Kolumne am Mittag

Kindesentführer, Stalker, Kommissar – dieser Mann kann alles

Von Bruno Bötschi

30.11.2020

Matthias Brandt ist Thomas Bethge im neuen ARD-Dreiteiler «Das Geheimnis des Totenwaldes».
Bild: NDR

Ein neuer dreiteiliger TV-Film handelt von einer Mordserie in Deutschland, die nicht aufgeklärt ist. Schauspieler Matthias Brandt erzählt von seiner Rolle als TV-Polizist – und warum er gewisse Krimis nicht mag.

Fernsehabende ohne Leichen gibt es kaum mehr. Allein das ZDF sendet täglich bis zu sechs Stunden Crime, bei der ARD sind es zweieinhalb und auch das Schweizer Farbfernsehen steht dem nicht viel hinten an.

Man fragt sich: Warum haben die TV-Zuschauer*innen derart viel Freude an der Gewalt? 

Der deutsche Schauspieler Matthias Brandt ist einer, der das Krimi-Genre seit Jahren prägt. Acht Jahre lang mimte der 59-Jährige den Kommissar Hanns von Meuffels im Münchner «Polizeiruf 110».

Und das, obwohl er Fernsehkrimis eigentlich gar nicht so mag. «Die Faszination gilt ja meist den Tätern oder den von ihnen Massakrierten. Für diejenigen, die zurückbleiben, interessiert man sich selten», beklagt er sich im Gespräch mit dem «Spiegel».

Kein Faible für das Genre

Brandt schaut zwar gern Filme am Fernsehen. «Wenn einer gut ist, ist es mir auch recht, wenn es ein Polizeifilm ist, aber ich habe noch nie ein ausgesprochenes Faible für das Genre gehabt.»

Umso spannender findet er es, dass er ab 2. Dezember im neuen ARD-Dreiteiler «Das Geheimnis des Totenwaldes» mitspielen darf. Der Film ist nicht nach dem üblichen Schema F aufgebaut: Es ist ein Kriminalfilm, der fast vollständig aus der Sicht der Opfer inszeniert wurde.



Brandt spielt einen hochrangigen Hamburger Polizisten, dessen Schwester in Niedersachsen spurlos verschwindet. Als die dortige Polizei die Frau nicht findet, macht er sich auf eigene Faust daran, den Fall zu lösen – nach seiner Pensionierung. Dem Dreiteiler liegt eine tatsächliche Mordserie zugrunde, die «Göhrde-Morde» von 1989.

Was fasziniert ihn an Verbrechen?

Matthias Brandt hat als Schauspieler nicht nur Ermittler gemimt, sondern auch Kindesentführer, Stalker und zuletzt einen Autofahrlehrer, der nach dem gewaltsamen Tod seiner Eltern zum Mörder wird. Dabei interessiert sich der jüngste Sohn des früheren deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt aber nicht einmal besonders für Gewalttaten.

«Ich finde Verbrechen gar nicht so faszinierend und hoffe doch stark, bis ans Ende meiner Tage davon verschont zu bleiben», sagt Brandt im «Spiegel». Der Kriminalfilm und seine Untergattung, der Polizeifilm, seien jedoch erzählerisch interessant, weil man sich über das Vehikel eines Verbrechens schnell in jedes nur denkbare Milieu hineinkatapultieren könne.

Aber warum haben die TV-Zuschauer*innen derart viel Freude an der Gewalt?

Brandt dachte schon öfter über diese Frage nach, hat aber bisher keine zufriedenstellende Antwort darauf gefunden. «Schon als ich den ‹Polizeiruf› drehte, dachte ich: Was für eine seltsame Tätigkeit, zweimal im Jahr daran teilzuhaben, dass möglichst originell vor der Kamera Leute umgebracht werden.»

Womöglich geht es den TV-Zuschauer*innen einfach nur genauso wie Matthias Brandt und sie lieben am Krimi den Blick ins Leben des vermeintlichen Nachbarn.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «blue News» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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