Kolumne am Mittag Whoopi dreht «Sister Act 3» – der Scheck heiligt die Sequels

Von Gil Bieler

22.12.2020

Hat sie sich da versöhnt? Whoopi Goldberg wirkte 2010 auch im «Sister Act»-Musical mit. 
Hat sie sich da versöhnt? Whoopi Goldberg wirkte 2010 auch im «Sister Act»-Musical mit. 
Bild: AP Photo/Joel Ryan

Lange hatte sie sich dagegen gesträubt, nun gab Whoopi Goldberg einer weiteren Fortsetzung der Hitkomödie «Sister Act» ihren Segen. Als Grund kommt eigentlich nur der allmächtige Dollar infrage. 

Gibt es eigentlich Menschen, die «Sister Act» nicht mögen? Die Komödie um ein Showgirl, das sich in einem Kloster vor Gangstern verstecken muss, ist nicht ohne Grund einer der bekanntesten und erfolgreichsten Feel-good-Filme der Neunzigerjahre. Auf einer Stufe wie «Pretty Woman» angesiedelt, könnte man grosszügig sagen, und man würde nicht mal übertreiben dabei.

Figuren und Besetzung sind famos: Whoopi Goldberg in der Hauptrolle als Fake-Schwester Mary Clarence, die den klösterlichen Laden aufmischt. Dann ihre beiden Co-Stars, die superoptimistische rundliche und die superschüchterne junge Nonne, die sich (natürlich) als Stimmwunder entpuppt. Selbst Nebenfiguren wie die schwerhörige Organistin Alma haben ihren Charme.

Der Soundtrack aus alten Motown- und Soul-Hits im Gospelchor-Gewand steht ohnehin ausserhalb des Kritisierbaren. Auch die Gags sitzen. Was also könnte man daran nicht mögen?

Schwester Alma – zum Schiessen.

Youtube

Nun, fragen Sie Whoopi Goldberg. Denn obwohl «Sister Act» der bekannteste Film der New Yorker Schauspielerin ist, wurde sie selbst damit nie warm. Sie weigerte sich nach abgeschlossenen Dreharbeiten sogar, die Werbetrommel dafür zu rühren. Ihr Mitwirken an der Fortsetzung «Sister Act 2» liess sie sich mit sieben Millionen Dollar Gage – einer für 1993er-Verhältnisse immensen Summe – erkaufen, doch einen weiteren Teil lehnte sie in den vergangenen Jahrzehnten beständig ab. Bis jetzt.

Ja, es soll ein «Sister Act 3» geben, bestätigte Goldberg kürzlich. Die Fans werden ein entzücktes «Hallelujah!» anstimmen, und wenn alles den gewohnten Hollywood-Weg geht, wird die 65-Jährige das fertige Werk dereinst als «Herzensangelegenheit» preisen und erklären, man wolle «den Fans damit eine Freude bereiten». Pffft. Von wegen.

Goldberg war nur zweite Wahl

«Sister Act» und Goldberg, das hat schon auf dem falschen Fuss begonnen. Eigentlich war Bette Midler für die Hauptrolle vorgesehen. Nur weil sie absprang, kam Goldberg zum Zug – als zweite Wahl. Später verliefen die Dreharbeiten alles andere als harmonisch: Dauernd wurde am Skript herumgedoktert, und das Filmstudio – Disney halt – bestand auf einem familienfreundlichen Charakter des Films.



Am Ende war nicht nur Goldberg stinksauer, sondern auch Drehbuchautor Paul Rudnick. Er liess sogar seinen Namen streichen, stattdessen flimmert nun das Pseudonym «Joseph Howard» über den Bildschirm.

Streit über Streit – doch dann, ein Wunder: Der Heilige Geist von Hollywood erschien in Form von Millionen grüner Dollarscheine, die «Sister Act» an der Kinokasse einspielte, und das erste Gebot der Filmbranche kam zum Tagen: Du sollst Fortsetzungen drehen!

Gottschalk? Um Himmels Willen

Also wurde innerhalb nur eines Jahres das komplett lieblose «Sister Act 2» zusammengeklopft. Haben Sie den Film mal gesehen? Eine billige 08/15-Story (Goldberg soll eine Schulklasse von rebellischen Teenagern bändigen), eindimensionale Figuren (inklusive einer jungen Lauryn Hill, die später mit The Fugees musikalisch durchstarten sollte und die sich im Film natürlich ebenfalls als Stimmwunder … gääähn … herausstellen sollte).

Und um Himmels willen, wenn ein Thomas Gottschalk eine nervige Nebenrolle bekommt, dann erübrigt sich jegliche Diskussion um die Qualität des Streifens ja wohl. Kurzum: Von Fan-Service konnte bei der 1993er-Fortsetzung nie die Rede sein.

Aber eben, der Mammon heiligt in Hollywood alle Sequels. Und so droht ein drittes «Sister Act»-Kapitel, das den guten Ruf des Originals weiter besudeln könnte. Den Fans bleibt da nur eines: Lasset uns beten, dass die neuerliche Fortsetzung nicht in einem Fiasko biblischen Ausmasses endet. Und dass Gottschalk keine Zeit zum Drehen findet. 

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