So geht der «Tatort» kaputt! Heike Makatschs eitles Oster-Comeback

tsch

2.4.2018

Nach zwei Jahren Kunstpause kehrte die Freiburger «Tatort»-Kommissarin Ellen Berlinger in Mainz zurück. Ausser Starschauspielerin Heike Makatsch bot das Feiertags-«Special» mit dem Titel «Zeit der Frösche» allenfalls Durchschnittliches hinter Eitelkeit und Geheimniskrämerei verborgen.

Schau an! Da war sie ja schon wieder! Wie frisch aus dem Osterei gepellt ... Gerade mal zwei Jahre sind vergangen, da trat Heike Makatsch auch schon an, um ihren zweiten «Tatort»-Fall als Kommissarin Ellen Berlinger zu lösen. Zwei Jahre? Aber ja, so ist das, wenn die ARD eine Star-Schauspielerin engagiert, um dann und wann ein «Special» für einen «Event»-Programmplatz wie Ostermontag zu drehen ...

Was war los?

Wie in Makatschs durchwachsenem Debüt-Krimi - der Film lief 2016 ebenfalls am Ostermontag - waren es auch in «Zeit der Frösche» (Buch: Marco Wiersch und Florian Oeller) Sorgen und Nöte Jugendlicher, die sich zu einem handfesten Verbrechensfall auswuchsen. Die 16-jährige Schülerin Marie (Aniya Wendel) war nach einer Party spurlos verschwunden. Zeitgleich alarmierte der Fund eines blutdurchtränkten Kinderpullis die taffe Ellen Berlinger und ihren sensiblen Kollegen Martin Rascher (Sebastian Blomberg). Das Kleidungsstück gehörte ausgerechnet Ellens 13-jährigem Neffen Jonas (Luis Kurecki), der in den Mord an seiner älteren Mitschülerin dann auch tatsächlich verwickelt war. Allerdings anders als zunächst befürchtet.

Ergab die Story Sinn?

Der Mordfall an sich war schlüssig und realitätsnah konstruiert. Störend wirkte sich das Drumherum aus. Dass schon wieder eine Kommissarin privat in einen Fall verstrickt war (ohne von ihm wegen Befangenheit abgezogen zu werden): Wer kauft es den «Tatort»-Machern noch ab? Ärgerlich auch, wie hier vom schwierigen Alltag alleinerziehender berufstätiger Mütter erzählt wurde - und dann suggeriert wurde, eine solche Herkulesaufgabe liesse sich in der Improvisation organisieren. Wenn Ellen Berlinger spät abends noch mal ermitteln musste, war zufällig der Kita-Erzieher auf eine Flasche Feierabendbier da und sprang als Babysitter ein: «Die Windeln sind oben in der Kommode.»

Was sind das für komplizierte Familienverhältnisse?

Überhaupt: Die Berlinger und ihre Kinder! Ihre inzwischen volljährige erste Tochter, die man im Auftakt-Krimi vor zwei Jahren kennenlernte, wuchs bei der Oma in Freiburg auf. Das Verhältnis zu ihr scheint zerrüttet. Die Oma ist nun tot, so erfuhr man in einer langatmigen Dialogsequenz, die Tochter zog nach Berlin. Und Ellen Berlinger lebt mit Kind Nummer zwei in Mainz. Von den jeweiligen Vätern keine Spur. Gott, wie geheimnisvoll!

Warum ist der Freiburger «Tatort» jetzt ein Mainzer «Tatort»?

Nach Mainz kam Ellen Berlinger, um sich von ihrer Schwester Maja (Jule Böwe) bei der Betreuung ihrer kleinen Tochter unterstützen zu lassen. So zumindest geht die dramaturgische Krücke, mit der erklärt wurde, warum der Freiburg-«Tatort» kein Freiburg-«Tatort» mehr ist. Der eigentliche Grund: Weil in der Zwischenzeit an der Dreisam das neue Schwarzwaldgespann um Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner die Arbeit aufgenommen hat, ist dort kein Platz mehr für eine weitere Sonntagskommissarin. So kehrte also die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt auf die «Tatort»-Landkarte zurück. Fast 40 Jahre nachdem Nicole Heesters die Oberkommissarin Marianne Buchmüller spielte.

Was ist von der Städte-Rochade zu halten?

Ob die Mainzer «ihren» Sonntagskrimi ins Herz schliessen werden? Kalt und unnahbar war alles in Szene gesetzt (Regie: Markus Imboden). Solch enigmatische Geheimnisträger wie die bindungsscheue Berlinger («Ich bin zu verkorkst für dich!») mit ihren vaterlosen Kindern anzubieten und dann alle zwei Jahre mal eine Krimifortsetzung zu drehen, bei der die Zuschauer den gedanklichen Anschluss herstellen sollen: Mit Verlaub, das grenzt an Arroganz. So geht man mit der «Tatort»-Marke nicht um.

Wie gut war der «Tatort»?

Wäre dieser angebliche «Event-Tatort» nur einer wie der mit Til Schweiger, der verlässlich halb Hamburg in Schutt und Asche legt! So etwas kann man wenigstens aufrichtig kacke finden und sich dran reiben. Am zweiten Berlinger-Fall ist aber wie schon beim ersten überhaupt nichts Signifikantes zu finden. Hier wurde nur das Gewöhnliche hinter einen düsteren Farbfilter gepackt. Und es wurde ein Geheimnis um alles gemacht, auf dass bloss keiner mitbekommt, dass hinter all der Geheimniskrämerei nicht viel ist. Ausser «Tatort»-Durchschnitt von eitler Beliebigkeit. 2020 dann vielleicht schon in Ihrer Stadt!

Wir vergeben eine Drei.

«Tatort: Zeit der Frösche» lief am Ostermontag, 2. April, um 20.05 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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