Hugo Koblet: Ein Leben auf der Überholspur

tsch

10.7.2019

Radsportlegende Hugo Koblet – eine Art «Schweizer James Dean» – schien alles zuzufliegen. Doch sein Dopingmissbrauch beendete den kometenhaften Aufstieg abrupt.

In den 50er-Jahren konnte vor allem ein junger Schweizer Mann eine wahre Velo-Euphorie auslösen: Die Rede ist von dem legendären und viel zu früh verstorbenen Hugo Koblet. Spätestens nach seinem völlig unerwarteten Sieg 1950 als erster Nicht-Italiener beim Giro d'Italia war der Bäckerssohn aus dem Zürcher Kreis «Cheib» auch international bekannt. SRFzwei zeigt nun in «Hugo Koblet – Pédaleur de Charme», die bewegte Lebensgeschichte des schillernden Idols.

Pédaleur du Charme

Sein Fahrstil war so elegant, dass ihm der französische Chansonnier Jacques Grello den Beinamen «Pédaleur de Charme» verpasste, noch dazu sah er wahnsinnig gut aus. Deshalb lagen ihm die Frauen zu Füssen. Wenn er – zumindest in den Jahren 1950 und 1951 – als Erster ins Ziel kam, machte er sich erst einmal schön. Hugo Koblet war in der Nachkriegszeit eines der glanzvollsten Sportidole der Schweiz. Aus einfachen Verhältnissen – seine Mutter war alleinerziehend und führte die Bäckerei des verstorbenen Vaters – konnte er sein riesiges Talent an die Öffentlichkeit bringen und dominierte bald all seine Gegner. Selbst seinen grossen Kontrahenten Ferdy Kübler liess er hinter sich.

Doch nach seinem grössten Erfolg, als er 1951 fünf Etappen der Tour de France für sich entscheiden konnte, nahm sein Höhenflug ein abruptes Ende: Dopingmissbrauch! Dabei hatte er doch nur einer «Vitaminbehandlung», welche ihm anlässlich der Tour de Suisse 1952 verabreicht wurde, zugestimmt. Dadurch aber wurde der Wunderfahrer gesundheitlich stark beeinträchtigt. Der notorische Frauenheld kommt ins Straucheln und steht bald darauf vor dem Nichts. Bei einem bis heute ungeklärten Autounfall 1964 findet Koblet einen viel zu frühen Tod – mit nur 39 Jahren. Vermutet wird, dass er Selbstmord begangen hat. Immerhin sass er auf einem Schuldenberg, und seine Frau hatte sich von ihm getrennt.

Ein Held und viel Drama

Der Schweizer Filmemacher Daniel Aarburg erzählt die dramatische Lebensgeschichte des Radsporthelden: Er verwendet dazu Originalaufnahmen aus der Nachkriegszeit, nachgestellte Schlüsselszenen im Filmkolorit der Fünfzigerjahre mit dem bekannten Schauspieler Manuel Löwensberg als Hugo Koblet und Interviews mit Zeitzeugen: Unter anderem sprechen auch Ferdy Kübler und Armin von Büren im Dokudrama von 2010.

«Hugo Koblet – Pédaleur du Charme» läuft Mittwoch, 10. Juli, um 20.10 Uhr auf SRFzwei. Mit Swisscom Replay TV können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

Veloland Schweiz: Die schönsten Routen am Wasser
Zurück zur Startseite