Sandro Brotz als neuer «Arena»-Dompteur: Top oder Flop?

Carlotta Henggeler

15.6.2019 - 10:00

Die «Arena» zum Frauenstreiktag: Tamara Funiciello, Helen Issler, Sandro Brotz, Elisabeth Schneider-Schneiter und Camille Lothe (von re.)
Screenshot SRF

Seit fünf Folgen ist Sandro Brotz der neue Chef der «Arena». Eine erste Bilanz zum neuen Diskussionsleiter der wichtigsten Polit-Talk-Sendung der Schweiz.

Mitte Mai übernahm «Rundschau»-Moderator Sandro Brotz (49) den «Arena»-Job von Jonas Projer. Vier Jahre lang prägte Projer das wichtigste Politdiskussionsformat am TV. Jonas Projer zu ersetzen, kein Sonntagsspaziergang für SRF.  Ist die «Arena»-Moderation die Champions League des Fernsehmachens. Braucht es nicht nur ein riesiges Polit-Knowhow, sondern auch viel Fingerspitzengefühl bei Talks. Wann muss ein «Arena»-Dompteur intervenieren und das Gespräch in eine neue Richtung lenkne? Oder lässt man lieber die Diskussion weiterlaufen – um den Spannungsbogen beizubehalten? Kein einfacher Spagat. Sandro Brotz antwortete vor seiner «Arena»-Premiere dazu: «Man muss eine Diskussion, wenn sie spannend ist, laufen lassen. Wenn man aber merkt, dass man nicht weiterkommt oder zum nächsten Thema weitergehen sollte, dann muss ich eingreifen. Das wird ein Balance-Akt. Dafür habe ich neu 70 Minuten Sendezeit.»

Ein Spagat, den Sandro Brotz auch am Freitag wieder vor sich hatte. Zum fünften Mal wagte sich der Neo-Dompteur in seine «Arena» und wollte von seinen Studiogästen wissen: «Will Frau zu viel?». Zu dieser brandaktuellen Frage am nationalen Frauenstreiktag begrüsste er Helen Issler (Vizepräsidentin Alliance F, ehemalige stv. SRF-Chefredaktorin), Tamara Funiciello (Juso-Präsidentin), Camille Lothe (Präsidentin junge SVP ZH), Elisabeth Schneider-Schneiter (Nationalrätin CVP BL und Präsidentin Handelskammer beider Basel). Auch im Studio war unter anderem VPOD-Gewerkschaftspräsidentin Katharina Prelicz-Huber. So unterschiedlich die Parteien, so meilenweit auseinander klafften die Meinungen über Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern, Rollenbilder und warum Frauen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft untervertreten sind.

Wenig eingegriffen

Nur zwei bis drei Mal lenkte Brotz die Diskussion in eine neue Richtung oder grätschte rein, wenn er den Einwand für ein verbales Foul hielt. Zum Beispiel wenn SVP-Präsidentin Lothe mit Statistikzahlen die Runde zupflasterte. Sonst liess er das Gespräch laufen, wie ein Profi-Trainer, der mit seinen Spielern auf dem Feld zufrieden ist. Er blieb ruhig, auch wenn es in der Arena zwischen links und rechts hitzig wurde – und zuweil die Wortfetzen flogen. Brotz behielt den Überblick, lenkte sanft und streute Fragen ein. Wenn aus einer Frage zu viele wurden, setzte er den Joker der eins-zu-eins-Befragung ein. So hakte er bei Elisabeth Schneider-Schnneiter nach, später widmete er sich Tamara Funiciello im Nahgespräch. Funiciello, der einmal der Geduldsfaden mitten in der Sendung riss.

Schlussfeuerwerk von Patti Basler

Wortakrobatin Patti Basler zeigte in der «Arena», was sie als Protokollantin draufhalt. Eine Premiere für die «Arena». Ein rundum gelungenes Experiment als Schlusspunkt, der Lust auf mehr macht. Gibt es in der Schweiz genügend hervorragende Slampoeten wie Renato Kaiser, Gabriel Vetter oder Hazel Brugger. Die fünfte Brotz-«Arena» zeigt, der neue Dompteur ist eine gelungene Neu-Besetzung für die SRF-Politsendung nach der Projer-Ära. Ein durch und durch würdiger Nachfolger.

Die «Arena: Will Frau zu viel» lief am Freitag, 14. Juni, um 22.25 Uhr auf SRF1. Mit Swisscom Replay TV können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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