Schmal, sensibel, ehrgeizig Wie Megastar Timothée Chalamet Hollywood neu definiert

Noemi Hüsser

25.2.2026

Timothée Chalamet ist dieses Jahr bereits zum dritten Mal für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert.
Timothée Chalamet ist dieses Jahr bereits zum dritten Mal für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert.
Keystone

Vom einem Highschool-Rap-Video bis zur Oscar-Nominierung: Timothée Chalamets Karriere erzählt von Disziplin, Inszenierung – und dem Bruch mit den Erwartungen, die Hollywood an seine Stars stellt.

Noemi Hüsser

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Timothée Chalamet zeigte schon als Jugendlicher mit seinem Rap-Alter Ego «Lil Timmy Tim» eine ausgeprägte Bühnenlust, die bis heute seine Schauspielkarriere prägt.
  • Trotz anfänglicher Zweifel an seinem Körperbild etablierte er sich mit Filmen wie «Call Me by Your Name», «Dune» und «Wonka» als Hollywoodstar, der ein neues Männerbild verkörpert.
  • Seine Beziehung mit Kylie Jenner durchbrach das öffentliche Bild, das man von ihm hatte, und unterstrich, dass Chalamet sich nicht auf eine einzige Rolle oder Persona festlegen lässt.

Bei einem seiner frühen Auftritte nach dem Durchbruch mit dem Film «Call Me by Your Name» sitzt Timothée Chalamet bei Jimmy Fallon und wirkt, als wäre er versehentlich auf den Sessel geraten. Er schaut dem Moderator kaum in die Augen, lacht nervös und richtet seinen Blick immer wieder auf seine Schuhspitzen.

Wer Chalamet nun für schüchtern hält, hat ihn noch nie rappen gesehen. Bevor er Schauspieler und Hollywoodstar wurde, wollte er nämlich Rapper werden. Als Jugendlicher sagte er von sich, er sei «der nächste Slim Shady», und verwandelte sich in «Lil Timmy Tim» – ein eigenes Rap-Alter Ego, das mit der Zurückhaltung bei Jimmy Fallon wenig gemein hatte.

Mit «Lil Timmy Tim» probte Chalamet eine Lust an Performance, die seine Karriere prägen würde. Es gibt ein Video aus dem Jahr 2012, das ihn als 17-Jährigen bei einem Auftritt bei einer Talentshow seiner Highschool zeigt. «Lil Timmy Tim, zieh die Hosen hoch», rappt Chalamet, nur um es dann demonstrativ nicht zu tun und mit fast in den Knien hängenden Hosen Nicki Minajs «Roman's Revenge» zu performen.

Dieses Video soll später Regisseur Paul King überzeugt haben, Chalamet die Rolle des Willy Wonka anzubieten – ohne ihn jemals dafür zu casten. Er habe das Video gesehen und gewusst, dass Chalamet singen und tanzen könne, erzählte King dem Magazin «Rolling Stone»: «Es war ein direktes Angebot, weil er meiner Meinung nach der Einzige war, der das schaffen konnte.»

Zu performen wurde Chalamet von klein auf mitgegeben. Seine Mutter war Broadway-Tänzerin, sein Vater arbeitete als Journalist und für Unicef. Auch seine Schwester ist Schauspielerin. Die High School absolvierte er an einer New Yorker Kunstschule.

Nach seinem Abschluss dort begann er erst an der Columbia zu studieren, dann an der NYU. Das Studium beendete er aber nie. Seine ersten Hollywood-Erfolge kamen ihm zuvor: In Christopher Nolans «Interstellar» spielte er eine Nebenrolle. Dann folgte «Lady Bird», «Call Me by Your Name» und «Little Women» und seine Schauspielkarriere war endgültig etabliert.

Keine harten Drogen und keine Superhelden-Filme

Besonders mit «Call Me by Your Name» erzeugte Chalamet Aufmerksamkeit. Das «Interview»-Magazin fragte: «Ist Timothée Chalamet der neue Leonardo DiCaprio?» Der «Guardian» sprach von «Chalamania».

