19.04.2017 - 10:52, tsch

Dok-Film zeigt: So ticken Frankreichs junge Wähler

 

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Frankreichs Jugend will den Wandel – immerhin darin sind sich Anhänger der Rechten, der Linken und der politischen Mitte einig. Diese Dokumentation ist ein besorgter Stimmungsbericht aus dem Nachbarland, kurz bevor es am 23. April im ersten Präsidentschaftswahlgang an die Urnen geht.

Sie sind jung, und sie sind unzufrieden. Sehr unzufrieden. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch – fast jeder vierte Franzose zwischen 15 und 24 Jahren ist ohne Job. Die Perspektiven sind mau, die Frustration ist enorm – auch befeuert durch einen hitzig geführten Präsidentschaftswahlkampf, dessen Ausgang die «Grande Nation» nachhaltig verändern könnte.

Kurz bevor es am 23. April in einem ersten Wahlgang an die Urnen geht, blickt die SRF-1-Dokumentation «Vive la France!» mit besorgtem Blick auf die soziale und politische Lage im Nachbarland. Das Autorenduo Susanna Dörhage und Sandy Palenzuela stellt junge Menschen aus Frankreich vor, die jeweils unterschiedliche politische Standpunkte vertreten, sich aber alle für einen systematischen Wandel in ihrem Land einsetzen.

Vertreter aller Lager

Der junge Franzose Nicolas setzt all seine Hoffnungen in Marine Le Pen. Er gehört den «Frontisten» an und ist für den EU-Austritt Frankreichs und für eine Grenzschliessung. Zusammen mit politisch Gleichgesinnten plakatiert er die Strassen Frankreichs. Für Nicolas steht sein Land an erster Stelle – dabei scheinen ihm Bedenken, mit solch einem Kurs den Frieden in Europa aufs Spiel zu setzen, völlig gleichgültig zu sein. Ebenso wenig interessieren ihn die Veruntreuungsvorwürfe gegen die Präsidentschaftskandidatin Le Pen. Die Vorkommnisse in Brüssel und Strassburg sind für ihn von zweitrangiger Bedeutung.

Sébastien wünscht sich ebenfalls einen politischen Wandel, jedoch strebt er die entgegengesetzte Richtung an. Er gehört zu den Linksextremen und ist Anhänger der Permakultur-Bewegung. Er hat bereits damit angefangen, sein eigenes Leben nach streng ökologischen Prinzipien auszurichten. Sébastien grenzt sich eindeutig von den «Frontisten» ab – für ihn wäre ein Wahlsieg Marine Le Pens Anlass zum politischen Widerstand.

Clément, ein junger Student, ist Unterstützer des konservativen Kandidaten François Fillon, der in der Mitte des politischen Spektrums einzuordnen ist. Ebenso wie Fillon ist Clément überzeugter Anhänger des katholischen Glaubens. Er hält die Beschuldigungen wegen Scheinbeschäftigung gegen Fillon für eine politische Verschwörung. «Ich unterstütze Fillon – auch wenn ich der Allerletzte bin, der bei ihm bleibt», so Clément. Dafür nimmt er sogar in Kauf, dass das Verhältnis zu seinen Freunden und Bekannten, die sich von Fillon abwenden, immer angespannter wird.

Justine versucht, einen «vernünftigen» Wahlkampf zu führen. Sie ist Anhängerin der «En marche»-Bewegung, die den Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron unterstützt und versucht, Entwürfe für ein realistisches Reformprogramm auszuarbeiten. Justine hat jedoch die Befürchtung, dass diese Vorschläge bei all den hochkochenden Emotionen des Wahlkampfes nicht ausreichend wahrgenommen werden.

Jellal hingegen verfolgt den Wahlkampf mit einer gewissen Distanz und will sich keine falschen Hoffnungen machen. Selbst in einem der gefährlichsten Vororte von Marseille gross geworden, arbeitet er nun als Sozialarbeiter in eben diesem Viertel. Er sagt: «Hier kommen alle Politiker vorbei und versprechen Verbesserungen. Dann sind sie wieder weg, und es bleibt alles beim Alten.»

Entscheidung in letzter Minute

Aktuellen Umfragen zufolge liegen Emmanuel Macron und Marine Le Pen in der Wählergunst vorne. Jedoch wollen sich viele junge Französinnen und Franzosen noch nicht endgültig festlegen und geben zu verstehen, dass sie sich im letzten Moment noch umentscheiden könnten. Sie alle teilen aber die Hoffnung, dass ihre Wünsche ernst genommen werden, schliesslich geht es um ihre Zukunft. Und alle sind sich einig: So wie bisher kann es nicht weitergehen.

Der Dok-Film «Vive la France! Frankreichs Junge fordern den Wandel» läuft am Mi, 19. April, um 22.55 Uhr auf SRF 1. Auch in der vorgängigen Ausgabe von «Rundschau spezial» (Mi, 19, April, 20.55 Uhr, SRF 1) gehts um Frankreich vor den Wahlen. 

Am Sonntag, 23. April, informiert das Schweizer Fernsehen unter anderem in zwei Sondersendungen über den ersten Wahlgang (um 19.55 Uhr respektive 21.50 Uhr auf SRF 1). 

Mit Swisscom TV Replay können Sie alle Sendungen bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

«Vive la France! Frankreichs Junge fordern den Wandel»

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