Holt Patty Boser da raus!

#Von Gion Cavelty

8.5.2021

TV-Experte Gion Mathias Cavelty hegt den Verdacht, dass Patty Boser eigentlich lieber in einer Rocker-Höhle leben würde.

#Von Gion Cavelty

8.5.2021

Patty Boser. Für mich ist sie ein Mysterium. Völlig unfassbar. Ich habe immer geglaubt, dass sie gar nicht echt ist, sondern eine reine Kunstfigur. Wie Betty Bossi (das tönt ja auch ähnlich). Bis zu jenem Tag, an dem ich sie am sogenannten «Star Wars Charity Helm-Event» im Zürcher Sihlcity gesehen habe – am 5. Dezember 2015 war das.

Ich war dort mit einem Freund, einem richtigen Rocker in schwarzer Motorradgang-Kluft und mit langen Haaren. Ich glaube, er hat Patty irgendwie fasziniert, jedenfalls hat sie immer wieder zu ihm herübergeschaut. In diesen Augenblicken habe ich gemerkt, dass sie wirklich real ist. Aber das dauerte jeweils nur kurz, danach war sie wieder ... wie ausgeschaltet. Seltsam.

Nun: Gestern Abend feierte das Trend-Magazin «Lifestyle» auf TeleZüri sein 25-jähriges Bestehen. Und da der Clou darin bestehen sollte, dass in der Jubiläumsausgabe nicht Patty Boser zu irgendeinem Promi heimgeht, sondern dass Patty selber zu Hause besucht wird, von «Bauer, ledig, sucht ...»-Moderator Marco Fritsche, habe ich mir gesagt: Schalt ein, vielleicht erfährst du heute endlich die ganze Wahrheit über Patricia Boser.

50 Shades of Grey

Die Sendung begann in Pattys Garten. Es war sehr viel Grau zu sehen (graue Betonwände, graue Bodenplatten, graue Kiesflächen). Im Hintergrund war das Nachbarhaus auszumachen, das offenbar gerade umgebaut wird, und ein gelber Baukran (arme Patty, dachte ich mir, sie wird wahrscheinlich jeden Morgen durch infernalischen Renovierungslärm aus dem Schlaf gerissen). Das Wetter war trüb, es windete, eine hohe Gartenhecke verströmte keine besonders guten Vibes und eine dekorative graue Buddha-Statue sass irgendwie verloren herum.

«Ich heb namal e chli de Sunneschirm, wil de flüügt susch devo», sagte Patty nach einem Luftstoss zu Marco.

Dann ging es in die absolut perfekt aufgeräumte Wohnung, und darin stachen mir halt auch vor allem die eher herzzerreissenden Sachen ins Auge.

Im Wohnzimmer stand ein Prix Walo (also dieser löchrige fünfzackige Seestern oder was es sein soll), das hässlichste Objekt, das es im gesamten Universum gibt und das einem verzweifelt zuzuschreien scheint: «Schau mich bitte nicht an! Schau mich bitte nicht an!»

Unter einer gläsernen Tischplatte war eine Ausgabe der «Glückspost» zu erkennen. Daneben lag ein Buch mit einem Schlüssel und einem Herz auf dem Cover.

Auf einem Kaminsims winkte ein chinesisches Kunststoff-Kätzchen mit seinem linken Pfötchen (bis in alle Ewigkeit wird es dort sitzen und winken).

In Pattys Schlafzimmer: Ein Kissen mit der Aufschrift «Home is where the story begins ...»; ein eingerolltes blaues Yoga-Mätteli; drei flackernde Kerzen (warum flackern die am heiter-hellen Tag?).

Im perfekt eingeräumtem Kühlschrank: «Beauty-Drinks» (Zitat Patty); Feta-Käse («De hät's würklich immer!»); das Verwegenste war ein goldenes Schoggihäschen («Bim bim bim», machte das kleine Glöckchen, das es um sein Hälschen trug).

Seltsames Hobby

Irgendwann tauchte noch Sohn Kai auf, mit dem zusammen Patty angeblich «ein cooles Team» bildet; sein Zimmer sah so unpersönlich aus wie ein Hotelzimmer. Keine Poster mit irgendwelchem provozierenden Teenie-Zeug drauf, nix. Fast nicht zu glauben, dass ein Siebzehnjähriger dort drin haust.

«Ich wäsche em Kai jede Tag sini Sportsache», verriet Patty Marco Fritsche. «Ich LIÄBE ja wäsche, isch würkli es Hobby vo mir, kein Witz!»

An dieser Stelle musste ich leer schlucken. Waschen als Hobby! Was ist das bloss für eine Welt, diese Patty-Boser-«Glückspost»-Yoga-Mätteli-Deko-Buddha-Beauty-Drinks-Feta-Käse-jeden-Tag-waschen-Welt?

Ist es vielleicht die echteste aller Welten?

Die «Lifestyle»-Jubiläumssendung lief Freitag, 7. Mai, um 18:30 Uhr auf TeleZüri.