«SNTM»-Finale: Strahlender Sieger, Show zum Vergessen

Lukas Rüttimann

24.11.2018

Der 19-jährige Saviour ist Switzerland’s next Topmodel. Mehr interessieren dürfte jedoch die Frage, warum die Schweizer Version der Modelshow so nett war.

Geübte Topmodel-Zuschauer wissen: Finalshows sind Mist. Statt heftigen Diskussionen zwischen Juroren oder saftigen Zickereien unter Kandidatinnen gibts nur noch langweilige Lobeshymnen. Und wenn nach epischen Werbeblöcken endlich der Sieger oder die Siegerin verkündet wird, geht's sofort weiter zur nächsten Werbung.

Das war auch gestern bei «Switzerland’s next Topmodel» nicht anders. Für einen der Sponsoren durfte sich Kandidatin Vanessa unmittelbar nach Saviours Siegestränen per Werbespot die Haare glätten lassen, vielleicht als Trost für ihr frühes Ausscheiden.

Die Sendung zuvor dagegen hatte sich vor allem dadurch ausgezeichnet, dass sie aus ganz vielen Rückblicken bestand. Die schönsten Walks, die tollsten Shootings, die emotionalsten Momente, dazu für jeden Final-Kandidaten einen ausführlichen Zusammenschnitt der besten Szenen – auch so kann man eine Live-Sendung füllen.

Kein Zoff, kein Charisma

Klar: Allzu viel erwartet hatte von der «SNTM»-Finalshow niemand. Zu belanglos waren die lediglich fünf Folgen der Modelsuche zuvor gewesen. Das Grundprinzip der Sendung scheinen die Macher jedenfalls nicht verstanden zu haben. Oder ihnen fehlten die Mittel, es umzusetzen. Denn in den «Topmodel»-Shows – egal ob in Deutschland, den USA oder der Schweiz – geht es nie wirklich um Mode oder Modelkarrieren, sondern wie in jeder modernen Castingshow um Unterhaltung für das Publikum vor dem Bildschirm.

Dafür braucht es zwei Dinge: Kandidaten, die untereinander für so viel Action (sprich: Zoff) sorgen, dass sich daraus eine Mini-Soap-Opera mit Suchtpotential entwickelt – und eine charismatische Jury. Dummerweise hatte «Switzerland’s next Topmodel» beides nicht. Die Kandidaten waren zwar alle sympathisch und durchaus «Model-Material», wie es in der Branche so schön heisst. Doch bis auf Ausnahmen wie den nicht wirklich dramatischen Kampf um das Doppelbett in Mailand agierten sie fast gänzlich ohne Reibung. Marion, Vanessa, Sandro und Co. waren nett – und nett ist fürs TV nicht gut.

Auch Manuela Frey als Model-Chefin war eine eigenwillige Wahl. Die Aargauerin wirkte wie eine junge Frau, der man unverhofft eine TV-Show hingestellt hatte und die hin und wieder versuchte, autoritär zu sein. Zu Heidi Klum kann man stehen, wie man will. Doch im Gegensatz zu ihrem Schweizer Pendant hat die Deutsche jenes Charisma und die nötige Star-Power, die es für eine solche Show braucht. Dazu sind gleich zwei deutsche Parteien in einer Schweizer Jury vielleicht etwas viel. Ein klein wenig mehr Swissness hätte «SNTM» gut getan, selbst wenn man sich hierzulande mit Glamour eher schwer tut.

Show zum Vergessen

Tatsächlich war die Finalshow ein Spiegelbild dieser Probleme. Frey versuchte mit finsterer Miene Spannung und Dramatik zu erzeugen, während die restliche Jury über ihre Entscheidungen staunte. Ein Mitspracherecht hatten sie offenbar nicht.

Glamour verbreiteten zwei Show-Acts, von denen einer Freys aktueller Freund Bastian Baker war – sowie von GNTM-Siegerin und Influencerin Stefanie Giesinger, die hierzulande nicht wirklich wahnsinnig bekannt ist. Dazwischen streute die sehr motiviert wirkende Alexandra Mauer im Rücken des Publikums derart stark artikulierte Moderationen ein, als müsste sie die Sendung einem hörbehinderten Publikum erklären.

Doch was soll's, am Ende gabs den richtigen Sieger. Saviour aus Biel hat Style, Charme, den richtigen Look und das Talent, im rechten Moment Tränen zu vergiessen. Wenigstens einer, der weiss, wie man das bei Castingshows so macht.

«Switzerland's next Topmodel» lief am Freitag, 24. November, um 20.15 Uhr auf Pro7 CH. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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