David Hasselhoff Superstar

Von Gil Bieler

24.12.2019

David Hasselhoff live in der Schweiz. All jenen, die das Konzert des Jahres leicht verschämt abgefeiert haben, sei versichert: Man darf offen zu seiner Fanliebe stehen! The Hoff ist Kult. Eine Würdigung. 

Mit dem Älterwerden ist es so eine Sache. Was man als Kind oder Teenager richtig cool fand, ist einem später oft richtig peinlich. Das gilt für Frisuren und Kleidung, für Kindersendungen sowieso und für Hobbys – aber für David Hasselhoff? Gilt das wirklich nicht.

Das Beste von 2019
Das Beste aus diesem Jahr: Zum Jahresende bringt «Bluewin» die Lieblingsstücke des ablaufenden Jahres noch einmal. Dieser Text erschien zum ersten Mal am 18. Juni 2019.

Zum Jahresende bringt «Bluewin» die Lieblingsstücke des ablaufenden Jahres noch einmal. Dieser Text erschien zum ersten Mal am 18. Juni 2019.

Der hühnenhafte Amerikaner mit der lockigen Mähne war in den Achtziger- und Neunzigerjahren der Held von Heranwachsenden in aller Welt. Seine TV-Hitserien «Baywatch» und «Knight Rider» waren Pflichtprogramm, seine Songs in aller Ohren. Der Pubertät sind die Anhänger mittlerweile entwachsen, doch Hasselhoff ist immer noch ganz der Alte – und lässt einen so ungetrübt in nostalgische Verzückung eintauchen wie kein anderer Kindheitsheld. 



Denn «The Hoff» – allein dieser ikonische Übername! – verfügt über eine Geheimwaffe: eine entwaffnende Selbstironie, die jeden Versuch, ihn als abgehalfterten Nostalgie-Act abzutun, an der breiten, behaarten Brust abprallen lässt. Was gibt es schon für sympathischere Eigenschaften? Und wie soll man auch souveräner mit einer Karriere umgehen, in der ein sprechendes Wunderauto und Zeitlupenaufnahmen vollbusiger Schauspielerinnen so zentral waren? Eben.

Ein Weltstar, der über sich selbst lacht

Seine kurzlebige Comedy-Serie «Hoff The Record», die von 2015 bis 2016 lief, treibt dieses Prinzip auf die Spitze: Hasselhoff spielt sich darin selbst – seine Glanzzeiten sind längst passé, und in Grossbritannien will er ein Comeback starten. Dass ihn nicht einmal die Produktionsassistentin erkennt und er im Casting für die Rolle als «David Hasselhoff» durchfällt, zeigt: Der heute 67-Jährige kann so gut über sich selbst lachen wie wohl kaum ein anderer Weltstar. 

Und ja, von Weltstar zu sprechen, ist fürwahr nicht übertrieben: Seine Single «Looking For Freedom» von 1989, die als Friedenshymne angeblich entscheidend zum Fall der Berliner Mauer beigetragen haben soll, räumte weltweit Platin- und Goldauszeichnungen ab. «Knight Rider» und «Baywatch» wurden «von über einer Milliarde Menschen in 145 Ländern weltweit gesehen», wie es im Presse-Trara zu seiner aktullen Tournee heisst. Am Montag, 14. Oktober, führt ihn diese auch in die Samsung Music Hall in Dübendorf ZH. Er hat einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame und 2010 haben Forscher sogar eine Tiefsee-Krabbenart nach ihm benannt – die Hoff-Krabbe.

Taucher gab es natürlich auch

Natürlich hatte die Karriere des Hoff auch ihre Taucher. Nach dem Ende von «Baywatch» trat er vor der Kamera vor allem in kleineren Cameo-Rollen in Erscheinung, spielte sich meist selbst. Alkoholprobleme sorgten für Schlagzeilen. Und musikalisch sind die grossen Hits schon eher angestaubt, darüber täuscht auch das brandneue Album «Open Your Eyes» nicht hinweg.

Und dennoch: In jüngsten Jahren scheint der Entertainer wieder Tritt gefasst zu haben. Er hat sich mit jeder noch so kleinen Gastrolle den Kultstatus erkämpft, der ihm gebührt. Und dass der Hoff bis heute Begeisterung versprüht, davon kann nicht zuletzt Dokumentarfilmer Oliver Schwabe bezeugen.

Die Autogrammjäger sind nie weit

Der Deutsche hatte den Star über ein Jahr lang breitschlagen müssen, um ein Porträt über ihn drehen zu dürfen. Für «Being David Hasselhoff» wollte er auch den Original «Baywatch»-Schauplatz in Malibu besuchen. Hasselhoff habe ihn gewarnt, dass das nur um 6 Uhr morgens möglich sei, weil es sonst einen Menschenauflauf gäbe, erzählt Schwabe in einem Interview.



«Wir waren dann tatsächlich in der Morgendämmerung dort. Und selbst da hat ihn eine Gruppe junger Surfer, die früh auf den Beinen war, sofort erkannt, ist zu ihm gekommen und wollte ein Autogramm haben.»

The Hoff mag seine Glanzzeiten in den Achtziger- und Neunzigerjahren gehabt haben. Doch er ist eben noch immer eine coole Socke. Selbst Alexa, die Sprachassistentin von Amazon, antwortet auf die Frage: «Alexa, wer ist David Hasselhoff?» mit einer glasklaren Ansage: «David Hasselhoff ist ein Superstar!»

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