Hazel BruggerWarum spricht die «böseste Frau der Schweiz» ständig über ihre Kinder?
Bruno Bötschi
6.11.2025
Wieso spricht Hazel Brugger auf der Bühne ständig von Ihren Kindern?
Komikerin Hazel Brugger und ihr Mann Thomas Spitzer geben auf der Bühne und in Podcasts oft Erlebnisse von und mit ihren Töchtern zum Besten. Aber: Wo liegen die Grenzen des Geschmacks? Und wie oft soll der Nachwuchs bei Promi-Eltern Thema sein?
05.11.2025
Hazel Brugger gibt auf der Bühne und in Podcasts oft Erlebnisse von und mit ihren Kindern zum Besten. Aber: Wo liegen die Grenzen des Geschmacks? Und wie oft soll der Nachwuchs bei Promi-Eltern Thema sein?
«Wir warten am Flughafen am Gepäckband, derweil unsere Tochter mit einer älteren Frau spricht. Irgendwann fragt die Frau: ‹Woher kommt ihr?› Tochter: ‹Wir waren in Stockholm.› Frau: ‹Was habt ihr dort gemacht?› Tochter: ‹Meine Mutter Hazel Brugger hatte einen Auftritt und danach waren wir bei Björn von Abba.›»
Thomas Spitzer gab diese Familiengeschichte kürzlich im «Kaufleuten» in Zürich zum Besten, während er mit seiner Frau Hazel Brugger und Kabarettist und Schauspieler Josef Hader vor Publikum eine Live-Folge des Podcasts «Hazel Thomas Hörerlebnis» aufnahm.
Gib es zu, ein bisschen geschmunzelt hast du wegen der Gepäckband-Tochter-Abba-Geschichte. Nein? Wirklich Nicht?
Hast du die Geschichte bereits gekannt? Oder findest du den Einblick ins Leben von Familie Brugger-Spitzer, abgesehen davon, dass er nicht besonders originell ist, plump, langweilig und vielleicht sogar übergriffig?
Ich bin Fan von Hazel Brugger
Seit Komikerin Hazel Brugger Mutter geworden ist, spricht sie auf der Bühne und in ihren Podcasts regelmässig von und über ihre zwei Töchter.
Oft gibt das Ehepaar Brugger und Spitzer auch gemeinsam zum Besten, was (mit) dem Nachwuchs wieder alles Lustiges und Verrücktes passiert ist – oder wie er sie oder ihren Mann mehr oder weniger genervt hat.
Ich bin Fan von Hazel Brugger und halte viel von ihr.
Aber seit die 31-Jährige ständig Geschichten von ihren Kindern in Podcasts, Instagram-Videos und auf der Bühne zum Besten gibt, habe ich angefangen zu zweifeln.
Hazel Brugger und Thomas Spitzer geben regelmässig gemeinsam in Podcasts und auf der Bühne zum Besten, was (mit) dem Nachwuchs wieder alles Lustiges und Verrücktes passiert ist.
Bild:Getty Images
Nein, nicht am Humor von Brugger im Allgemeinen, sondern was ich davon halten soll, dass die aktuell erfolgreichste Schweizer Komikerin öffentlich Familieninterna zum Besten gibt.
Momoll, manche Anekdoten sind ganz lustig. Aber das ständige Breitschlagen auf der Bühne und in Podcasts finde ich peinlich. Ich jedenfalls hätte nicht gewollt, dass meine Eltern Reminiszenzen meiner Kindheit ständig in aller Öffentlichkeit weitererzählen.
Natürlich kann ich im Privaten Humor-Grenzen ausloten, spontan sein und es lustig haben. Wie weit dabei ein Mensch gehen will und was nicht funktioniert, hängt jedoch von der Zusammensetzung der Gruppe und vom gegenseitigen Vertrauen ab.
Ein Komiker als snobistischer Upperclass-Rüpel?
Hast du dir einmal überlegt, was Thomas Spitzer dem Publikum im «Kaufleuten» mit seiner Tochter-Story vom Gepäckband genau sagen will?
Dass berühmte Eltern ihren Kindern alles ermöglichen können? Spielt da ein Komiker snobistischen Upperclass-Rüpel? Oder feiert da ein Promi-Paar seinen eigenen Lifestyle auf der Bühne, um danach im Saal am lautesten darüber zu lachen. Daran wäre nichts auszusetzen, wenn es nicht auf Kosten der Kinder gehen würde, die noch klein sind und sich deshalb nicht äussern können.
