23.06.2017 - 09:54

Albtraum Arbeitslosigkeit: Wenn das Lächeln täuscht

von Lukas Rüttimann
 

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Arbeitslosigkeit ist ein hartes Schicksal. In «SRF Heimatland: Sorgenstimmung» war deshalb das Bemühen spürbar, die Reportage nicht zu sehr ins Negative kippen zu lassen.

Plötzlich ohne Arbeit dazustehen – dieser Alptraum kann jeden treffen. Kein Wunder steht Arbeitslosigkeit ganz oben auf der Sorgenliste der Schweizer: Über 25 Prozent fürchten sich davor. Besonders in einer Leistungsgesellschaft ist Arbeit mehr als ein Mittel, um Geld zu verdienen. Auch für Selbstwertgefühl und Identität ist der Job zentral. 

«SRF HE!MATLAND» hat im Rahmen der Spezialsendung «Sorgenstimmung» drei Menschen begleitet, die von der Arbeitslosigkeit aus verschiedenen Perspektiven betroffen sind: den 55-jährigen Hans, der seit über einem Jahr erfolglos auf Stellensuche ist, den jungen Dave, der eine Lehrstelle sucht, sowie Sarah. Die junge Frau hat sich bewusst gegen eine feste Anstellung entschieden und will sich selbst verwirklichen. 

Tränen der Verzweiflung

Von diesen dreien veranschaulichte der ehemalige Sachbearbeiter Hans das harte Schicksal besonders deutlich. Mit 55 Jahren unverhofft arbeitslos geworden, fällt der Walliser für viele Arbeitgeber allein schon wegen seines Alters aus dem Raster.  

Tatsächlich zeigte ihn die Sendung als Beispiel für eine Situation, wie man sie selber nicht erleben will: Weit über hundert Bewerbungen hat der Familienvater schon geschrieben, erhalten hat er nur Absagen. Um seine Arbeitslosigkeit zu verstecken, geht er erst gegen Abend spazieren. Und zuhause findet seine Frau, es sei schwierig, wenn der Mann immer zuhause ist: «Nichts gegen ihn – aber es ist schon anders, wenn er zum Essen heimkommt und dann wieder arbeiten geht», sagt sie.  

Beim Studieren der Stellenangebote fliessen dann sogar Tränen. Denn obwohl Hans stets freundlich lächelnd in die SRF-Kameras blickt, ist die Verzweiflung spürbar. Meist lese er in Stelleninserate immer nur «jung, jung, jung», sagt er resigniert. Und die drohende Aussteuerung ist ein Damoklesschwert, das er «einfach verdrängen muss».  

Mehr Perspektiven für Junge

Gegen diesen Härtefall wirkten die anderen Beispiele harmlos. Der junge Dave sucht zwar schon lange eine Lehrstelle, doch seine Perspektiven sind vorhanden. Am Ende der Sendung findet er prompt eine Anstellung.  

Die lebensfrohe Sarah, die sich aus freien Stücken gegen einen geregelten Job entschieden hat, passte hingegen nicht richtig zum Thema. Als DIY-Unternehmerin und Yoga-Lehrerin lebt sie zwar einen Gegenentwurf zur Leistungsgesellschaft. Doch weil sie in der elterlichen PR-Agentur die Möglichkeit hat, Geld zu verdienen, kann sie sich in einer «geschützten Werkstatt» verwirklichen, wie es ein Kommentar treffend ausdrückte.

Verübeln kann man ihr Mitwirken jedoch weder ihr noch den Sendungsmachern. Das Thema Arbeitslosigkeit ist trist genug. Dass man mit einem alternativen Lebensentwurf für Aufheiterung sorgen will, ist verständlich. Es wäre allerdings sinnvoller gewesen, wenn dieses positive Gegenbeispiel Mitte 50 statt Mitte 20 gewesen wäre. Das hätte dann auch dem arbeitslosen Hans wieder etwas Mut machen können.  

«SRF Heimatland: Sorgenstimmung – Arbeitslosigkeit» lief am Donnerstag, 22. Juni, um 21.05 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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