Hat die altbewährte Unterhaltungsshow ausgedient?

Carsten Rave, dpa

30.11.2018

«Denn sie wissen nicht, was passiert»: Günther Jauch, Barbara Schöneberger und Thomas Gottschalk erreichen immer weniger Zuschauer mit ihrer Samstagabendkiste.
Bild: MG RTL D / Stefan Gregorowius

Sie führt ein Schattendasein: die Show. Weil im Fernsehen Serien und Sport die Gegenwart gehört, droht das Lagerfeuer von einst zu erlöschen.

Er hatte feuchte Augen und lächelte versonnen, als er damals auf der Bühne stand und noch einmal den tosenden Applaus des Publikums genoss. Um die 15 Millionen Menschen wollten sehen, wie Thomas Gottschalk sich Ende 2011 von seiner Show «Wetten, dass..?» verabschiedete, die er mit einer kurzen Unterbrechung ein Vierteljahrhundert geprägt hatte.

15 Millionen! Diese Zahl bleibt vorläufig unerreicht. Die klassische, im Fernsehen fürs Fernsehen geborene Show, befindet sich seit Gottschalks Abtritt auf dem Rückzug. Aber auch vorher wurde sie von Ermüdungserscheinungen heimgesucht.

Horst Lichter bleibt eine der wenigen Ausnahmen

Denn heute vereinigt ein Samstagabendquiz, eine Spielshow oder eine Schlagersendung längst nur noch einen Bruchteil der Menschen vor den Fernsehern. Die Unterhaltung als elektronisches Lagerfeuer hat ausgedient. Dennoch gibt es immer wieder kleine Ausnahmen.

Beispiel eins: Quereinsteiger Horst Lichter und sein ZDF-Trödelformat «Bares für Rares», das schon im Nachmittagsprogramm wie geschnitten Brot läuft, kann auch abends Akzente setzen. Alte Bilder, alte Uhren, alte Keramik hat fast jeder in seinem Haushalt und interessiert sich daher auch für deren Wert. Die Folge: Bei den drei Abendausstrahlungen hatte der patente Lichter immer gute fünf Millionen vorm TV.

Beispiel zwei: Kai Pflaume, der ähnlich wie Lichter mit seinen täglichen Vorabendratespielen («Wer weiss denn sowas?») gerade einen zweiten Frühling durchlebt, landet auch mit der Langfassung Treffer: Mit der Samtagabendshow «Wer weiss denn sowas?» holte er bis zu 6,66 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. Mit der Show «Klein gegen Gross» landete er bei 5,70 Millionen.

Die RTL-Dschungelshow «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» spielt trotz etwas nachlassenden Interesses in derselben Liga mit – auch Günther Jauchs RTL-Rateklassiker «Wer wird Millionär?» ist häufigerer Ausstrahlung immer noch trotz für vier bis fünf Millionen Zuschauer gut. Als Einzelereignis ist dann noch die jährlich einmalige Live-Übertragung des Eurovision Song Contests zu nennen – mit zuletzt fast acht Millionen Fans. Das war es dann aber auch.

Und der Rest?

Der Rest der Angebote zielt nicht mehr ins Mark, er trifft auf eine Gesellschaft mit diversen Individualinteressen und genug Ablenkung vor allem im Netz. Steffen Henssler mag ein Opfer sein, der nach der letzten Ausgabe von «Schlag den Henssler» mit 1,10 Millionen Zuschauern resigniert eingestehen musste: «Ich habe alles gegeben, aber man braucht nicht lange um den heissen Brei herumzureden: Der Zuschauer will mich in dieser Rolle nicht sehen, und das muss man einfach akzeptieren.»

Auch das ProSieben-Duo Joko & Klaas, einst Hoffnungsträger Nummer eins, hat es bei der jungen Zuschauerzielgruppe mit Leuten zu tun, die auf vielen Hochzeiten rumturnen, aber nicht unbedingt im TV. Weniger als eine Million Zuschauer für «Die beste Show der Welt» waren im Spätsommer die Konsequenz. Mässig lief es auch für die RTL-Show «Denn sie wissen nicht, was passiert» mit den schillernden Namen Thomas Gottschalk, Günther Jauch und Barbara Schöneberger: drei Mal gut 2,5 Millionen Zuschauer sind nicht berauschend bei so viel Einsatz.

Die Liste an Shows liesse sich lange fortsetzen. Wie lange die Geduld der Programmmacher und des Publikums reicht, ist fraglich. Eines steht aber fest: Mit Fictionstoffen, die mehrfach wiederholbar und auch im Ausland vermarktbar sind, ist vermutlich mehr Geld zu verdienen als mit Ratespielchen, deren Marktwert nach einer Ausstrahlung bereits gegen Null tendiert.

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