«Es hat mich überrascht, dass ich mich wieder verliebt habe»

Marlène von Arx

22.6.2020 - 10:21

Gwyneth Paltrow an der diesjährigen Golden Globe Verleihung. Sie gewann 1999 eine goldene Statuette für «Shakespeare in Love» als beste Schauspielerin.
Valerie Macon/AFP via Getty Images

Karriere, Kinder und Corona: Wie die «The Politician»-Schauspielerin,  Wellness-Pionierin und Unternehmerin Gwyneth Paltrow ihre neue Normalität meistert.

Eigentlich war Gwyneth Paltrow (47) als Schauspielerin in Rente gegangen. Sie habe genug zu tun mit ihrem Lifestyle und Wellness Label Goop. Dort werden teure esoterische Produkte wie Kerzen mit dem Namen «This Smells like my Orgasm» (zu Deutsch: «Das riecht wie mein Orgasmus»), mirakulöse Anti-Aging-Cremes oder teure In-Kleider verkauft. Ihr Imperium soll laut «New York Times» 250 Millionen Dollar wert sein.

Doch die Lifestyle-Entrepreneurin liess sich dann von ihrem Mann Brad Falchuk, Drehbuchschreiber und Produktionspartner von TV-Schwergewicht Ryan Murphy, für eine Nebenrolle in «The Politician» überreden.

In der zweiten Staffel führt nun nicht nur ihr Film-Sohn (Ben Platt), sondern auch sie selbst eine politische Kampagne  etwas, was sie sich in ihrem eigenen Leben nie vorstellen könnte.

Ganz schön erfolgreiches Paar: Gwyneth Paltrow mit Ehemann Brad Falchuck im September 2019 an der Premiere ihrer Netflix-Serie «The Politician» in New York.
Keystone/Ivan Agostini/Invision/AP

Frau Paltrow, die zweite Staffel von «The Politician» ist gerade auf Netflix gestartet und Sie sind wieder mit dabei. Ist Ihr Ruhestand als Schauspielerin nun also offiziell beendet?

Da macht man mal einen Witz, man gehe in Rente und dann wird das auf Ewigkeit wieder ausgegraben! Ich habe von Anfang an für zwei Staffeln unterschrieben und ich würde auch eine dritte machen, wenn sie mich brauchen. Ich sage nämlich nicht, dass ich nie mehr schauspielern werde. Aber mein Fokus liegt in absehbarer Zeit klar auf meiner Firma Goop.

… die mit «Goop Lab» ja auch eine Show auf Netflix hat. Wie kommen Sie als Lifestyle-Label-CEO mit der Corona-Realität zurecht?

Mehrheitlich ganz gut. Geschäftlich bin ich immer noch vollzeitlich eingespannt, aber ich muss den Wecker nicht mehr stellen und die Kinder in die Schule fahren. So kann sich der Körper wieder auf einen natürlicheren Rhythmus einstellen. Ich mache viel Yoga und habe ein paar gute Online-Fitness-Klassen gefunden. Am Anfang war es aber schon ein Schock und ich machte mir Sorgen, dass die Isolation für meine beiden Teenager sehr schwierig sein würde – keine Partys, kein Skateboarden, etc. Würden sie das schaffen?

War die Sorge berechtigt?

Nein, sie haben sich schnell arrangiert und sogar die Führung übernommen. Sie haben ihre Schularbeit verantwortungsvoll gemacht und die langen Gespräche am Esstisch, für die wir jetzt plötzlich Zeit hatten, auch genossen. Jetzt sind Sommerferien. Nun müssen wir halt schauen, was machbar ist. Denn gemeinsam in einem Haus eingesperrt zu sein, ist auch mit den liebsten Menschen irgendwann einmal genug.

Und wie geht es Ihrer Mutter, der Schauspielerin Blythe Danner? Können Sie sie sehen?

Danke der Nachfrage. Es geht ihr gut und sie ist gesund. Aber wenn man ältere Eltern hat, macht man sich natürlich Sorgen. Sie ist in New York und wir in Los Angeles. Leider können wir momentan nicht zueinander. Hoffentlich ist das Ende Sommer möglich und ich kann zu ihr fliegen.

