«Wir erhielten einen Anruf»US-Kinobetreiber veräppelt «Melania» – prompt beklagt sich Amazon
Julian Weinberger
5.2.2026
Am vergangenen Freitag feierte die Kino-Dokumentation über Melania Trump ihr Debüt.
Bild: Keystone/AP Photo/Jose Luis Magana
Dieser Witz schlug hohe Wellen: Ein US-Kinobetreiber mokierte sich auf einer Reklame über «Melania». Daraufhin zog Amazon Konsequenzen. Einschüchtern lässt sich der Kinobetreiber davon nicht.
Humor scheint in Amazons Führungsriege nicht weit verbreitet: Der harmlose Witz eines US-Kinobetreibers über den Film «Melania» animierte das Unternehmen zu einer Beschwerde.
In der Folge entzog Amazon dem Kino in Lake Oswego noch am Startwochenende die Aufführungssrechte an dem Film.
Kinobetreiber Jordan Perry nahm es mit Humor: Er hatte bis dato ohnehin erst 196 Dollar mit «Melania» verdient.
40 Millionen US-Dollar für die Rechte und zusätzliche 35 Millionen US-Dollar für die Marketingkampagne: Amazon liess sich die Kino-Dokumentation «Melania» einiges kosten.
International wurde die Produktion in den Kinosälen abgestraft, in heimischen Gefilden startete sie dagegen durchaus beachtlich: Am Startwochenende spielte Melania in den USA und Kanada sieben Millionen Dollar ein. Besser startete ein Dokumentarfilm zuletzt vor 14 Jahren.
Beinahe nichts zu diesem Wert hat das «Lake Theater and Cafe» in Lake Oswego beigetragen. Trotzdem schaffte es das Kino nun in die Schlagzeilen – und auf die rote Liste von Amazon.
Als «Melania» angelaufen war, warb das Kino mit einer durchaus provokanten Reklame für den Film. «Um deinen Feind zu besiegen, musst du ihn kennen. ‹Melania› startet am Freitag», war darauf zu lesen.
Filmfans protestierten gegen Kino, weil es «Melania» zeigte
Bei Amazon fand man derlei Witze auf Kosten des neuen Prestigeprojekts weniger lustig. «Wir erhielten einen Anruf, dass die höheren Stellen (bei Amazon) verärgert darüber waren, wie unser Plakat ihren Film bewarb», verriet das Kino am Montag bei Instagram. Als Konsequenz für den frechen Spruch entzog Amazon dem Kino die Aufführungsrechte noch am Startwochenende.
Kinobetreiber Jordan Perry hatte damit kein Problem, wie «Oregon Live» berichtet. Schon ehe die Beschwerde von Amazon eintrudelte, habe der Film nur sehr wenig Anklang bei seinen Besucher*innen gefunden. Mehr noch: Das Kino informierte via Instagram, es habe unzählige «E-Mails, Voicemails und Google/Yelp-Bewertungen» erhalten. Viele davon zeigten Unverständnis dafür, dass Melania im Kino der 40'000-Einwohner-Stadt überhaupt gezeigt werde.
Nachdem der scheinbar harmlose Witz so hohe Wellen geschlagen hatte, versuchte sich Perry auf der Website des Kinos um eine Erklärung. «Finanziell gesehen war der Filmmarkt in dieser und der nächsten Woche eine Wüste», beschrieb er seine Intention, «Melania» eine Chance zu geben. Filmalternativen seien rar gewesen und seine eigene Neugierde auf «dieses unerklärliche Eitelkeitswerk der Frau des derzeitigen Präsidenten» sei gross gewesen.
«Melania» spielt nur 196 Dollar ein
Mit diesem Interesse stand Perry jedoch grösstenteils alleine da – zumindest im «Lake Theater and Cafe».
«Wir haben diese Woche insgesamt 196 Dollar an den Jeff Bezos Trust Fund gespendet (weit mehr an den Hamnet Trust Fund, danke, Hamnet-Liebhaber)», witzelte Perry über die schlechten Ticketerlöse in seinem Kino. «Jeff Bezos wird die 196 Dollar nicht bemerken.» Des Weiteren vermutete der Kinomanager, er stehe nun womöglich «auf der schwarzen Liste von Amazon».
Gleichermassen schien es Perry wichtig sein zu betonen, dass er sein Kinoprogramm nicht unter politischen Gesichtspunkten plane. «Ich halte Melania nicht für den Feind, ich halte sie nicht für den Teufel», schrieb er in seiner Erklärung. Auch wolle er Donald Trump keine Schuld an der nationalen Spaltung geben, wenngleich Perry meinte: «Ich glaube, dass Trump sie ausnutzt.»
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