Ein Schweizer verfilmt «Das Wunder von Wörgl»

1.12.2018 - 00:00, tsch

Als Bürgermeister von Wörgl revolutioniert Michael Unterguggenberger (Karl Markovics) die Wirtschaft.
Bild: SRF / epo-film / Hendrik Heiden
Vom Eisenbahner zum Wirtschaftspionier: Michael Unterguggenberger (Karl Markovics).
Bild: SRF / epo-film / Hendrik Heiden
Michael Unterguggenberger (Karl Markovics) bekommt Probleme mit den Nazis.
Bild: SRF / epo-film / Hendrik Heiden
Michael Unterguggenberger (Karl Markovics) wird von seiner Frau (Verena Altenberger) unterstützt.
Bild: SRF / epo-film / Hendrik Heiden

Wie ein Arbeiterkind ein Dorf rettete: «Das Wunder von Wörgl» erzählt eine fast vergessene Geschichte.

Als Michael Unterguggenberger 1884 als Arbeiterkind in Tirol geboren wurde, hätte wohl niemand gedacht, dass er eines Tages mit einem Experiment die Welt in Atem halten würde. Noch dazu mit einem finanzpolitischen Experiment. Hatte er, der Eisenbahner und Gewerkschafter, doch zeitlebens nur wenig mit Geld zu tun. 1931 aber wird Unterguggenberger Bürgermeister der kleinen österreichischen Gemeinde Wörgl – zu einer Zeit, als die Finanzkrise aus den USA längst auch Europa erreicht hat. Auch Wörgl trifft es: Die Arbeitslosigkeit steigt, die Armut auch. Die Regierung in Wien regiert. Ihre Lösung: sparen! Unterguggenberger sieht das anders. Er hat jene Idee, die «Das Wunder von Wörgl» auslöst, von dem der Spielfilm vom Schweizer Regisseur Urs Egger (bei SRF als Free-TV-Premiere zu sehen) erzählt.

Komplexes Stück Geschichte – federleicht erzählt

Unterguggenberger, in der österreichisch-schweizerischen Koproduktion von Karl Markovics gespielt, glaubt: Wenn kein Geld mehr ausgegeben wird, kann die Wirtschaft auch nicht belebt werden. Wie aber kann man die Menschen dazu bringen, ihr Geld nicht weiter unter dem Kopfkissen zu horten?

Unterguggenberger hat eine Idee: Er führt in Wörgl eine neue Währung ein, die allerdings scheinbar einen Haken hat: Das Geld bleibt nur gültig, wenn man jeden Monat eine Wertmarke kauft und diese auf den Geldschein klebt. Wer sein Geld also auf der Bank belässt, verliert Geld – denn die Wertmarken müssen ja bezahlt werden. Unterguggenbergers Plan geht auf, die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit in Wörgl sinkt. Doch der österreichischen Politik ist der Bürgermeister mit den ungewöhnlichen Ideen suspekt. Und bald kommen die Nazis an die Macht ...

Mit «Das Wunder von Wörgl» erzählt der Berner Urs Egger («Gotthard») eine unglaublich klingende Geschichte, die im Zuge der weltweiten Finanzkrise von überraschender Aktualität ist. Mit dem grandiosen Karl Markovics («Die Fälscher») und der Newcomerin Verena Altenberger ist das Historiendrama, das ein scheinbar komplexes Stück Geschichte federleicht erzählt, hervorragend besetzt.

«Das Wunder von Wörgl» läuft am Samstag, 1. Dezember, um 23.55 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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