Ich sah diese Filme, nun muss ich subito auf jene Insel

#Von Laura Hüttenmoser

3.6.2021

Manche Filme sind besser als jeder Werbespot eines Tourismusbüros. Unsere Kolumnistin hat sich für ihre letzten Ferien inspirieren lassen – und bereits die nächste Destination ins Auge gefasst.

#Von Laura Hüttenmoser

3.6.2021

«Call Me by Your Name» ist ein von A bis Z grossartiger Film und erzählt die berührende Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Männern. Hauptdarsteller Timothée Chalamet gelang damit der internationale Durchbruch. Doch der eigentliche Star des Films ist: Italien. Kein Land lässt sich perfekter inszenieren.

Das Setting ist eine prachtvolle Villa auf dem Land, der die vergangenen Jahrhunderte anzusehen sind, was ihren Charme nur noch vergrössert. Die Fassade ist heruntergekommen und überwachsen, die Fensterläden für Italien typisch dunkelgrün, die Fenster sind natürlich immer geöffnet, sodass die Vorhänge leicht im Wind wiegen, begleitet von Klavierklängen aus dem Innern des Hauses.

Das wollen wir auch!

Die sorglosen Sommertage unserer Protagonisten sehen in etwa so aus: Die morgendlichen Sonnenstrahlen geniessen sie bei einem caffè auf der Veranda, tagsüber dösen sie mit einem Buch unter einem Baum ein, zwischendurch bringt die Hausangestellte Mafalda einen frischgepressten succo di albicocca an den Pool (immer begleitet von Grillenzirpen) oder sie fahren mit alten Lottervelos an den nächsten See, bis sich der Tag unter den Baumkronen und Lichterketten bei einer ausgiebigen Tavolata gemächlich dem Ende zuneigt.

Ich habe den Film mit Freunden vor ein paar Jahren im Kino gesehen und wir waren uns sofort einig: So, genau so, wollen wir unsere nächsten Sommerferien verbringen. 

Das Landhaus in der Toscana, in dem wir «Call Me by Your Name» lebten, hatte zwar einige Gemächer weniger, der Pool war etwa so gross wie zwei Luftmatratzen und auch einen Hausangestellten liess unser Budget nicht zu, aber die Atmosphäre, die uns inspirierte, war dieselbe: ja keine Aufregung, gern ein Aperitivo, Zeit zum Lesen, Zusammensein und ganz wichtig: spät, lange und ausgiebig essen. 

Prossima fermata: Pantelleria

Auch mein nächstes Ferienziel habe ich wieder durch einen Film entdeckt: In «A Bigger Splash» spielt Tilda Swinton eine berühmte Rockmusikerin, die sich mit ihrem Freund auf einer abgelegenen italienischen Insel von den Strapazen der letzten Tour erholt. Sie bekommen unerwarteten Besuch von ihrem Ex und dessen Tochter, aber schon bald wird die Handlung sekundär für mich, weil ich mich frage: Was ist das für eine wundersame Insel und wie komme ich hin?

Nur wenige Tische, tolle Aussicht, hausgemachtes Essen und ein lauer Sommerabend mit Freunden: Die Definition von Glück? (Filmszene aus «A Bigger Splash»)
Frenesy Film Company / Cota Film

«A Bigger Splash» spielt auf Pantelleria, einer Vulkaninsel im Mittelmeer zwischen Tunesien und Sizilien – noch nicht Afrika, aber auch nicht mehr ganz Italien. Die Landschaft ist schroff, wild-romantisch, Sandstrände gibt es keine (deshalb auch keinen Massentourismus), dafür einen Salzsee, fantastischen Wein und Kapern. 

In einer Szene fläzen sich Tilda Swinton und Matthias Schoenaerts beispielsweise am vulkanischen See «Specchio di Venere». (Ich meine, nur schon dieser Name! Spiegel der Venus! Da ist sie wieder, die italienische Inszenierung, grossartig!) Jedenfalls, bei diesem See handelt es sich um einen Vulkankrater mit heissen Thermalquellen und supergesundem, mineralienhaltigem Schlamm, mit dem sich die schönen Menschen in «A Bigger Splash» einschmieren. Schlägt doch jedes Wellness-Hotel.

Da es die epidemische Lage langsam wieder zulässt, von Ferien im Ausland zu träumen, habe ich mein nächstes Ziel ins Visier gefasst, dank Inspiration aus dem Kino. Und bleibe gespannt, ob es auch mal mit nicht-italienischen Drehorten funktioniert.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «blue News» die Kolumne am Mittag – sie dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.