Sie waren eine der ersten Promi-Lifestyle-Blogger. Jetzt führen Sie ein Unternehmen mit 250 Angestellten. Welchen Einfluss hat Goop auf die Lifestyle-Branche?

Einen grossen. Wir waren vor zwölf Jahren früh dran, Frauen zu sagen, dass es okay ist, Fragen zu ihrer Gesundheit zu stellen – nicht nur was Ernährung betrifft, sondern allgemeine Wellness im Leben und in Beziehungen. Vieles wird inzwischen auch im Mainstream diskutiert. Das Befriedigendste am ganzen ist für mich das Feedback von all den Menschen, denen wir helfen konnten.

Goop musste allerdings auch Kritik einstecken, dass die Empfehlung nicht wirklich wissenschaftlich belegt seien. Zum Beispiel haben ihre Mitarbeiter die halluzinogene Droge Ayahuasca getestet und es in ihrer Netflix-Serie empfohlen. Was sagen Sie dazu?

Wenn man etwas vorantreibt, gibt es immer Kritiker. Ein paar Monate später machen es dann alle. Wir haben inzwischen gelernt, unseren Content zu kategorisieren. Wenn bei etwas wissenschaftliche Forschung dahinter steht, sagen wir das – und wenn etwas mehr Richtung Unterhaltung geht, deklarieren wird das auch.

Sie haben mit «bewusstem Entpaaren» einen neuen Begriff kreiert, als Sie sich von Coldplay Front-Mann Chris Martin trennten. Sehen Sie sich als Trendsetterin, was moderne Beziehungen betrifft?

Ich würde mich nicht als Trendsetterin bezeichnen, aber wenn ich zurückschaue, was ich alles gesagt und getan habe, bin ich es vielleicht doch. Den Begriff habe ich übrigens nicht erfunden. Er kam in der Therapie auf, die wir damals machten, um die Familie trotz der Trennung intakt zu halten. Das war eine ziemlich radikale Idee und es war auch viel Arbeit. Dafür stehen mein Ex und ich uns jetzt noch immer sehr nahe und sind stolz, haben wir der Welt dieses Konzept vorgestellt. Ich glaube, die Kinder sind deshalb auch ziemlich gut durch die Scheidung gekommen.

Zwei Jahre nach der Scheidung haben Sie wieder geheiratet. Offenbar haben Sie den glauben an die ewige Liebe nicht verloren?

Es hat mich überrascht, dass ich mich wieder verliebt habe. Ich hatte das nicht mehr unbedingt erwartet. Aber ich hatte unglaubliches Glück und bin sehr happy.

«Es braucht viel Zeit, bis sich eine Frau wirklich gut fühlt und ihre Unsicherheiten abschüttelt»

Happy und reifer?

Sicher. Ich bin heute viel glücklicher und mehr mich selbst. Es braucht viel Zeit, bis sich eine Frau wirklich gut fühlt und ihre Unsicherheiten abschüttelt. Wenn man sich endlich akzeptiert, hat man Krähenfüsse und einen schlechteren Stoffwechsel [lacht]. Aber älter werden ist auch schön. Ich möchte um keinen Preis nochmals zwanzig sein.

Sie wollen in «The Politician» Gouverneurin von Kalifornien werden. Ist das etwas, das Sie auch reizen könnte?

Ich in die Politik? Niemals! Das kann ich Ihnen garantieren.

Weshalb nicht?

Es wäre kein Job für mich. Politiker sollten Menschen zusammen bringen, aber wir sind so polarisiert geworden. Niemand kann mehr mit einem offenen Ohr und Herzen zuhören. Jede andere Meinung ist gleich eine Bedrohung und Grund für einen Wutausbruch. Mit dieser Ausgangslage kann nie etwas Gutes entstehen. Denn wer provoziert, spricht nicht wirklich seine Wahrheit – die offenbart sich, wenn man authentisch, verletzbar und verantwortungsvoll ist. Daher mag ich Georgina in «The Politician»: Sie ist authentisch und macht niemandem etwas vor, wer sie ist.

Die zweite Staffel von «The Politician» läuft derzeit auf Netflix.

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