«Kulturplatz» macht auch beim Sex der Männer nicht richtig heiss

von Lukas Rüttimann

8.3.2018

Der «Kulturplatz» und das Thema Sex – zumindest für unseren Scharfseher ist das nicht die grosse Liebe.

Es geht heiss zu und her beim Schweizer Fernsehen in diesen Tagen. Nachdem die erotische Miniserie «Seitentriebe» das Publikum in zwei Lager gespalten hat, widmet sich derzeit auch der «Kulturplatz» am Mittwoch zu später Stunde dem Thema Sex.

Letzte Woche waren die Frauen dran – doch sonderlich viel schlauer geworden ist man als Zuschauer dabei nicht. Gestern nun also folgte die Sendung zum Sex der Männer, der laut Untertitel «verfemt, verkannt, verdächtig» ist. Hoppla.

Schon im Vorfeld kündigte Moderatorin Eva Wannenmacher an, den sagenumworbenen «13,1 Zentimeter Männlichkeit» – dies offenbar die Durschnittgrösse eines erigierten Penis' – auf den Grund zu gehen. Gute Voraussetzungen für eine knackige Sendung zu einem heissen Thema.

Szenen aus dem Boxclub

Schnell wird jedoch klar: Der «Kulturplatz» bleibt der «Kulturplatz», auch beim Thema Männersex. Das fängt schon beim Setting an. Um ein möglichst testosterongeschwängertes Umfeld zu bieten, hat man in einem Berner Boxclub filmen lassen. Doch ausser stimmungsvollen Bildern liefert das Szenario nichts – mit keinem einzigen der Boxer wird auch nur ein Wort gewechselt. Gerade so, als wollte man als Kulturbeauftragte mit den verschwitzten Typen nichts zu tun haben.

Reden tut Wannenmacher dafür mit dem deutschen Autor Christian Seidel. Er hat mit «Ich komme» ein provokantes Buch zum Thema Männersex geschrieben. Das Gespräch verläuft durchaus unterhaltsam, auch weil sich Wannenmacher in koketten Fragen gefällt.

Allerdings fragt man sich, warum die Redaktion keinen Schweizer Autoren zum Thema gefunden hat. Einer, der über die Befindlichkeiten hierzulande – vor allem die durchgehend thematisierte männliche Verunsicherung – etwas hätte sagen können. So bewegt sich das Gespräch zumeist auf Allgemeinplätzen. Da war das Interview-Pendant letzte Woche mit Regisseurin Güzin Kar eindeutig erhellender.

Schöner denken mit SRF

Überhaupt: Vieles im «Kulturplatz» ist schön gedacht, wirkt aber wenig zielgerichtet. Die Beiträge über den dänischen Sexologen Jakob Olrik und den englischen Autoren David Szalay etwa sind handwerklich gut gemacht, hinterlassen aber kein Gefühl der Befriedigung. Zu oberflächlich werden eigentlich spannende Themen angeschnitten.

Wirklich überzeugend wirkt dagegen ausgerechnet eine Absage: Weil Jordan Peterson keine Zeit für ein Interview hatte, stellte man den umstrittenen Psychologen mit einem stringenten und knackigen Portrait anhand von Archivmaterial vor. Geht doch.

Wäre die Sendung ein Fussballspiel, es wäre ein Unentschieden. Kein torloses Treffen von Rumpelfüsslern. Eher ein unterhaltsames 2 zu 2. Was man damit anfangen soll, weiss man nicht so recht.

Remis endet auch der Vergleich zwischen den beiden «Kulturplatz»-Sendungen über den Sex von Männer und Frauen. Und das ist in der heutigen Zeit doch immerhin etwas.

«Kulturplatz» lief am Mittwochabend, 7. März, um 22.25 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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