«Es reicht gerade zum Essen» – wenn jeder Franken zählt

10.1.2019 - 08:46, tsch

Die alleinerziehende Mutter Karin de Roche ist auf Sozialhilfe angewiesen.
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Therese Schläpfer, Gemeindepräsidentin (SVP) von Hagenbuch im Kanton Zürich, schlägt vor, die Sozialhilfe um bis zu 30 Prozent zu kürzen.
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Jeylani Samadi stammt aus Afghanistan und muss mit der Asylsozialhilfe über die Runden kommen.
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Monika Senn hat in den vergangenen acht Jahren nicht mehr gearbeitet, sondern von der Sozialhilfe gelebt.
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Felix Wolffers leitet den Sozialdienst der Stadt Bern und kritisiert die Kürzungspläne.
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Auf Vorschlag der SVP soll die Sozialhilfe gekürzt werden. Eine SRF-Doku geht der Frage nach, wie sich das auf die Betroffenen auswirken könnte.

Wie viel Geld benötigt man mindestens, um allein oder mit seiner Familie über die Runden zu kommen? Die neue SRF-Doku «Sozialhilfe unter Druck – Wie viel darf man haben?» stellt sich der aktuellen, brisanten Diskussion um die Kürzungspläne bei der Sozialhilfe, die vor allem die SVP vorantreiben möchte. Barbara Frauchinger und Kathrin Winzenried haben sich dafür im Alltagsexistenzkampf von mehreren Betroffenen umgesehen.



«Es reicht gerade zum Essen»

«Es reicht gerade zum Essen. Und das auch nur mit Verzicht», sagt Karin de Roche. Die 44-jährige alleinerziehende Mutter muss mit ihren vier Kindern mit Sozialhilfebezügen auskommen, die ursprünglich eingeführt wurden, um die Ärmsten im Land zu unterstützen. Ihre fünfköpfige Familie erhält den sogenannten Grundbedarf fürs tägliche Leben, der aktuell 2380 Franken im Monat beträgt. Damit ist das Überleben zwar garantiert, grosse Sprünge kann Karin de Roche mit ihren Kindern aber nicht machen. An Ferien etwa ist nicht zu denken. Die von einer SVP-Arbeitsgruppe vorgeschlagene Kürzung der Sozialhilfe um 30 Prozent würde sie hart treffen.

Wenn jeder Franken zweimal umgedreht werden muss

Die neue, einfühlsame und nicht reisserisch aufgezogene Sozialreportage stösst thematisch in ein Wespennest. Sie bemüht sich um sachliche Klärung und rechnet daher anhand Alltagsschicksale konkret nach, wie viel Geld aus den öffentlichen Kassen wohin fliesst. Dabei wird schnell klar, dass viele Sozialhilfe-Berechtigte eine strenge Buchhaltung führen müssen, wie sie sonst nur von selbstständigen Unternehmern erwartet werden kann. Jeder Franken muss in der Regel zweimal umgedreht werden.

Gleichzeitig bemüht sich die Dokumentation um Objektivität und geht auch der Frage nach, welche Motivation hinter den Kürzungsbestrebungen stecken und wie sie sich real auswirken könnten. Immer wieder steht die Idee im Raum, dass eine gekürzte Sozialhilfe viele Betroffene wieder stärker dazu bewegen könnte, sich zurück auf den Arbeitsmarkt zu begeben. Ob und wie das funktionieren kann, wird hier ausgewogen durchgespielt.

«DOK: Sozialhilfe unter Druck – Wie viel darf man haben?» läuft am Donnerstag, 10. Januar, um 20.05 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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