19.04.2017 - 09:28

«Raus aus dem Zwang»: Messie und Neurotikerin sorgen für Herzchriesi

von Maja Zivadinovic
 

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Was passiert, wenn ein «kluger» Sender wie Kabel eins auf ein Reality-Format setzt, das trashig klingt? TV-Expertin Maja weiss es.

Gäbe es ein Pendant zu den Anonymen Alkoholikern für Putzneurotiker wäre ich eine der ersten, die im Kreis Platz nehmen würde. «Hallo, ich heisse Maja und ich habe einen krankhaften Putzfimmel.» Der geht sogar so weit, dass mein letzter Freund deswegen nicht mit mir zusammenziehen wollte.

Unbestritten: Ich habe einen Knall. Und bin damit nicht alleine. Eine, die mich wunderbar verstehen würde, ist Pauline. Die Polin putzt bis zu zwölf Stunden täglich. Obwohl sie einen Mann und ein elf Monate altes Kind hat. Pauline putzt nicht nur, nein, sie desinfiziert. Alles. Auch Münzen. Ich lerne die Polin am Montagabend um 20.15 Uhr auf Kabel eins kennen. Die 24-Jährige ist zusammen mit Andreas (54) die Hauptprotagonistin in der ersten Folge der neuen Staffel «Raus aus dem Zwang».

Wie es der Name sagt, geht es darum, dass Menschen wie Neurotikerin Pauline und Messie Andreas ihre Zwänge überwinden. Indem sie aufeinandertreffen und sich gegenseitig helfen. Stets an ihrer Seite: der Psychologe Michael Thiel, der die beiden entweder aus der Ferne beobachtet oder live vor Ort ist.

Wenn Nerven blank liegen

Die Konfrontationstherapie beginnt in Andreas’ Wohnung, die er seit Jahren nicht mehr geputzt und aufgeräumt hat. Eigentlich will ich jetzt meine Wähe und meinen Salat essen. Beim Anblick dieses Saupuffs, dieser Abfallberge und dieses Schmutzes ist mir aber der Appetit vergangen. Mich «tschuddereds» genauso wie die arme Pauline.

Mit Thiels Hilfe schaffen es die beiden, eine Beziehung aufzubauen. Gemeinsam fangen sie an, seine Wohnung zu putzen und zu entrümpeln. Ist das jetzt einfach nur TV-Show? Oder ist es wirklich so simpel, Zwänge innerhalb von 15 TV-Minuten anzugehen? Ist das die Lösung auch meines Putzzwanges? Ich zweifle.

Am dritten Tag des Experimentes bricht auch Pauline ein. Sie erleidet eine Panikattacke in Andreas’ Wohnung, weil sie das Gefühl hat, das ihr irgendwas übers Gesicht kriecht. Sie kriegt sich aber schnell wieder ein. Ich bin über 1000 Kilometer entfernt und hüpfe immer noch angewidert mit fast einem Herzchriesi durch meine Stube.

Tränen der Verzweiflung

Nun plätschert das Geschehen etwas vor sich hin. Ich flippe hier aber immer noch aus. Wegen Adreas’ Puff. Und ich fühle mich mit jedem Abfallsack, der seine Wohnung verlässt, etwas befreiter. Vielleicht werde ich gerade co-therapiert. Wäre super. Für meinen Zukünftigen und mich.

Knapp eine halbe Stunde vor Ende wendet sich das Blatt hier. Nachdem Pauline und Andreas seine Wohnung mehr oder weniger auf Vodermann gebracht haben, besucht nun der Messie die Putzteufelin in ihrer sterilen Wohnung.

Nachdem er die Toilette benutzt, wäscht er seine Hände nicht. Pauline darf nichts putzen, darf nichts desinfizieren – das ist Teil des Settings. Zuviel für die junge Frau. Sie tickt völlig aus, schreit Andreas und den Psychologen an und bricht in Tränen aus. Mir tut der sowieso gebrochene Andreas leid.

Ende gut, alles gut?

Während sich Pauline langsam einkriegt, gibts einen erneuten Ortswechsel. Pauline und Andreas fahren zu seiner Wohnung. Mit seinem Puff kann Pauline besser umgehen als mit ihm in ihrer sterilen Wohnung. Wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich das irgendwie nachvollziehen.

Am Ende versöhnen sich nicht nur alle, nein, Pauline und Andreas haben in 120 Minuten ihren Zwang überwunden. So läuft das also in diesen heutigen modernen TV-Märchen. Was übrig bleibt, ist mein Ekel, meine etwas gespaltene Meinung zur Sendung und mein Salat und meine Wähe. Immerhin kann ich mir morgen meine frühmorgendliche Joggingrunde sparen. Danke, Kabel eins.

«The Story of my Life» lief am Dienstag, 18. April, um 20.15 Uhr auf Kabel 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie alle Sendungen bis zu sieben Tage nach Ausstrahlung anschauen.

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Maja Zivadinovic glaubt an ihre Fernbedienung, Hello Kitty und Kaffee. Ihr Herz schlägt vor allem für Trash-TV, «Gute Zeiten, schlechte Zeiten», Castingshows und McDreamy aus «Grey's Anatomy».
Bild: Maja Zivadinovic

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