Silber: Fluch und Segen

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30.5.2020 - 14:00

Silber brachte China an die ökonomische Weltspitze. 
ARTE

Die Doku zeigt den Einfluss des Silbers auf China und die Geschichte der Welt im Laufe der letzten 500 Jahre. Der chinesische Silberhandel sorgte für einen Boom der Metropolen, sei es Boston, Hongkong oder Sevilla. 

1581 beschloss der Kaiser von China, dass das Volk die Steuern fortan nicht mehr in Form von Arbeit oder Sachleistungen, sondern in Silber zu entrichten habe. Das löst in China eine enorme Nachfrage nach Silber aus. Zur gleichen Zeit entdeckten die Spanier in einem der entlegensten Teile ihres Kolonialreichs die grössten Silbervorräte der Welt. China, dem es an eigenem Silber fehlte, beschloss, das Silber von der spanischen Krone zu importieren.

In Manila wurde spanisches Silber erstmals gegen chinesische Luxusgüter eingetauscht. Dieser Handel war äusserst gewinnbringend, und innerhalb weniger Jahrzehnte wuchs die Anzahl der Chinesen in Manilas Bevölkerung auf ein Vielfaches der spanischen Kolonisatoren. Die Spannungen nahmen zu, und 1603 kam es zu einem blutigen Aufstand, der 20'000 Menschenleben forderte. Doch der Handel ging weiter.

Die Chinesen brauchten ständig grosse Silbermengen, konnten die Spanier aber im Gegenzug nicht mit genügend Luxusgütern beliefern. China war von den Importen des Edelmetalls abhängig, doch aufgrund von Seeräuberei und Schiffsunglücken reichte der Silbernachschub aus Südamerika nicht aus. Dies führte 1644 zum Sturz der Ming-Dynastie.
Auch die neue Qing-Dynastie der siegreichen nordchinesischen Mandschu-Krieger mass dem Handel einen hohen Stellenwert bei. Das Reich der Mitte versorgte die Welt weiterhin mit Luxusgütern, sodass Silber ins Land kam. Eine wichtige Rolle in diesem Austausch spielte Tee, den damals ausschliesslich China exportierte und der den Geldzufluss aus Grossbritannien und Russland sicherte.

Silber als Grundlage fürs Währungssystem

Doch dann beschloss China, den Handel strenger zu kontrollieren und nur noch vier Häfen für ausländische Schiffe zu öffnen. Ende des 18. Jahrhunderts war die westliche Welt nicht nur an Seide und Tee aus China interessiert, sondern auch vom exotischen Fernen Osten fasziniert. Chinesischer Luxus vermischte sich mit europäischer Raffinesse.

Mit Silber als der Grundlage des Währungssystems boomte die chinesische Wirtschaft. Doch im frühen 19. Jahrhundert trat das erstarkende Grossbritannien als Gegenspieler Chinas auf den Plan. Zunächst hatten die Chinesen die ausländischen Barbaren – wie sie die Briten nannten – noch unter Kontrolle, doch das neue Jahrhundert sollte Krieg und Erniedrigung bringen.

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