Tschüss, ThommyGottschalk rockt in Rente – und flüchtet mitten aus seiner Show
Lukas Rüttimann
7.12.2025
Gezeichnet, aber professionell lächelnd: Thomas Gottschalk bei seinem letzten grossen TV-Auftritt in «Denn sie wissen nicht, was passiert» mit Frau Karina.
RTL
Gezeichnet, aber tapfer lächelnd: Thomas Gottschalk sagt der TV-Bühne Adieu. Ein Abgang, der ebenso menschlich wie konsequent war. Und der zeigte, warum Gottschalk bis zuletzt der geborene Showman blieb.
Lukas Rüttimann
07.12.2025, 07:03
07.12.2025, 14:07
Bruno Bötschi
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Thomas Gottschalk (75) moderierte am Samstag seine letzte grosse Show: «Denn sie wissen nicht, was passiert» – zusammen mit Günther Jauch und Barbara Schöneberger.
Vor wenigen Tagen machte er seine Krebsdiagnose öffentlich.
Die Sendung wurde leicht zeitversetzt ausgestrahlt – aus Rücksicht auf seine Gesundheit.
Sein fahriger Auftritt beim Bambi war das erste sichtbare Zeichen seiner Krankheit. Auch gestern waren seine gesundheitlichen Probleme spürbar.
Mit Gottschalk endet die Ära der unperfekten, aber echten Live-Unterhaltung am TV.
Eigentlich ist es fast wie immer: Samstagabend, 20.15 Uhr, das Licht geht an, Musik erklingt, und Thomas Gottschalk steht auf der Bühne und sendet sein strahlendes Lächeln in die Wohnzimmer der Nation.
Nur dieses Mal ist vieles anders. Kein «Wetten, dass..?», kein ZDF-Goldstaub – sondern RTL, Jauch, Schöneberger und ein Entertainer, der weiss, dass dieser Abend mehr ist als Unterhaltung: Es ist sein Abschied.
Auch Gottschalk selbst wirkt verändert. Der einstige Schnellredner und Schalk im Goldlamé hält sich zurück, überlässt das Reden Jauch, Schöneberger oder Gästen wie Giovanni Zarrella, Mike Krüger und Jörg Pilawa. Nur hin und wieder blitzt ein launiger Spruch auf. Meist aber lächelt Thommy still vor sich hin – abwesend, fahrig, ein bisschen fragil.
Gottschalk redet, als wolle er die Kontrolle behalten
Was für ein Unterschied: Früher war jeder Gottschalk-Abend ein Festival aus flotten Sprüchen, charmantem Chaos und anzüglicher Schlagfertigkeit. Heute steht er da als Abbild eines angekündigten und längst fälligen Abschieds.
Seit seiner Krebsdiagnose haben sich Ton und Tempo verändert. Das blonde Show-Wunder von einst ist geblieben – aber leiser geworden, nachdenklicher, gebrechlicher.
In der Show eher im Hintergrund: Thomas Gottschalk (r.) überlässt das Reden Mike Krüger.
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Im Gespräch mit Günther Jauch spricht Gottschalk offen über seine Krankheit, über Operationen, Bestrahlungen, Nachwirkungen. Er redet schnell, fast einstudiert, als wolle er die Kontrolle behalten.
Gefühle zeigt er kaum, stattdessen dieses alte Profi-Lächeln, das man seit Jahrzehnten kennt. «Ich habe Brainfog», sagt er, «deshalb rede ich manchmal dummes Zeug.» Dann grinst er kurz und fügt hinzu: «Wobei – das habe ich früher auch gemacht, aber da war’s geplant.»
Gottschalk bleibt Showman. Bis zuletzt, durch und durch.
Der letzte grosse Auftritt: Thomas Gottschalk beim Interview mit Günther Jauch (l.).
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Eine leise Kritik an Social Media
RTL hat die Sendung vorproduziert. Kein Live-Druck, keine Panne, kein Risiko. Ein stilles Entgegenkommen nach zwei missglückten Auftritten in den letzten Wochen: Beim Bambi, wo er fahrig wirkte, und wenig später bei der Romy-Gala, wo ihm die Stimme zitterte.
Damals wussten die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht, was los war. Heute weiss man es – und versteht, warum.
