Was dieser Disneyfilm mit einer Pornodarstellerin gemeinsam hat

Fabian Tschamper

4.4.2021

Im englischen Original heisst der exotische Kinderfilm «Moana», bei uns «Vaiana».
Bild: Disney

Es scheint eine Unart zu sein: Amerikanische Blockbuster haben in der deutschsprachigen Welt oftmals einen anderen englischen Titel. Die Gründe können rechtlich sein, meist aber dümmlich.

Fabian Tschamper

4.4.2021

Ein Paradebeispiel, warum der Originaltitel eines amerikanischen Films bei uns anders genannt wird, ist das Disney-Spektakel «Moana», bei uns «Vaiana». Klar: Wenn ein Titel eingedeutscht wird, dann macht das durchaus Sinn. Doch weshalb komplett umkrempeln wie im Fall dieses animierten Streifens?

Hierbei handelt es sich um ein Urheberrechtsproblem. Keine zwei Filme dürfen den exakt gleichen Namen tragen und wie es die Ironie will, existiert bei uns in Europa bereits ein Werk mit dem Namen «Moana». Ironisch, weil der Originaltitel des Kinderfilms hier für ein Biopic über die italienische Pornodarstellerin Moana Pozzi verwendet wurde. Darum lief der Film in Italien übrigens unter dem Namen «Oceania».

Ein weiterer Knackpunkt sind allfällige Markennamen, die so nicht verwendet werden dürfen. «Moana» ist beispielsweise auch eine Bikinimarke und ein Kosmetikhersteller. Trotzdem ist «Vaiana» nicht zufällig gewählt: «vai» heisst in vielen pazifischen Sprachen «Wasser», während «moana» für «Ozean» steht.

Keine andere Wahl – oder einfach krampfhaft

Ein weiteres Opfer des Urheberrechts war damals George Clooney und sein Film «Tomorrowland», der denselben Namen trägt wie das Elektro-Musikfestival in Belgien. Erst wollten die Publisher den Namen «Projekt: Neuland» durchsetzen, der stiess aber auf viel Spott. Daher entschied man sich für einen neuen englischen Titel: «A World Beyond». Könnte schlimmer sein.

Auch minimale Anpassungen können stattfinden. Bei «Thor 2: The Dark World» wurde der zweite Teil mit «The Dark Kingdom» ersetzt. Disney gab damals zu Protokoll, dass es sich auch hier um ein Copyright handelte. Möglicherweise wegen des russischen Films «Dark World» von 2010.

Oftmals werden Titel auch krampfhaft verändert, eventuell, weil man dem deutschsprachigen Publikum kein Englisch zutraut: Aus dem Film «Taken» mit Liam Neeson wurde «96 Hours». Aus «Bend it like Beckham» wird «Kick it like Beckham». Wenn die Verantwortlichen keinen Geistesblitz haben für einen neuen Titel, dann wird eine wörtliche Übersetzung des englischen Titels hinten ans Original gehängt, wie etwa «The Revenant – Der Rückkehrer».

Man kann auch zu kreativ sein

Dieser Tage werden wohl ungefähr 40 Prozent der Filme mit dem Originaltitel vertrieben, dies, weil natürlich auch immer ein internationaler Wiedererkennungswert verloren geht, jedes Mal, wenn ein Titel verändert wird. Regisseure können teils auch vertraglich festhalten, dass ihr Film nur unter dem Originaltitel laufen darf. Dies dürfte hie und da für einen rechtlichen Albtraum sorgen, sollte es so ein Fall wie bei «Moana» geben.

Schliesslich muss nochmals Disney genannt werden, die sich mit ihren schrecklichen Untertiteln immer wieder selbst übertreffen: «Rapunzel – Neu verföhnt», «Die Eiskönigin – Völlig unverfroren» oder auch «Baymax – Riesiges Robowabohu». Da hatte jemand ein bisschen zu viel Spass.