«Wenn eine Politikerin beleidigt wird, kenne ich den Verfasser meistens schon»

Von Lia Pescatore

30.5.2021

210526_LAE_Jolanda Spiess Hegglin_Arthur Honegger_HIGHLIGHTS_Marylin In und Out

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27.05.2021

Jolanda Spiess-Hegglin und Arthur Honegger sind beide mit Hasskommentaren konfrontiert. Mit Claudia Lässer sprechen sie über ihren Umgang mit den Tätern und über die gesellschaftlichen Ursachen.

Von Lia Pescatore

30.5.2021

Hasskommentare gehören zu ihrem Alltag: Jolanda Spiess-Hegglin, Gründerin der Organisation #NetzCourage, und 10vor10-Moderator und Autor, Arthur Honegger, stehen beide in der Öffentlichkeit und sind auch in den sozialen Medien sehr aktiv. Sie sprechen im Talk mit Claudia Lässer über ihren ganz persönlichen Umgang mit Hasskommentaren.

Arthur Honegger erhielt vor rund fünf Jahren einen Tweet, in dem ihm jemand androhte, ihm einen Kopfschuss zu verpassen. Eine Strafanzeige sei für ihn damals nicht infrage gekommen. «Aber es gäbe durchaus Situationen, in denen ich keine Hemmungen hätte, Anzeige einzureichen. Zum Beispiel, wenn Drohungen an meine Familie gerichtet wären», sagt er. 

«Grossereignisse haben zur Folge, dass sich gewisse Teile der Gesellschaft vom allgemeinen Konsens abheben wollen»

«Grossereignisse haben zur Folge, dass sich gewisse Teile der Gesellschaft vom allgemeinen Konsens abheben wollen»

27.05.2021

Für Jolanda Spiess-Hegglin, die sich für Menschen engagiert, die von Hasskommentaren betroffen sind, ist die Strafanzeige zwar sehr effektiv, aber nur ein Mittel für den Notfall. Sie bevorzugt es, das Gespräch zu suchen mit den Verfassern, auch wenn sie persönlich von den Hasskommentaren betroffen sei. Die Szene sei in der Schweiz nicht besonders gross. Gerade wenn es um Hasskommentare gegen Politikerinnen gehe, kenne sie die Verfasser häufig bereits und habe sogar deren Nummer.

«Zu einer Strafanzeige greifen wir nur im Notfall»

«Zu einer Strafanzeige greifen wir nur im Notfall»

27.05.2021

Welche Gruppe wird besonders häufig zur Zielscheibe von Hass im Netz? Bei den Menschen, die Jolanda Spiess-Hegglin betreut, handele es sich häufig um solche, die nicht dem gängigen Bild der Gesellschaft entsprechen würden. Momentan seien junge, laute Politikerinnen, aber zum Beispiel auch Migrantinnen und Migranten besonders betroffen. 

«Am häufigsten sind Leute von Hass-Kommentaren betroffen, die nicht dem gängigen Bild der Gesellschaft entsprechen»

«Am häufigsten sind Leute von Hass-Kommentaren betroffen, die nicht dem gängigen Bild der Gesellschaft entsprechen»

27.05.2021

Als eine Ursache für den Hass im Netz sehen Honegger und Spiess-Hegglin fehlende Medienkompetenz. Das Problem liege aber nicht unbedingt bei der mangelnden Schulung von Kindern und Teenagern, sagt Arthur Honegger. «Wenn ich meine zwei Kinder sehe, habe ich wenig Bedenken, die sind viel gewandter im Umgang mit digitalen Medien.» Denn die jüngeren Generationen seien schon seit jung mit Medien in Kontakt – anders als die älteren. «Es sind vielmehr ältere Menschen, die den Experten nicht mehr vertrauen, weil sie im Internet etwas gelesen haben, was deren Meinung widerspricht», sagt Honegger.

«Pro Senectute sollte Kurse über Medienkompetenz anbieten»

«Pro Senectute sollte Kurse über Medienkompetenz anbieten»

27.05.2021

Spiess-Hegglin stimmt ihm bei dieser Beobachtung zu. Die ehemalige Politikerin fordert, dass Pro Senectute Schulungen über Medienkompetenz anbietet. 

«LÄSSER» läuft Montag, 31. Mai, 20 Uhr auf blue Zoom.