«Lindenstrasse»-Produzenten schiessen gegen Sender – WDR widerspricht

dpa

20.11.2018

Nach 34 Jahren ist Schluss mit der «Lindenstrasse». Die Produzenten Hana und Hans W. Geissendörfer verstehen die Entscheidung zum Aus nicht.
Bild: Keystone

Das Ende der ARD-Kultserie «Lindenstrasse» lässt den Produzenten, Hana und Hans W. Geissendörfer, keine Ruhe. Sie können den Entscheid nicht nachvollziehen.

Die «Lindenstrasse»-Produzenten Hana und Hans W. Geissendörfer haben kein Verständnis für die Entscheidung zum Aus der Kultserie. «Das Absurde ist ja, dass diese Entscheidung gerade jetzt kommt, wo unsere Quote wieder steigt», sagte Hana Geissendörfer (34) im Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» am Montag, 19. November. Barbara Feiereis, Sprecherin des für die Serie verantwortlichen Westdeutschen Rundfunks (WDR), betonte dagegen, die Zuschauerzahlen seien seit Jahren leider rückläufig.



Sie seien allein in den 20 Jahren von 1995 mit damals 6,74 Millionen im Jahresschnitt bis 2015 auf 2,52 Millionen gesunken und auch in den beiden anschliessenden Jahren zurückgegangen, sagte Feiereis am Montag. Von 2017 auf 2018 habe es einen leichten Anstieg von 2,14 auf 2,18 Millionen gegeben, der auch auf die zuschauerstarke Folge zurückzuführen sei, in der Joachim Hermann Luger als Hans Beimer seinen Abschied gab.

Uneinigkeiten zwischen Produzenten und Sender

Hans W. Geissendörfer (77), der Erfinder der 1985 gestarteten Serie, ergänzte in der «Süddeutschen Zeitung»: «Wir hatten sehr, sehr wenig werbemässige Unterstützung der ARD. Im Vergleich zu anderen Sendungen kann man sagen: null. Ich habe mich mehrfach zu den Direktoren begeben und auf Knien klargemacht: Wir brauchen das.» Auch das will der WDR so nicht stehen lassen: «Wir haben eine ganze Menge gemacht, auf unterschiedlichen Kanälen», sagte Feiereis. «Es gibt viele Presse- und Online-Aktivitäten. Wir nutzen auch Events, um auf die ‹Lindenstrase› aufmerksam zu machen.» 2014 habe es eine Werbekampagne zur 1500. Folge, 2015 eine zu «30 Jahre Lindenstrasse» gegeben. «2017 hatten wir eine bundesweite Infoscreen-Kampagne zum Wiedereinstieg nach der Sommerpause.»

Hana Geissendörfer wehrt sich ausserdem dagegen, die Produktionskosten seien ein Argument gegen die Fortsetzung der «Lindenstrasse», deren letzte Folge im März 2020 zu sehen sein soll. «Der durchschnittliche Minutenpreis des 18.50-Uhr-Sendeplatzes in der ARD liegt bei 8'750 Euro. Wir liegen drunter», sagte sie im Interview. WDR-Sprecherin Feiereis dazu: «Das stimmt so nicht.» Alle anfallenden Kosten rund um die Produktion auf dem WDR-Gelände in Köln-Bocklemünd müssten berücksichtigt eingerechnet werden.

Die nächste Folge von «Lindenstrasse» läuft am Sonntag, 25. November, um 18.50 Uhr bei ARD. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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