Kevin Costner im Interview

«Sean Connery konnte ausbrechen wie ein Vulkan»

Von Marlène von Arx, Los Angeles

2.11.2020

Andy Garcia, Sean Connery, Kevin Costner und Charles Martin Smith (v.l.n.r.) in «The Untouchables» (dt. «Die Unbestechlichen») von 1987.
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Kevin Costner spielte an der Seite von Sean Connery in «The Untouchables». Im Interview mit «blue News» denkt er an seinen verstorbenen Co-Star zurück und erzählt von ihrer letzten Begegnung.

Sie haben 1987 mit Sean Connery in «The Untouchables» zusammengearbeitet. Der Film brachte Connery seine einzige Oscar-Nomination ein, dafür auf Anhieb gleich die Auszeichnung. Wie erinnern Sie sich an ihn?

Kevin Costner: Ich habe oft gesagt, er war der grösste Star, mit dem ich je gearbeitet habe. Wir sind ewig auf Film vereint, das kann mir niemand nehmen. Er war ein trainierter Schauspieler, der sehr stolz auf seine Wurzeln im Theater war. Wir konnten ihn vielleicht nicht von Bond trennen, aber ihm gelang das gut. Er hatte eine elegante Karriere und überdauerte schliesslich auch die Kritiker, denn er wurde bis am Schluss vom Volk geliebt. Er konnte auf dem Set sehr kurz angebunden sein und brutal ehrlich, aber mit mir war er immer zuvorkommend und auch dafür bin ich dankbar.

Woran denken Sie da konkret?

Er hat mich in sein Vertrauen gezogen, wenn er sauer war, wie er behandelt wurde. Er hatte seine Fakten auf einem Papier festgehalten und wollte wissen, ob ich die Sache nicht auch so sehe wie er. Obwohl er aufbrausen konnte, war es ihm doch wichtig, zu sehen, ob er recht hatte, bevor er wie ein Vulkan ausbrach. Das brachte uns auch näher.

Sean Connery wurde für seine Rolle des Jim Malone in «The Untouchables» mit einem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.
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Gab er Ihnen auch Ratschläge?

Ja, ein paar Mal. Und seine Erfahrung in Action zu beobachten, war lehrreich: Es gab beispielsweise eine lange Szene mit vielen Darstellern, die in einem Büro herumstanden. Er hatte darin nicht so viel zu tun. Er kam rein und setzte sich sogleich hin. Denn er wusste: Wenn er nicht von Anfang an sitzt, steht er nachher den ganzen Tag für jede neue Einstellung. Also setzte er sich hin mit einer Zeitung – am Ende des Tages sah er mich an, zwinkerte mir zu und sagte: Ich bin heute gar nicht müde geworden.

Wann haben Sie ihn zum letzten Mal gesehen?

Vor etwa zwei Jahren bei ihm zu Hause in den Bahamas. Es ging ihm schon nicht mehr so gut. Ich umarmte ihn zum Abschied. Als ich ein paar Schritte gemacht hatte, kehrte ich nochmals zurück und umarmte ihn ein zweites Mal und sagte goodbye. Das war das letzte Mal, dass ich den ‹Mann, der König sein wollte› sah.

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