20.09.2017 - 09:40

SRF-«Club»: Etikettenschwindel bei Gredig-Abschied

von Lukas Rüttimann
 

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Bye-bye, Urs Gredig. In seinem letzten «Club» zeigte der beliebte Moderator noch einmal, warum sein Abgang ein Verlust für das Schweizer Fernsehen ist.

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«Wie hat es Moritz Leuenberger so schön gesagt? Wir treten auf, wir spielen, wir treten ab. Das gilt nicht für den Bundesrat, sondern auch für den 'Club'-Moderator. Dies war meine letzte Sendung, ich bedanke mich herzlich für Ihr Interesse. Bitte bleiben Sie der Sendung treu, denn – das haben wir heute wieder gemerkt – es gibt immer etwas zu diskutieren.»

So verabschiedete sich Urs Gredig gestern Nacht von seinem «Club»-Publikum. Er tat es, wie er die ganze Sendung moderierte hatte – und wie man ihn als Gesicht des Schweizer Fernsehens generell kennt: unaufgeregt, kompetent und sympathisch. Als neuer Chefredaktor von CNN Money Switzerland verlässt er den Leutschenbach. Man wird ihn vermissen. 

Urs Gredig

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Muntere Polit-Plauderei

Für seine Dernière hatte der ehemalige London-Korrespondent des Schweizer Fernsehens eine hochkarätige Polit-Runde zusammengetrommelt. Rosmarie Zapfl, die Zürcher alt Nationalrätin der CVP, Franco Cavalli, alt Nationalrat der SP aus dem Tessin, Hansjörg Walter, Thurgauer SVP-Nationalrat, Franz Steinegger, Urner alt Nationalrat der FDP, Christine Egerszegi, alt National- und Ständerätin der FDP aus dem Aargau sowie Kommunikationsberater Iwan Rickenbacher debattierten zum Thema «Bundesrat – Würde oder Bürde».

Ein nicht nur aktuelles, sondern an sich auch spannendes Thema. Wenn es denn zur Sprache gekommen wäre. Doch die Runde schoss sich von Beginn weg auf die Aktualität ein, die heutige Wahl des neuen Bundesrats.  

Nicht, dass das nicht interessant gewesen wäre: Die Legende von der «Nacht der langen Messer», die politische Konstellation im Tessin und deren Bedeutung für das Land, die Rolle der Frauen, Zapfls Vorwurf, der zu diesem Zeitpunkt bereits Favorit und jetzt gewählte Bundesrat Ignazio Cassis sei nicht unabhängig – die Polit-Profis plauderten munter aus dem Nähkästchen. Nur die Frage, was einen Bundesrat oder Bundesrätin ausmacht und wie das Leben als solcher oder solche ist, die blieb lange aussen vor.

Kein Blumenstrauss für Gredig

Den Etikettenschwindel bemerkte auch der Moderator. Im letzten Drittel der Sendung lenkte Gredig das Gespräch auf die Tagline: «Würde oder Bürde?», fragte er seine Runde – und prompt wurde es spannend. Besonders die Diskussion darüber, ob unsere Magistraten an der Last ihres Amtes zu zerbrechen drohen, war ein Highlight.  

Denn während SRF per Einspieler ehemalige Bundesräte wie Otto Stich, Samuel Schmid oder Didier Burkhalter zeigte, die unter Tränen die Bürde ihres Amtes beklagten, winkten Steinegger und Cavalli ab. Der FDP-Altmeister meinte sogar, seine Frau habe ihm die Hölle heiss gemacht, nachdem sie die Agenda eines Bundesrats zu Gesicht bekommen habe – und dort gesehen hat, wie oft und lange dieser Ferien mache könne.

Solche amüsanten Einsichten hätte man sich noch etwas mehr gewünscht. Doch wer politisch interessiert ist, kam in diesem «Club» auf seine Kosten. Zumal Gredig ein gutes Tempo vorgab, an den richtigen Stellen nachhakte – und nicht wie andere «Club»-Gesichter immer dann unterbrach, wenn es eigentlich spannend wurde.  

Schade erhielt er am Schluss nicht mal einen Blumenstrauss. Verdient gehabt hätte er ihn.

Der letzte «Club» mit Urs Gredig lief am Dienstagabend, 19. September, um 22.25 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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