Oscars 2021

Das junge Hollywood krallt sich die Fackel

Von Fabian Tschamper

17.3.2021

This combination photo shows Golden Globe nominees for best actress in a motion picture drama, from left, Viola Davis in
Viola Davis in «Ma Rainey's Black Bottom», Andra Day in «The United States vs Billie Holiday», Vanessa Kirby in «Pieces of a Woman», Frances McDormand in «Nomadland» und Carey Mulligan in «Promising Young Woman» (v.l.n.r.)
Keystone

Es ist der Kampf der Generationen: Noch nie waren die Kategorien so klar unterteilt in das alte und neue Hollywood wie bei den diesjährigen Oscars. Zeit, das Erbe der alten Garde anzutreten – nur halt anders.

Von Fabian Tschamper

17.3.2021

Nicht nur bei den wahnsinnig unterschiedlichen Nominierten wird ein Wandel gespürt, sondern auch bei den Studios hinter den Produktionen. Streamingdienste haben mehr Nominationen als die klassischen Hollywood-Fabriken. Dabei diskutierte die Academy vor wenigen Jahren noch, ob sich Netflix, Amazon, Disney und Co. überhaupt für die Oscars qualifizieren dürfen.

Es scheint ein neues Zeitalter angebrochen zu sein.

Die Generation Y ist in ihren 30ern und krempelt die Domäne der weissen Männer um. Einer Minderheit anzugehören, kratzt die Millennials nicht. Ist die Arbeit gut, dann wird sie auch belohnt. Und so kommt es bei den diesjährigen Oscars zu einem Kampf der Generationen, Vorhang auf.

Der überfällige Wandel

Früher oder später musste in den Chefetagen der Filmstudios ein Umdenken stattfinden, vor einer Weile etablierte die Academy Grundregeln für die Qualifikation für die Oscars. Dies, um Minderheiten eine Chance zu geben, und auch vor allem nach dem Boykott 2016, als viele schwarze Schauspieler auf die Oscarnacht verzichtet haben. Damals waren ausschliesslich weisse Protagonist*innen und Regisseur*innen nominiert.



Wir alle hatten es im Jahr 2020 nun wirklich nicht leicht. Doch der Filmbranche kann doch noch etwas Positives abgewonnen werden: Eine solche Vielfalt an talentierten Künstler*innen gab es noch nie. Und auch die älteren Semester – wohlgemerkt mit Legendenstatus – sind noch mit von der Partie.

Da könnte man platzen vor Stolz

In der Kategorie «Beste Hauptdarstellerin» kriegen es die beiden Ikonen Viola Davis und Frances McDormand mit den Oscar-Anfängerinnen Carey Mulligan, Vanessa Kirby und Andra Day zu tun. Davis und McDormand haben beide 20 Jahre Erfahrung Vorsprung, denn die anderen drei Frauen sind alle noch in ihren 30ern. Ein Beweis, dass gutes Schauspiel zeitlos ist – und Talent sich ähnlich wie Energie immer in neuen Formen zeigt.

Weiter ist es unfassbar schön zu sehen, dass der 83-jährige Sir Anthony Hopkins mit seinen Filmrollen auch 2021 noch Wellen schlagen kann. Diese Kategorie zieht sich beinahe über drei Generationen hinweg: Angefangen mit Hopkins über Gary Oldman (62) und dann die drei «Grünschnäbel» Steven Yeun (37), Riz Ahmed (38) und Chadwick Boseman, der 44 Jahre alt wurde.

Vereinzelt gilt es diese jungen Schauspieler*innen im Auge zu behalten: Vanessa Kirby («The Crown») sowieso, Carey Mulligan («Mudbound») ist eine Charakterdarstellerin, die noch eine lange und erfolgreiche Karriere vor sich hat, Steven Yeun kratzt ebenfalls erst an der Oberfläche, genauso wie Riz Ahmed. Ein Juwel dieser jungen Generation ist aber LaKeith Stanfield, einen solch wandelbaren Schauspieler gibt es pro Generation einen, maximal zwei. Er verschwindet komplett in seinen Rollen, auch wenn das Gesicht dasselbe bleibt. Stanfields Präsenz und – laut Adam Sandler – minutiöse Arbeitsweise erinnert an Christian Bale, der sich für eine Filmrolle bekannterweise sehr auslaugt.



Bleiben noch die Regisseur*innen

Wer hätte gedacht, dass wir 2021 nochmals einen Mitbegründer der Dogma-95-Bewegung als Nominierten für die «beste Regie» kriegen? Thomas Vinterberg geht da zusammen mit Regie-Legende David Fincher («Fight Club», «Seven») und drei Neulingen in den Ring. Golden-Globe-Gewinnerin Chloé Zhao («Nomadland»), Lee Isaac Chung («Minari») und Emerald Fennell («Promising Young Woman») schnuppern zum ersten Mal Oscar-Luft und haben drei Filme geschaffen, die so einzigartig sind wie die Nominierten selbst.

Die 93. Ausgabe der Oscars findet am 25. April statt.