13.08.2017 - 00:00, tsch

Keine Ahnung vom Weltretten

 

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Amazon wagt sich mit «The Tick» ins umkämpfte Superhelden-Geschäft. Als Comedyproduktion nähert sich die Original-Serie der Konkurrenz aber ironisch.

Das Superheldentum in Film und Serie hat sich in den vergangenen Jahren derart überschlagen, dass es beinahe ausgereizt scheint. Alles war da: riesige geteilte Universen, in denen sich Helden tummeln, treffen, gemeinsam und gegeneinander kämpfen. Abgehalfterte, tiefe Charaktere, die dem alten Gut-Böse-Schema zuwiderlaufen. Witzige Persiflagen und selbstironische Referenzen, die eine reflexive zweite Helden-Ebene beinahe zum Standard werden liessen. Wie also soll die erste Superhelden-Eigenproduktion von Amazon sich gegen Marvel, DC und vor allem Hauptkonkurrent Netflix mit seinen «Defenders» überhaupt behaupten? Vielleicht ja mit einer Stadt, in der es vor Superhelden nur so wimmelt und die von einem totgeglaubten Superschurken beherrscht wird. Die Superhelden-Comedyserie «The Tick» versucht ab dem 25. August genau das.

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Hier stellen Superhelden seit Langem eine völlige Normalität dar

Amazon holt in seiner ersten Helden-Produktion die Zuschauer clevererweise dort ab, wo Marvel und Co. sie in der vergangenen Dekade von «Batman» bis zu den «Avengers» sanft hingeführt haben: In einer Welt, in der Superhelden seit langer Zeit real sind und eine völlige Normalität darstellen. Der zweite kluge Trick: Alles beginnt nicht mit einem von coolen Skills beseelten Helden in spe, der diese nur entdecken muss, sondern mit einem völlig superkräftelosen Aussenseiter namens Arthur, gespielt von Griffin Newman.

Der blasse Nerd-Buchhalter deckt in jener Superhelden-Welt eines Tages ein ungeheuerliches Geheimnis auf: Die gesamte Stadt wird heimlich von einem Mega-Schurken regiert, der längst totgeglaubt war. Völlig klar ist jedoch auch, dass dem psychisch labilen Arthur niemand glaubt, dass er eine gigantische Verschwörung aufgedeckt hat. Niemand, bis auf einer: der blaue Insekten-Superheld «The Tick» (Peter Serafinowicz), der dem neuen Amazon-Original, das ab 25. August mit zehn Episoden hierzulande in Serie geht, den Titel gibt.

Der sonderbare Held im Gummianzug tut sich mit Arthur zusammen, um den Skandal aufzudecken – und selbstverständlich die Stadt und die Welt vor dem bösen Gegenspieler «The Terror» (Jackie Earl Haley) zu retten. Leider hat der merkwürdige Typ im Blaumann ebenfalls kaum Ahnung und Erfahrung, was das Weltrettungs-Business angeht – und leidet zudem an Gedächtnisverlust. Ohnehin muss man sich fragen, ob der Tick – der als deutsch-englisches Wortspiel zwischen «Zecke» und «'nen Tick haben» unintendiert funktioniert – sowieso nicht lediglich in Arthurs Kopf existiert.

Die Konkurrenz wird ironisch auf den Arm genommen

Es ist bereits der dritte Versuch, die Comic-Vorlage von Ben Edlung zu adaptieren – «The Tick» gab es bereits als Fox-Cartoonserie sowie als (kurze) Live-Action-Serie im Jahr 2001. Diesmal jedoch fungiert Schöpfer Edlund gleich als Produzent der satirischen Heldenpersiflage, die sich anschickt, die «ernsten» Helden der Konkurrenz gar nicht direkt zu attackieren, sondern ironisch auf den Arm zu nehmen. Messen lassen muss sich «The Tick», dessen Episoden ab 13. Oktober auch in der deutschen Synchronfassung abrufbar sein werden, vor allem an Albernheiten wie «Antman» und komödiantisch angehauchten Actionkrachern wie den «Guardians of the Galaxy». Das Publikum dürfte seinen Spass jedenfalls haben: Es stimmte im Rahmen der Amazon-Pilot-Tests für die Serie ab.

«The Tick» gibts ab 25. August bei Amazon Prime im Original. Ab 13. Oktober folgt die deutsche Synchronfassung.  

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