Dominik Meier: «Ich bin nicht der neue Brotz»

Carlotta Henggeler

24.9.2019 - 23:59

Neues Gesicht bei der SRF-Politsendung «Rundschau»: Dominik Meier.
SRF/Marion Nitsch

Der neue «Rundschau»-Moderator Dominik Meier über das Lampenfieber beim Einstand, seinen Kaffeekonsum und seine harte Interview-Technik.

Treffpunkt ist am Mittwochmorgen im Leutschenbach-Hochhaus, neunter Stock. Im Kaffeeraum sitzt ein aufgeräumter Dominik Meier. Vier Folgen «Rundschau» hat Meier schon moderiert – er ist mit dem Einstand zufrieden. Trotzdem findet er: Es gibt noch viel Luft nach oben.

Kaum aufgewärmt im TV-Studio, wartet schon die nächste Herausforderung auf den 40-jährigen Solothurner: die erste Moderation des «Rundschau Talk» mit Kollegin Nicole Frank.

Alter Polit-Hase

Politikinteressierte kennen Dominik «Nik» Meiers Stimme schon länger aus dem Radio. Zwölf Jahre lang war er bei Radio SRF auf Sendung. Zuletzt als Bundeshaus-Korrespondent sowie Moderator und Teamleiter der «Samstagsrundschau». Eigentlich sein Traumjob – bis das Fernsehen anklopfte und ihn zum Casting bat.

Sandro Brotz war auf dem Sprung in die «Arena», ein Nachfolger musste her. Ein grosser Name, den es zu ersetzen galt – aber trotzdem spazierte Meier locker zur Vorstellungsrunde, denn: «Ich hatte nichts zu verlieren. Nach zwölf Jahren beim Radio wollte ich mutig sein und meine Komfortzone verlassen. Ich hatte mir im Detail noch gar nicht überlegt, was es heisst, Fernsehen zu machen.»

Vier Folgen der «Rundschau» hat er bereits hinter sich gebracht, sein erstes Fazit ist positiv: «Ich wollte keine perfekte Sendung liefern, sondern ohne grosse Pannen ans Ziel gelangen. Klar sehe ich noch Luft nach oben», sagt der Polit-Talker selbstkritisch.

Kritiken zum Einstand gab es ein paar, die seien alle fair gewesen, findet der TV-Mann. Die Vorwürfe: Er gestikuliere zu sehr mit den Händen und verabschiede sich mit «Ade». Wer sich auf diese Weise von den Zuschauern verabschiede, der mache das endgültig. Dominik Meier widerspricht diesem Vorwurf: «In Bern ist es gang und gäbe, sich so Adieu zu sagen.»

Knacknuss «heisses Interview»

Und wie ist es, in Sandro Brotz' Fussstapfen zu treten? «Als ich vom neuen Job erzählte, meinten Freunde spasseshalber, ich sei der neue Sandro Brotz. Ich sehe mich nicht so. Zu vergleichen ergibt keinen Sinn: Sandro hat dieses Format geprägt. Ich habe meinen eigenen Stil.»

Zu Meiers eigenem Moderationsstil gehört es ebenfalls, Interviewpartner in die Zange zu nehmen. Generell ist die «Rundschau» dafür bekannt, keine 0815-Beiträge zu zeigen, kontrovers und mutig bei der Themenwahl zu sein. Oft sei aber der Spagat zwischen in die Zange nehmen und den Interviewpartner zu unterbrechen, ein heikler: «Der Grat zwischen ausreden lassen und dazwischen grätschen ist ein schmaler. Nach einem Interview konnte ich bisher noch nie sagen, das war das richtige Mass.»

Trotz harter Bandagen: Dominik Meier sei es wichtig, dass der interviewte Studiogast sich fair behandelt fühle. «Ich frage zwar hart nach, aber meine Philosophie ist: Ich will keine verbrannte Erde hinterlassen. Jedem Gesprächspartner will ich nach dem Gespräch noch ins Gesicht sehen können. Und ich möchte sie oder ihn ohne Bedenken später wieder zu einem Interview einladen können.»

Apropos Gespräch: Um sein Lampenfieber in den Griff zu bekommen, hat er seinen Koffeinkonsum reduziert und geht jeden Tag eine Stunde an die frische Luft.

Den Kopf durchlüften kann er auch mit seinen zwei kleinen Kindern. Bei den Vertragsverhandlungen war es ihm wichtig, einen Papa-Tag zu bekommen. Das hat er geschafft: «Wenn ich freihabe, ist der Spielplatz meine Hood», sagt er und grinst. Sich die Kindererziehung egalitär zu teilen, das sei ihm wichtig.

Nächste Challenge: Ein Doppel

Momentan stecken Dominik Meier, Nicole Frank und das «Rundschau»-Team mitten in den Vorbereitungen zum nächsten Talk. Eine Premiere für das Duo Meier/Frank: «Wir hatten schon Proben mit einem Statisten, das ist gut gelaufen. Nicole und ich sind zwei sehr unterschiedliche Typen, das passt ganz gut. Das hat ‹gfäzt›».

Neues «Rundschau-Talk»-Duo: Nicole Frank und Dominik Meier.
SRF/Peter Mosimann

Bis zum Interview mit oberster Gewerkschafterin Vania Alleva sei es noch ein «Riesen-Büez», denn man wolle keine Standard-Antworten von ihr hören. Schafft es das neue «Rundschau talk»-Duo im Doppel die Unia-Präsidentin zu knacken? Das wird sich heute Abend zeigen.

«Rundshau talk» läuft Mittwoch, 25. September, um 20.05 Uhr auf SRF1. Mit Swisscom Replay TV können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

Diese Legenden kehrten SRF den Rücken.

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