Kriegsreihe mit Joel Basman Kriegsreihe mit Joel Basman: «Ich will nicht verrecken wie Millionen andere»

dpa/tsch

11.9.2018

Die spektakuläre Dokumentarserie «Krieg der Träume» erinnert an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren – und an die Zeit bis 1939. Darin als aufstrebender Nazi zu sehen: der Schweizer Schauspieler Joel Basman.

Geschichte im Fernsehen kann sehr trocken sein. Dass es auch anders geht, zeigt die internationale TV-Serie «Krieg der Träume», die zwischen den beiden Weltkriegen spielt. Sie startet am Dienstag, 11. September, um 20.15 Uhr bei Arte mit acht Folgen. Und am Montag danach um 22.45 Uhr im Ersten mit drei zwar längeren, insgesamt aber leicht gekürzten Folgen.

Diese Menschen gab es wirklich

Alle 13 Figuren, die zu sehen sind, hat es tatsächlich gegeben. Darunter ist der Matrose Hans Beimler (Jan Krauter), der sagt: «Ich will nicht verrecken wie Millionen andere. Ich habe noch nie Palmen gesehen, eine Torte gegessen, mit einem Mädchen geschlafen.» Er wird sich später weigern, mit seinem Kanonenboot in einen letzten sinnlosen Kampf zu ziehen, wie es die Heeresleitung befiehlt. Der Matrosenaufstand in Kiel wird ein Auslöser für das Kriegsende sein. Beimlers Schicksal wendet sich indes tragisch: Er wird später als Kommunist in Dachau interniert und 1936 im Spanischen Bürgerkrieg gegen Franco fallen.

Sieht fast aus wie ein Banner, das für die US-Serie «The Man in The High Castle» wirbt. Doch hier geht es um die nicht minder sehenswerte Dokuserie «Krieg der Träume», die jetzt bei Arte und bald im Ersten zu sehen ist.
Sieht fast aus wie ein Banner, das für die US-Serie «The Man in The High Castle» wirbt. Doch hier geht es um die nicht minder sehenswerte Dokuserie «Krieg der Träume», die jetzt bei Arte und bald im Ersten zu sehen ist.
SWR/LOOKS Film

Die zarentreue Kosakensoldatin Marina Yurlova (Natalia Witmer) wird vor einem Erschiessungskommando der Roten Armee gerettet. Sie will zurück an die Front, findet sich aber schliesslich in einem Zug nach Wladiwostok wieder.

Währenddessen möchte die Polin Apolonia Chalupiec (Michalina Olszanska) unbedingt zum Film. Regisseur Ernst Lubitsch (Roland Bonjour) gibt ihr die Hauptrolle in «Carmen» – unter dem Künstlernamen Pola Negri wird sie ein gefeierter Star.

Joel Basman als Rudolf Höss

Leutnant Rudolf Höss verachtet die Weimarer Republik. Gleichgesinnte findet er im Freikorps Rossbach, in dem ehemalige Soldaten das Vaterland auf eigene Faust verteidigen. Gespielt wird Höss von Joel Basman (28). Der Zürcher Schauspieler («Sennentuntschi») macht aus dem späteren Auschwitz-Kommandanten mehr als eine blosse Bebilderung: Er gibt dem späteren Massenmörder im Augenblick des Kriegsendes eine unvoreingenommene Mischung aus Hass und Soldatenpflicht mit auf den Weg.

Dann ist da noch der vietnamesische Kommunist Nguyen Ai Quoc (Alexandre Nguyen) . Dieser schliesst sich in Moskau der Kommunistischen Internationalen an, die Berufsrevolutionäre ausbildet – bald darauf wird er bekannt als Ho Chi Minh.

Internationales Filmprojekt im XL-Format

Regisseur Jan Peter (50) hat vier Jahre für seinen Film recherchiert und gedreht. Er hatte ein Budget von etwa zehn Millionen Euro zur Verfügung, 21 europäische Sendeanstalten waren beteiligt. Sein aufwendiges, ungewöhnliches Filmprojekt baut auf seinem Werk «14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs» (2014) auf.

Peter schildert die Schicksale seiner 13 Protagonisten anhand von Zitaten aus Tagebüchern und Briefen sehr subjektiv, aber konsequent und authentisch aus diversen Perspektiven. Und er verknüpft sie geschickt miteinander und verbindet historische Filmaufnahmen mit gelungenen Spielszenen auf vortrefflich geschnittene Weise. Er verzichtet auf einen Erzähler und belässt die fiktionalen Spielszenen jeweils in ihrem Originalton (mit Untertiteln).

Auch heute aktuell

Seine spannende Doku-Reihe im Hochglanz-Look erzählt von zerplatzten Lebensträumen, enttäuschten Hoffnungen, schweren Verwüstungen 2 – und vom Entstehen einer Demokratie mit Gewaltenteilung und dem Recht auf freie Meinungsäusserung und ihrer anschliessenden Zerstörung durch Diktatur und Krieg. Und sie zeigt, dass Demokratie ein kostbares Gut ist und keineswegs eine so beständige Sache, wie gerade heute wieder zu beobachten ist.

«Es ist schon bemerkenswert und auch unheimlich, was sich in der Welt und besonders in Europa in den letzten Monaten getan hat», sagte Peter der dpa. «Zu sehen ist ganz klar, wie sehr der erstarkende Nationalismus eine Reaktion auf eine Krise ist, und wie sich dieselben Antworten wie damals auch heute wiederfinden.»

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