19.06.2017 - 09:20

Sie hats ausprobiert: Was bewirkt ein Grundeinkommen?

von Lukas Rüttimann
 

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Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine Utopie, die mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. Daran konnte auch «Carole im Glück?» nicht rütteln.

Wie verändert sich das Leben, wenn man sich nicht mehr um die finanzielle Sicherheit kümmern muss? Wird man faul oder kreativ? Was die Schweiz vor einem Jahr noch per Volksinitiative bewegt hat, fand mit dem Nein an der Urne kein Ende. Denn noch bevor das bedingungslose Grundeinkommen vom Schweizer Stimmvolk mit fast 77 Prozent abgeschmettert wurde, starteten die Initianten per Crowdfunding einen Feldversuch.  

Für diesen kamen 30'000 Franken zusammen, das Losglück traf Carole. Wovon viele träumen, wurde für die junge Frau aus Zürich also zur Realität: Ein Jahr lang erhielt sie jeden Monat bedingungslos 2500 Franken auf ihr Konto einbezahlt. An ihrem Beispiel sollte ein Jahr lang ganz konkret aufgezeigt werden, was ein Grundeinkommen bewirkt.

Unspektakulär sinnvoll

SRF-Reporter Daniel Bodenmann hat die Gewinnerin des bedingungslosen Grundeinkommens für seine Reportage ein Jahr lang begleitet. 12 Monate lang tun und lassen können, was man will, während die Grundkosten gedeckt sind? Das klingt nach einem aufregenden Leben. Doch die Realität – und damit auch der Film – entpuppte sich als gnadenlos unspektakulär. «Grau wie das Wetter», wie es Bodenmann selber einmal nennt. Denn bei Carole bleibt alles beim Alten. Sie arbeitet weiterhin auf ihrem Job, bleibt bei ihrem Freund und – zumindest vorerst – auch in der Schweiz.

Ihre Arbeit, das wird schnell klar, ist für sie wie für die meisten Schweizerinnen und Schweizer mehr als nur ein Weg zum Geldverdienen. Sie ist Sinn und im besten Fall Erfüllung. Bestätigt wird das von allen Fachleuten, die in diesem «Reporter» zu Wort kommen. Ökonomen, Glücksforscher, ja sogar die Initianten selbst wissen um den Wert der Arbeit. Doch wo genau die Grenze zwischen sinnstiftendem Anreiz und routinemässigem Geldverdienen liegt, ist schwierig zu definieren. Bei Carole sieht man immerhin, dass sie dank des Grundeinkommens das Crowdfunding-Projekt ihres Freundes unterstützen kann, ohne deswegen gleich in finanzielle Engpässe zu geraten.

Etwas gar nichtssagend

Am Ende passiert es dann doch: Carole kündigt ihren Job, beginnt ein Studium an der ETH und verlässt für ein Fair-Trade-Projekt die Schweiz für mehrere Monate. Doch auch da folgt die Ernüchterung auf dem Fuss: Geplant war das schon lange, das Grundeinkommen hat das Vorhaben lediglich vereinfacht. So bleibt dieser «Reporter» so schwammig wie die Initiative selbst: ein spannendes Gedankenspiel, das viele Fragen aufwirft, aber kaum eine zufriedenstellend beantwortet. Selbst Glücksforscher und Ökonom Bruno S. Frey sagt, noch sei die Gesellschaft nicht reif für diese Utopie.

Dem Film darf man attestieren, dass er versucht hat, aus einem theoretischen Thema das Maximum herauszuholen. Etwas mehr Fleisch am Knochen hätte man sich jedoch gewünscht. So ist man am Ende so schlau wie vorher – und weiss, dass Geld allein nicht glücklich macht. Oder etwa doch?

«SRF Reporter: Carole im Glück?» lief am Sonntag, 18. Juni, um 21.40 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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