«Mein Kind hätte noch leben können»

dpa

8.3.2018

Welche Spuren hat die Geiselnahme von Gladbeck hinterlassen? Und wo sind Fehler passiert? Betroffene berichten in einer Dokumentation.

«Das Geiseldrama von Gladbeck - Danach war alles anders»: So heisst eine Dokumentation, die das Erste am Donnerstag, 8. März, um 21.45 Uhr direkt im Anschluss an den zweiten Teil seiner «Gladbeck»-Verfilmung (ab 20.15 Uhr) zeigt. Zu Wort kommen Opfer und Angehörige, Vertreter von Polizei und Presse. Der Film von Nadja Kölling thematisiert noch einmal Fehler der Sicherheitskräfte und journalistische Grenzüberschreitungen. Vor allem aber zeigt er, welche Spuren so ein Verbrechen bei den Betroffenen hinterlässt.

Was bleibt, ist die Wut

Beispielsweise kommt die Mutter der getöteten Geisel Silke Bischoff zu Wort. Bis heute kann sie die Ermordung ihrer Tochter nicht begreifen und nicht akzeptieren. «Mein Kind hätte noch leben können», sagt sie. «Ich habe Wut und Hass in mir.» Noch immer habe sie dieses Geschehen vor Augen, träume manchmal davon. «Das bleibt eben in mir.» Trauer um die Opfer und Wut auf die Täter auch in der Familie De Giorgi, die den 15-jährigen Emanuele verlor: «30 Jahre später bleibt die Wut in mir», sagt seine Schwester Tatiana, die damals mit ihm gekaperten Bus sass.

Johnny Bastiampillai erlebte das Drama als Siebenjähriger mit seiner Mutter. Sie waren Monate zuvor aus dem Bürgerkrieg in Sri Lanka geflohen. Lange litt die Mutter unter Schuldgefühlen, weil sie nichts ahnend ihre Familie in den Bus gelotst hatte. «Sie wird das definitiv nie in ihrem Leben vergessen», erzählt er. Sie habe immer noch Angst und werde das wohl nie verarbeiten. Einfach nur traurig sei, wie danach von staatlicher Seite damit umgegangen worden sei. «Es ist keine Hilfestellung geleistet worden», sagt er. «Mit uns hat nie wieder ein Mensch über die Situation gesprochen.»

Die Doku «Das Geiseldrama von Gladbeck - Danach war alles anders» läuft am Donnerstag, 8. März, um 21.45 Uhr im Anschluss an den zweiten Teil des TV-Films «Gladbeck» (ab 20.15 Uhr) auf ARD. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendungen bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

«Gladbeck»: Bilder aus dem TV-Zweiteiler
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