12.10.2017 - 10:05

Beat Schlatter: «Hab die Nacktszenen mit Socken und Gummi geübt»

von Lukas Rüttimann
 

19 Bewertungen


Beat Schlatter über seinen Nacktauftritt im Film «Flitzer», seinen Flirt mit der Illegalität, seinen Gegenspieler Christian Stucki und den Grund, warum Komödien für ihn das härteste Filmgenre sind.

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«Bluewin»: Sie sind nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Initiant von «Flitzer». Wie sind Sie auf die Idee für einen Film übers Flitzen gekommen?

Beat Schlatter: Ursprünglich wollten wir das wirklich machen. Wir haben ein Wettbüro eröffnet und wollten mit zwei Flitzern – einem mit roten, der andere mit blauen Schuhen – gleichzeitig aufs Feld stürmen. Über eine geheime Internetseite hätte man einsehen können, bei welchem Spiel die Flitzer auftauchen. Dann hätte man wie beim Roulette auf Rot oder Blau wetten können. Und darauf, wie lange die Flitzer auf dem Feld sind.

Das hätten Sie wirklich durchziehen wollen?

Es ging uns nie darum, ein Spiel zu beeinflussen oder zu stören, sondern wirklich nur um die Wette. Doch unsere Flitzer haben Schiss gekriegt, weil sie keine echten Profi-Flitzer waren. Zudem hat der ehemalige FCZ- und damalige YB-Sportchef Fredy Bickel, mit dem ich seit meinen «Bingo»-Abenden befreundet bin, die Hände verworfen und mir vehement davon abgeraten, als ich ihm von der Idee erzählt habe. Da habe ich gemerkt – das geht zu sehr in die Illegalität rein, das geht nicht.

Ein Spielfilm ist sicher die legalere Variante.

Ja, zumal ich mit Regisseur Peter Luisi schon lange befreundet bin. Ihm habe ich bei einem Essen davon erzählt, und er fand sofort, dass das ein super Stoff für eine Komödie sei. Darauf haben wir die Geschichte zusammen entwickelt.

Im Film wimmelt es von gelungenen Gastauftritten von Sport-, Show- und TV-Grössen wie Jörg Stiel, Büne Huber, Rainer Maria Salzgeber oder eben Fredy Bickel. War das von Anfang an so geplant?

Ja und nein. Wir wollten im Wankdorf drehen, von daher mussten wir mit Fredy Bickel zum Beispiel eh zusammenarbeiten. Ich habe ihm versprochen, dass er im Film den Cup gewinnt, dann haben sie endlich auch wieder mal einen Titel in Bern. (lacht) Aber der Punkt ist der: Wenn eine Figur in einem Film nur einen einzigen Satz sagen muss, muss man einen Profi nehmen. Die Ausnahme ist, wenn einer sich selbst spielt. Und das ist bei den Herren Canepa, Bickel, Salzgeber und anderen natürlich der Fall. Deshalb funktioniert das so gut mit ihnen.

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Schwinger Christian Stucki spielt allerdings einen 007-artigen Bösewicht. Beisser lässt grüssen.

Ja, ihn kenne ich seit meinem Schwingerfilm «Hoselupf». Seither sind wir befreundet. Er passt perfekt in die Rolle als Mann fürs Grobe. Er hat es wirklich super gemacht.

Es gibt naturgemäss viele Nacktszenen bei einem Film übers Flitzen. Hatten Sie keine Bedenken?

Natürlich war die Scham bei allen relativ hoch. Doch das Drehbuch hatten auch alle gelesen. Man wusste deshalb, auf was man sich eingelassen hatte.  

Und Sie selbst? Immerhin zeigen Sie sich dem Schweizer Publikum minutenlang splitterfasernackt auf dem Fussballfeld.

Ich hatte mehr mit der Kälte als mit der nackten Haut ein Problem. Wir haben letzten Herbst im Wankdorf gedreht; trotz Wärmezelten war es empfindlich kalt am Morgen. Aber wir haben es zum Glück unbeschadet hingekriegt.

Sind Sie immer so schmerzfrei?

Bei gewissen Szenen habe ich mit Socken vor dem Geschlechtsteil gedreht. Das habe ich vorher zu Hause geübt: Mit Socken und Gummi drum bin ich in der Wohnung herumgerannt und habe geschaut, ob das Ding auch wirklich hält. Splitterfasernackt war ich nur, wenn es wirklich nötig war. Immerhin hat sich die Crew aus Solidarität auch ausgezogen.

Wie bitte?

Kleiner Scherz. Was aber stimmt: FCZ-Präsident Ancillo Canepa wurde von einem Fahrer aus unserer Crew in einer Drehpause um Feuer gefragt. Als Canepa sein goldenes FCZ-Feuerzeug herausgekramt hat, sagt dieser: «Wow, du bist aber ein echter Fan, was?» Canepa antwortet: «Ja klar, ich bin der Präsident.» Der Fahrer: «Was, du spielst den Präsidenten?». Darauf Canepa: «Nein, ich BIN der Präsident.» Herrlich!

Das hätte gut in den Film gepasst – dabei gelten Komödien als schwieriges Pflaster, besonders in der Schweiz. Weshalb?

Das ist so. Wenn eine Schwangere hinter einem Vorhang steht und ein Mörder mit einem Messer kommt, dann hast du automatisch Spannung im Saal. Eine Komödie ist viel schwieriger, weil subjektiver. Jeder hat einen anderen Humor; dazu reden einem oft auch viele Leute drein. Dabei wissen die meisten gar nicht, wie viel harte Arbeit hinter einer Komödie steckt. Manchmal musst du einen Satz 300 Mal sagen, bis alles stimmt. Und als Lohn wirst du nicht ernst genommen – weil alle meinen, du bist eh nur der Spassmacher.

Die neue Schweizer Komödie «Flitzer» mit Beat Schlatter

  • Die neue Schweizer Komödie «Flitzer» mit Beat Schlatter
  • Die neue Schweizer Komödie «Flitzer» mit Beat Schlatter
  • Die neue Schweizer Komödie «Flitzer» mit Beat Schlatter
  • Die neue Schweizer Komödie «Flitzer» mit Beat Schlatter

Der Film ist sehr gelungen. Welche Erwartungen haben Sie an «Flitzer»?

Wir haben gute Reaktionen bei Vorpremieren und Openairs erhalten. Er kommt offenbar bei einem breiten Publikum gut an. Ob die Leute letztlich wirklich ins Kino gehen, weiss ich nicht. Natürlich würde ich es mir wünschen – es wäre schön, wenn ich mir meinen nackten Hintern nicht für einen Misserfolg abgefroren hätte.

«Flitzer» mit Beat Schlatter läuft ab Donnerstag, 12. Oktober, in unseren Kinos.

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