Hauptkommissar wird Abwart
in Gammel-Haus

Von Carlotta Henggeler

29.10.2020

Charly Hübner hat alle Hände voll zu tun: Ein «Notruf 110» und zwei Impro-Filme stehen auf seinem Drehplan.
Peter Hartwig

Man kennt Charly Hübner als Alexander Bukow in «Notruf 110». Jetzt spielt der Ostdeutsche einen Hauswart in der neuen Gruselserie «Hausen». Die Horror-Mystery auf Sky geht ganz schön unter die Haut.  

Charly Hübner sitzt in seinem Arbeitszimmer und gibt Zoom-Interviews. Mit seiner Familie lebt er in Hamburg, die Hafenstadt steckt im Mini-Lockdown. Kein Grund, für Hühnen-Kommissar Bukov – er ist 1,92 Meter gross – sich auszuruhen. Beim mehrfach prämierten Schauspieler ist viel los – auch ein neuer «Notruf 110» steht auf dem Plan.

Grüezi Herr Hübner, ich dachte, ich begrüsse Sie auf Schweizerdeutsch, weil Sie im Schauspielhaus Zürich Theater gespielt haben.

Ja, da stand ich vor zwölf Jahren auf der Bühne. Und zwar sehr gern, nur Schweizerdeutsch kann ich nicht.

‹Hausen› spielt in einem sehr gruseligen, gammeligen Gebäude. Was hat das Düstere mit Ihnen gemacht?

Das Gebäude ist sehr alt, wir durften es nur in gewissen Bereichen betreten, es ist einsturzgefährdet. Man weilt permanent in einer kontaminierten Umgebung. Das ist nah an der Geschichte und richtig so. Die Atmosphäre wurde noch durch ein Funkloch verstärkt, in dem wir sassen – im Norden von Berlin. Da gibt es kein Internet, das Telefonnetz ist nicht ausgebaut. Und früher war das eine Zeit lang ein Ort, an dem sich Dealer rumgetrieben haben. Die waren am Anfang ganz sauer, dass sie nicht mehr in ihr Gebäude durften. Aber als düster empfand ich das nicht.

Zur Person: Charly Hübner
Charly Hübner spielt Kommissar Bukow in «Polizeiruf 110».

Charly Hübner war nach der Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch bis 2003 nur am Theater zu sehen, am Schauspiel Frankfurt am Main, am Theater am Turm Frankfurt sowie mit einem Gast-Engagement an der Schaubühne in Berlin. 2003 begann seine Fernsehkarriere mit Rollen u. a. in «Wenn Weihnachten wahr wird». Im gleichen Jahr folgte sein Kinodebüt in Hormanns Komödie «Männer wie wir» Seither ist Charly Hübner regelmässig in TV-Filmen und -Reihen zu sehen.

Sie spielen Hausmeister Jaschek, der mittels Kamera das Haus, auch die Bewohner überwacht. Das hat mich stark an Orwells ‹1984› und den Slogan ‹Big Brother is watching you› erinnert. Ging es Ihnen auch so?

Jacheks Reich ist ein endlos grosser, massiver Gebäudekomplex. Meine Figur versucht das Problem der verstopften Heizungsrohre und der geheimnisvollen Flüssigkeit, die sich überall ausbreitet, mit der Kamera zu erfassen und zu beheben. Jaschek ist sinnbildlich der Wächter der Menschen in diesem, seinem Kosmos. Deshalb sind überall Kameras.

Was war der Kick, Jaschek zu spielen?

Ich wollte schon länger mit Thomas Stuber arbeiten (Anm. d. Red: Regisseur von ‹Hausen›). Und das Sujet lud sehr ein!

In ‹Hausen› gibt es viele gruselige Szenen mit viel Schleim. Haben Sie sich am Set auch mal geekelt?

Der Schleim war von unserer Spezial-Effekt-Crew hervorragend verarbeitet. Der war so schlimm, dass wir zehn Handtücher versauen mussten, bevor wir überhaupt duschen konnten. Der hing am ganzen Körper, glitschig, süsslich riechend. 

Und «Hausen» erscheint mitten in der Pandemie.

Ja – aber das eine hat mit dem anderen ursprünglich nichts zu tun. Die Serie entstand davor, Ende Januar waren wir mit dem Dreh fertig, Thomas ging in den Schnitt und die Welt lernte Covid kennen.

Und wie trainieren Sie Ihre Konzentration am Set?

Ich versuche, so leer wie möglich zu sein. Höre Musik. Und ich höre zu, was die Regie braucht. Ich versuche, simpel zu bleiben. Mich nicht zu verzetteln.

Was war der passende Soundtrack zu ‹Hausen›?

Die Rolle des Jaschek war für mich irgendwie mit Cello verknüpft. Da habe ich für die Musik viele zeitgenössische Stücke mit Cello und in Moll ausgesucht.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ich arbeitete an zwei Impro-Filmen mit Jan Georg Schütte. Und einen ‹Polizeiruf› haben wir dieses Jahr schon gefilmt, ein weiterer ist geplant. Vielleicht kommt noch ein Theaterstück, für das kurz vor dem Lockdown Generalprobe war. Dann bereite ich zwei Regie-Arbeiten vor, eine davon ist ‹Sophia, der Tod und ich› von Thees Uhlmann.

Als Künstler sind Sie von Corona besonders betroffen. Wie geht es Ihnen?

Bis jetzt gucke ich mir das so an. Ich mag nicht hinnehmen, dass wir freiwillig verstummen. Die Schliessung öffentlicher Gebäude scheint, nach all dem, was man weiss, unausweichlich. Nur jüngst las ich im Netz den Satz: ‹Bleiben Sie im Theater, gehen Sie nicht nach Hause!› aufgrund einer Statistik, die sagt, dass die Ansteckungsrate im Theater am geringsten ist.

Sieht man Sie wieder einmal in einem Comedy-Film?

Ich war an einem Casting für einen Film, aber das ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Schade. Gibt es einen Herzenswunsch, was Sie noch spielen möchten?

Bestimmt (lacht). Da gibt es bestimmt noch manches, wo ich nicht Nein sagen will.

Und auf der Theaterbühne?

Shakespeare und Molière, Tschechow, Junge Autorinnen und Autoren, junge Regisseurinnen und Regisseure.

«Hausen» läuft ab 29. Oktober auf Sky.

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