Eine Schweizer Chaos-Familie fährt zum Casting

tsch

8.8.2018

Dani Levy wirft in seiner Familien-Komödie nach US-Vorbild einen hübsch überzeichneten Blick auf die chaotische «Welt der Wunderlichs».

Charmante Aussenseiter-Komödien sind in den vergangenen Jahren zum liebgewonnenen Trend geraten. Filme wie «Little Miss Sunshine» (2009) erzählten vom Unangepassten und Unperfekten, vom Scheitern und Mutfassen. Auf jene inzwischen nicht mehr allzu aussergewöhnliche Ästhetik liess sich 2016 auch der Schweizer Regisseur Dani Levy ein. Mit «Toni Erdmann»-Star Peter Simonischek in der Vater-Hauptrolle porträtiert der gebürtige Basler (sorgte gerade auch mit seinem «Tatort» für Gesprächsstoff) «Die Welt der Wunderlichs» - eine sympathische Chaos-Clique, die sich immer am Rand des Nervenzusammenbruchs bewegt. ARTE zeigt die hübsch überzeichnete Familien-Komödie nun zur Primetime in Erstausstrahlung.

Darum gehts

Mimi Wunderlich, deren fahriger Charakter Katharina Schüttler wie auf den Leib geschneidert ist, sucht nach einer zweiten Chance. Die ehemals erfolgreiche Musikerin und Alleinerziehende ist am Ende: Ihr ADHS-Sohn Felix (Ernst Wilhelm Rodriguez) sperrt Lehrer ein und sorgt nur für Trubel, Mutter Liliane (Hannelore Elsner) gibt als abgehalfterter Ex-Schlagerstar nicht minder infantil die Hypochonderin. Währenddessen machen der spielsüchtige Vater (Simonischek) und die emotional kalte Schwester (Christiane Paul) Mimis Leben ebenso zur Hölle wie ihr Ex und Kindsvater Johnny (Martin Feifel), seines Zeichens Rockmusiker und Drogenwrack.

In dieser klischeereichen und an psychologischen Auffälligkeiten nicht gerade armen Konstellationen schickt Levy seine Protagonisten auf eine absurde Reise. Ziel: ein Castingwettbewerb namens «Second Chance», zu dem Felix seine einst erfolgreiche Mutter heimlich angemeldet hat. Auf dem Weg nach Zürich, wo die Comeback-Show entsteht, wird Mimi von ihrer hoffnungslos chaotischen Familie begleitet. Nicht nur auf den ersten Blick lässt der 2009er-Erfolg «Little Miss Sunshine» mit frappierenden Ähnlichkeiten grüssen.

Gute Unterhaltung

Subtilitäten und Anspielungen sind nicht Levys Sache: Jedwede bizarre Charaktereigenschaft der Familienmitglieder wird ausgespielt und unterhaltsam überzeichnet. «Die Welt der Wunderlichs» entpuppt sich als humorvoller Kosmos voller Zerrbilder von Alleinerziehenden, Alkoholikern, Drogenabhängigen, Depressiven, Narzissten, psychisch Kranken und gescheiterten Musikern. Das krankmachende Musikgeschäft als auch das ausbeuterische TV-Castingshow-Business wird dabei intelligent, wenn auch beinahe zu brav persifliert.

«Die Welt der Wunderlichs» läuft am Mittwoch, 8. August, um 20.15 Uhr auf ARTE. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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