«Das Boot» ist wieder auf Feindfahrt

tsch

23.11.2018

Mit 26,5 Millionen Euro gehört «Das Boot» zu den teuersten deutschen Serien aller Zeiten. Jetzt wird der Knüller ausgestrahlt – im grossen Stil.

Kriege kennen kein Happy End. Und so steht auch hier schon nach knapp zehn Minuten fest: Ein Boot kann sinken. «Ein Boot» wohlgemerkt. Nicht «das Boot». Mit einer ungewöhnlich langen, fulminant erzählten Actionsequenz beginnt die mit Spannung erwartete gleichnamige Sky-Serie. Dann erklingen die bekannten Töne des populären Soundtracks. Und schon zu diesem Zeitpunkt ist klar: «Das Boot» nimmt sich ernst.

Sicher: Die Serie versteht sich auch als klassisches Drama. Es geht um menschliche Schicksale, um Beziehungen untereinander, und da bleibt der eine oder andere Dialog mit eher trivialem Touch nicht aus. Vor allem aber ist das hier eine Kriegsgeschichte. Und schon deshalb verdient das Wagnis ein Lob.

Mancher wird die Brutalität der Bilder beklagen. Aber wer das Thema ohne schicken Hochglanz angeht und damit auch das filmische Original von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1981 würdigen will, der darf nicht zimperlich sein. Am 23. November startet Sky in Deutschland mit der Ausstrahlung der Serien-Neuauflage des Klassikers, der damals auf der Basis des gleichnamigen Romans von Lothar-Günther Buchheim entstand und Kinogeschichte schrieb.

Weder Neuverfilmung noch Forstsetzung

Sky Deutschland, Bavaria Fiction und Sonar Entertainment zeichnen für die achtteilige Serie verantwortlich, die wieder nur schlicht «Das Boot» genannt wurde. Sie ist weder Neuverfilmung noch Fortsetzung. Keine der Originalfiguren wird erwähnt oder taucht gar noch einmal auf. Vor Anfang an war klar: Etwas Neues musste her. Das Budget: 26,5 Millionen Euro (umgerechnet etwas über 30 Millionen Franken) für acht Stunden Film.

Die Handlung setzt 1942 ein, neun Monate nach dem Originalfilm mit Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer. Erzählt werden parallel zwei neue Geschichten: eine an Land und eine an Bord eines U-Boots. Gedreht wurde in Prag, La Rochelle, Malta und München.

Rund 40 Mann stark ist die Besatzung der U-612, die sich im Hafen von La Rochelle auf ihre Jungfernfahrt vorbereitet. Erste Konflikte werden früh offensichtlich. Denn als neuer Kaleun hat der wenig erfahrene Klaus Hoffmann (Rick Okon) das Kommando. Der ältere 1. Wachoffizier Karl Tennstedt (August Wittgenstein) hat seine Bedenken, was dessen Qualifikation betrifft. Unter anderem auch mit an Bord: der leitende Ingenieur Robert Ehrenberg (Franz Dinda), der auf eine traumatische Vergangenheit zurückblickt. Und Oberfunkmaat Frank Strasser (Leonard Schleicher), der eher zufällig zur Mission stösst und ein Geheimnis mit sich trägt.

Die Genannten sind derweil nur ein kleiner Teil der riesigen Besatzung. «Das Boot» fordert seine Zuschauer. Es ist nicht einfach, sich die Vielzahl der Charaktere zu merken und sie richtig einzuordnen. Zumal sich einige an Bord auch optisch sehr ähneln.

Zwei Geschichten in einer

Der Brite Tony Saint («The Interceptor») und Johannes W. Betz («Der Tunnel», «Die Spiegel-Affäre») sind die Chefautoren der Eventserie. Früh war klar, dass diesmal – anders als beim Original – nicht nur eine Handlungslinie erzählt werden würde. Die zweite spielt an Land, wo sich die aufkommende Résistance, der Widerstand gegen die Nazis, formiert. Hier steht die junge Simone Strasser (Vicky Krieps) im Mittelpunkt, die Schwester des Funkers Frank. Sie gerät unversehens zwischen die Fronten, als sie für ihren Bruder einen rätselhaften Geheimauftrag annimmt. Ihr Chef, der Gestapo-Mann Hagen Forster, wird von Tom Wlaschiha gespielt, der Serienfans durch die Rolle des Jaqen H'ghar in «Game of Thrones» bestens bekannt ist.

Die Zweiteilung prägt auch den Look der Mammut-Produktion. Während die Aufnahmen an Land eher konventionell wirken, erinnern die Bilder aus dem Inneren des Bootes tatsächlich an das filmische Original, bei dem damals Jost Vacano die Kamera führte: beengt, bewegt und mit dem typischen Farbstich der Innenbeleuchtung versehen.



«Das Boot» gehört nicht nur zu den teuersten, sondern auch zu aufwendigsten deutschen Serienproduktionen. 105 Tage lang wurde gedreht. Die Innenaufnahmen des Bootes entstanden in einem Prager Studio unter extremen Bedingungen. Bisweilen arbeiteten 15 Schauspieler auf 17 Quadratmetern, dazu kam die Crew. Auf dem 45 Meter langen Set wurden detailgetreu die Innenräume eines U-Boots nachgebaut, von der Kapitanskajüte über Kombüse bis hin zum Funkraum. «Es war physisch und psychisch fordernd», erinnert sich auch Hauptdarsteller Rick Okon, der als Kapitänleutnant in die Fussstapfen von Jürgen Prochnow tritt. Beraten wurde das Team am Set dabei von Fregattenkapitän a.D. Jürgen Weber.

Panik beim Dreh auf Malta

Auf Malta, wo die Aussenaufnahmen der U-612 entstanden, wurde Nacht um Nacht bis in die frühen Morgenstunden gearbeitet. Teils unter erschwerten Wetterbedingungen. Strömender Regen in den Nächten machte es allen Beteiligten nicht leicht. Hier wie auch in La Rochelle kam auch die 240 Tonnen schwere Replica des Boots zum Einsatz. Was bei den Bewohnern der eigentlich an Dreharbeiten gewöhnten Hauptstadt La Valletta zunächst für Aufruhr sorgte: Als das Boot erstmals als Horizont auftauchte, registrierte die Stadtverwaltung eine Vielzahl von besorgten Anrufern.

Erfrischend ehrlich gibt sich rückblickend Regisseur Andreas Prochaska, der bei allen acht Folgen der Serie in der Verantwortung stand. «Du weisst, dass du an einem Denkmal kratzt», sagte er. Durch seine Arbeit für die TV-Reihe «Spuren des Bösen» mit Heino Ferch, vor allem aber mit dem Kinofilm «Das finstere Tal» war er ins Gespräch gekommen. Der monatelange Dreh sei eine Herausforderung der besonderen Art gewesen. Aber schon, als das Angebot kam, stand für ihn ausser Frage: «Wenn die mich wollen, dann mache ich das.»

Schon in über 100 Länder verkauft

Das öffentliche Interesse an «Das Boot» ist schon seit der Bekanntgabe des Projekts vor über einem Jahr immens – und damit auch der Druck, der ob des grossen Namens auf der Produktion lastet. Dass «Das Boot» ein unternehmerischer Erfolg für Sky wird, scheint unabhängig von den Zuschauerzahlen schon festzustehen: Die Serie wurde bereits in über 100 Länder verkauft. Und wie für alle Sky-Eigenproduktionen gilt auch für diese: Eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen.

«Das Boot» läuft ab Freitag, 23. November, in Doppelfolgen auf Sky (via Teleclub empfangbar). 

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