vergleich: In einem durchschnittlichen Eventjahr setzen die SBB rund 800 Extrazüge ein. Hinzu kommen mit dem ESC, der Frauen-EM, dem Eidgenössischen Turnfest sowie dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest gleich vier Grossanlässe.

Vom 13. bis 17. Mai steht mit dem Eurovision Song Contest in Basel der erste Grossanlass an. «Wir rechnen mit rund 250'000 Besucher*innen», sagt Florian Kurt, Leiter Eventverkehr SBB, an einer Medienorientierung in Bern. Das stelle das Transportunternehmen vor grosse Herausforderungen:

«Wir planen im Rahmen des ESC mit 115 Extrazügen, die Basel mit dem Rest der Schweiz verbinden.» Zusätzlich zu den Extrazügen werden viele Regelzüge mit weiteren Wagen oder Zugskompositionen verlängert.

Konkret bringen die Besucher*innen nach den Shows Shuttlezüge im 7-Minuten-Takt von der St. Jakobshalle bis Basel SBB. Von dort besteht Anschluss an die letzten Verbindungen nach Zürich, Bern, Luzern und Lausanne (mit Anschluss nach Genf) sowie die letzten S-Bahnen im Regionalverkehr. In der ESC-Woche verkehren zudem in der ganzen Region Basel täglich Nachtzüge und in der Stadt auch nachts Trams und Busse.

«Für jeden Bahnhof gibt es vorbereitete Konzepte»

Die späten Abfahrzeiten fordern das SBB Traffic Control Center (TCC). Dort wird der Zugverkehr im 24-Stunden-Betrieb gesteuert und kontrolliert. Kommt es zu Störungen, wird im TCC reagiert. «Für jeden Bahnhof gibt es vorbereitete Konzepte», sagt Carlo Fasciati, Leiter TCC Mitte.

Grundsätzlich würden die ESC-Extrazüge behandelt wie jeder andere Zug, «aber bei einem Ausfall können wir nicht einfach auf die nächste Verbindung ausweichen, da diese unter Umständen erst am nächsten Morgen fährt», so Fasciati. In solchen Fällen gelte es, «kreativ zu werden».

Im Traffic Control Center der SBB wird reagiert, wenn es beim Zugbetrieb zu Störungen kommt.
Im Traffic Control Center der SBB wird reagiert, wenn es beim Zugbetrieb zu Störungen kommt.
blue News

Erst Ende August 2024 ist Basel als Austragungsort bestimmt worden. Normalerweise beträgt die Vorbereitungszeit bei den SBB auf einen Event dieser Grösse zwei bis drei Jahre. Nun ist es weniger als ein Jahr. «Der ESC bricht alle Rekorde, was die Vorlaufzeit in der Planung betrifft», sagt Florian Kurt.

Unklar, wo die Besucher*innen logieren

Im Gespräch mit blue News konkretisiert Kurt: «Der ESC ist auch für die Stadt Basel neu. Es war ein grosser Effort vonnöten, um alle Informationen zu erhalten, die für die Erstellung eines Konzepts nötig sind.» Dafür stehen die SBB mit der Stadt Basel, der SRG als austragender Fernsehsender und den weiteren Transportunternehmen in engem Austausch.

Wohin die vielen Besucher*innen letztlich reisen werden und ob sie dafür überhaupt den ÖV nutzen, wisse man nicht mit Sicherheit. Zumal der letzte ESC in der Schweiz 1989 in Lausanne stattfand und Erfahrungswerte entsprechend fehlen. «Der Ticketverkauf liefert uns wertvolle Informationen», so Kurt. Letztlich arbeite man aber mit Schätzungen.

In Basel bringe überdies die geografische Nähe zu Deutschland und Frankreich Unsicherheiten mit sich. So sei es gemäss Kurt gut möglich, dass viele Menschen nach dem Besuch der Show wieder ins Ausland reisen und nicht in der Schweiz logieren.

«Motivation unserer Mitarbeitenden ist enorm»

Viele Extrazüge brauchen auch viel Personal. Zahlreiche Lokführerinnen, Kundenbegleiter und Kundenbetreuerinnen werden Sondereinsätze leisten müssen. Die Bereitschaft dazu sei gross, betont Kurt: «Wir haben das bereits bei vergangenen Events gespürt: Die Motivation unserer Mitarbeitenden bei Grossanlässen ist enorm.»

In der Vergangenheit war der ESC aufgrund geopolitischer Spannungen oftmals politisch aufgeheizt. Zum Sicherheitskonzept will Kurt aber keine detaillierten Angaben machen. Die Sicherheit der ÖV-Nutzenden stehe für die SBB an oberster Stelle. Das Konzept werde situativ angepasst und aus den Massnahmen der Kantonspolizei Basel abgeleitet.


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