Hollywood hatte sich festgelegt: Chalamet sollte der neue Star werden. Mit seiner Hauptrolle in «Marty Supreme» darf er bereits das dritte Mal auf einen Oscar als bester Hauptdarsteller hoffen. Den Golden Globe dafür hat er schon erhalten.

Keine harten Drogen und keine Superhelden-Filme, soll ihm jemand zu Beginn seiner Karriere geraten haben. Und daran hält er sich bisher gut (zumindest was den Superhelden-Film angeht, lässt sich prüfen). Dennoch spielt Chalamet stets ernste Rollen. Figuren mit Extremen: Den Messias in «Dune», einen exzentrischen Unternehmer in «Wonka», Bob Dylan in «Like A Complete Unknown» und nun einen ehrgeizigen Tischtennis-Spieler in «Marty Supreme».

Dabei hatte Hollywood lange genaue Vorstellungen, wie solche Rollen zu besetzen sind: mit Körpern und Charakteren, die Raum einnehmen. Dieses Bild wirkt neben Chalamet erstaunlich eng. Er ist schmal, androgyn, hat feine Gesichtszüge, kein Muskelpanzer, keine breiten Schultern. Die «New York Times» nannte ihn einmal einen «Noodle Boy».

Für Chalamet war das zu Beginn durchaus eine Herausforderung. Bei Castings für Filme wie «Maze Runner» oder «Divergent» sei ihm gesagt worden, er habe nicht den richtigen Körper. «Mein Agent rief mich an und sagte: ‹Du musst Gewicht drauflegen›», erzählte er später in einem Interview. Doch den eigenen Körper zu verändern, um in ein Blockbusterformat zu passen, kam für ihn nicht infrage.

Chalamet lässt sich nicht in eine Schublade stecken

Stattdessen spielt er Messiasse, Exzentriker und Genies, ohne sich um gespielte Härte zu bemühen. Das macht ihn auch zur Projektionsfläche. Zu so etwas wie einem Idealbild sogenannter performativer Männer, die Sensibilität sichtbar inszenieren. Chalamet wirkt begehrbar, aber nicht bedrohlich; präsent, aber nicht dominant.

Und wenn er an der Preisverleihung der SAG-Awards sagt: «Ich weiss, dass die Leute normalerweise nicht so reden, aber ich möchte einer der ganz Grossen sein», dann nimmt man das nicht als patriarchales Pathos und männliche Selbstüberschätzung wahr. Sondern als authentische, fast träumerische Entschlossenheit.

Chalamet sagte das nicht locker dahin. Für den Film «Like A Complete Unknown» lernte er, Mundharmonika und Gitarre zu spielen, für «Marty Supreme» das Tischtennisspielen. «Oft sagte er – auch wenn ich schon zufrieden gewesen wäre: ‹Ich mache es nochmal›», erinnert sich der Schweizer Diego Schaaf, der mit Chalamet das Tischtennisspielen trainierte.

Doch etwas brachte das Bild, das die Öffentlichkeit von Chalamet gezeichnet hatte, durcheinander: Chalamets Beziehung mit Influencerin und Make-up-Unternehmerin Kylie Jenner. Als Bilder der beiden bei den US Open im Jahr 2023 ihre Beziehung bestätigten, kamen sofort auch Fragen: Was sieht er in ihr? Worüber sprechen sie?

Seit über drei Jahren sind die beiden nun ein Paar. Rückblickend ist nicht die Beziehung selbst erstaunlich – sondern die Dreistigkeit, mit der man zuvor geglaubt hatte, zu wissen, wer an Chalamets Seite passen müsse. Und damit auch zu wissen, wer Chalamet (und Jenner) sei.

Es war ein Bruch, der ihn von dieser festgefahrenen Rolle befreite. Vielleicht war der junge Mann auf Fallons Couch nie schüchtern, sondern nur eine andere Seite der Figur, die auch der selbstbewusste «Lil Timmy Tim» ist. Oder der «Noodle Boy», der eine neue Männlichkeit verkörpert. Chalamet lässt sich nicht in eine einzige Schublade stecken. Er ist eben alle davon.

Der Film «Marty Supreme» startet am 26. Februar bei blue Cinema.


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