Die Häme auf Social Media – sie hat ihn getroffen. «Hilfreich war das nicht», sagt Gottschalk und kritisiert damit die digitale Bashing-Lust mit ungewohnter Ernsthaftigkeit. Umso mehr habe ihn die Welle an aufmunternden Nachrichten berührt. «Vielen Dank, das hat mir viel bedeutet», sagt er – schlicht, ehrlich, ohne Pathos.
Kritisch: Thomas Gottschalk übte Kritik an der Häme auf Social Media.
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Auch dank dieser Stimmen wollte Gottschalk noch einmal auftreten. Trotz Schlagzeilen, trotz Krankheit. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil es sein Selbstverständnis ist – und schon immer gewesen ist: Thomas Gottschalk ist der, der auf der Bühne steht. Vor Menschen, mit einem Lächeln.
Nie perfekt – aber immer souverän
Tatsächlich war auch seine Karriere kein reines Märchen, sondern eher ein wildes TV-Labyrinth – vom Radiomann zum Publikumsmagneten, von «Na sowas!» zu «Wetten, dass..?».
Gottschalk brachte Pop-Kultur ins Wohnzimmer, liess Michael Jackson warten, flirtete mit Cher und brachte Helene Fischer zum Erröten.
Er war nie perfekt, nie glatt, nie vorbereitet genug, aber immer da. Ein Moderator, der das Wort Show ernst nahm – und Master nie überbewertete.
Als Gottschalk und seine Frau Karina öffentlich machten, dass er an einem Angiosarkom leidet, fiel die Fassade. Doch statt Rückzug kam eine Videobotschaft: «Macht euch keine Sorgen. Ich gehe die Dinge positiv an.»
Ein inszeniertes Lagerfeuer für den letzten Mann, der das TV-Lagerfeuer noch am Leben erhalten hat: Gottschalk mit Mike Krüger, Giovanni Zarrella, Barbara Schöneberger und Günther Jauch.
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Dass die Krankheit ihn während der letzten Monate veränderte, ist kein Geheimnis. Das ist auch in seiner Abschieds-Show spürbar. Doch Gottschalk ist lieber fahrig auf der Bühne als gefasst zu Hause.
«Ich bereue nichts. Ich habe für gute Unterhaltung immer alles gegeben und würde alles genau wieder so machen», sagt er zu Jauch – ohne Wehmut, aber mit Nachdruck. Sentimentalität lässt er keine aufkommen. Stattdessen sagt er klipp und klar, was Sache ist: «Der Brainfog wird am Abend schlimmer» – ein Satz, der erklärt, was später noch folgen sollte.
Mit Status Quo in Rente gerockt
Dann gibt’s für die Lichtgestalt des samstäglichen TV-Lagerfeuers genau das – ein echtes TV-Lagerfeuer. «Supernase»-Partner Mike Krüger greift zur Klampfe, und aus «Mein Gott, Walter» wird «Mein Gott, Thomas». Das Publikum tobt, hält Schilder hoch mit Aufschriften wie «Danke», «Du bist eine Legende» oder «Wir werden dich vermissen».
Gottschalk lacht, wirft noch ein paar seiner typischen Sprüche in die Runde. Als Krüger mitten im Song den Text vergisst, kontert er trocken: «Mike ist der nächste, der geht.»
Dann ist plötzlich Schluss. Zu «Rockin’ All Over The World» von Status Quo steigt Gottschalk die Showtreppe hinauf, küsst seine Frau Karina, singt ein paar Takte mit. Goldkonfetti regnet, er winkt, lacht – und geht. Mitten in der Sendung, einfach so. Nach 105 von 240 Minuten Sendezeit. Als hätte sein Körper entschieden, dass genug ist.
Abschied von einem Grossen: Thomas Gottschalk wird künftig laut eigenen Aussagen kaum mehr öffentlich auftreten.
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Es ist ein Abschied ohne Pathos, abrupt, ein bisschen unglamourös – aber sehr Gottschalk. Denn er hatte es vorher klar gesagt: Er will raus aus dem Rampenlicht. «Die Zeit ist gekommen, das alles hinter mir zu lassen», erklärte er im Gespräch mit Jauch. Freundlich, aber ganz bestimmt.
Verdient hat er sich diese Ruhe mehr als jeder andere TV-Moderator.
Deshalb bleibt am Ende nur noch das: Tschüss, Thommy – werde gesund. Und danke für all die Abende, an denen Fernsehen noch richtiges Fernsehen war.
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