Beim öffentlichen Humor halte ich mich gerne an den deutschen Schriftsteller Kurt Tucholsky: Satire darf alles. Aber ganz wichtig: Satire sollte vor allem gegen die oberen Zehntausend gehen – und nicht auf Kosten der eigenen Kinder.
Vor zwei Jahren sagte Hazel Brugger im Interview mit «Watson»: «Meine Tochter und ich haben einen Gag, bei dem ich Panflöten-Musik laufen lasse und dann so tue, als spiele ich auf ihren Zehen Panflöte.»
Und weiter: «Ich könnte das den ganzen Tag machen, aber es kommt immer der Punkt, an dem meine Tochter keine Lust mehr hat. Ich hätte vorher nie gedacht, dass ich so viel Spass an etwas so simplem haben könnte.»
Genau darum geht es: Wann hört das Ehepaar Brugger-Spitzer damit auf, auf der Bühne Geschichten über ihre Töchter zu erzählen? Vielleicht, wenn die Kinder in der Schule zum ersten Mal gehänselt werden?
Die öffentliche Darstellung des eigenen Nachwuchses
Studien zu den Erfahrungen, die Kinder von berühmten Eltern durchmachen, gibt es kaum – auch deshalb, weil es nicht einfach ist, Zugang zu den Kindern zu kriegen.
Die deutsche Moderatorin Toyah Diebel startete vor sechs Jahren die Kampagne #DeinKindAuchNicht, um Eltern – nicht nur berühmte – darauf hinzuweisen, verantwortungsvoll mit der öffentlichen Darstellung (manche sagen auch Zurschaustellung) des eigenen Nachwuchses umzugehen.
Das Ziel der Aktion ist zudem, die Persönlichkeitsrechte der Kinder zu schützen, wenn sie sich noch nicht wehren können.
«Ich glaube schon, dass ich zurzeit zu wenig Zeit mit meiner Familie verbringe»: Hazel Brugger.
Bild:IMAGO/Gonzales Photo
Ob im Bikini, unter der Dusche oder im Kinderzimmer: Das sind Bilder von Kindern, die uns tagtäglich auf unseren Social-Media-Kanälen begegnen. Doch würden ihre Eltern sich selbst auch so im Netz zeigen?
Brugger und ihr krasser Humor
Hazel Brugger ist bekannt für ihren krassen Humor. Nicht umsonst wurde sie deshalb im Jahr 2014 vom «Tages-Anzeiger» zur «böseste Frau der Schweiz» erkoren.
Die Komikerin surft aktuell auf einer Erfolgswelle: Dieser Tage wurde bekannt, dass Brugger für ihre intelligenten und gesellschaftskritischen Auftritte den «Bambi» in der Kategorie «Comedy» bekommt.
Vergangene Woche wurde die in San Diego, USA, geborene und in Dielsdorf ZH aufgewachsene Komikerin für ihre Co-Moderation am Eurovision Song Contest in Basel mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet.
Was auffällt: Seit Brugger in Deutschland lebt und Mutter geworden ist, spricht sie immer öfter und offener über ihr Familienleben. Manche behaupten sogar: Es wurde zum Geschäftsmodell.
2019 war das noch anders. In einem Interview für blue News äusserte sich Brugger zurückhaltend zu ihrem Privatleben:
Mit Ihrem Slam-Poetry-Kollegen Thomas Spitzer haben Sie YouTube-Beiträge realisiert. Finden Sie ihn auch privat spitze?
Antwort Brugger: Man muss sich gut verstehen, um so ein irres Projekt zu machen.
Brugger: «Verbringe zu wenig Zeit mit meiner Familie»
Die Komikerin offenbart im Laufe des fast zweistündigen Gesprächs, wie schwierig es für sie sei, Karriere und Familie zu vereinbaren.
Seit ihrer Moderation des Eurovision Song Contests im Mai 2025 gehört Brugger endgültig zur ersten Liga der deutschsprachigen Comedyszene. Doch dieser Erfolg hat eben auch seinen Preis. «Ich glaube schon, dass ich zurzeit zu wenig Zeit mit meiner Familie verbringe», sagt Brugger zu Gysi.
Und weiter: «Beziehungsweise ist die Zeit, die ich mit ihnen verbringe, sehr bulimisch. Es gibt Wochen, da bin ich ganz zu Hause, und dann wieder Wochen, in denen ich gar nicht da bin.»
Die fehlende Zeit war mit ein Grund, warum sich Hazel Brugger 2022 eine längere Auszeit nahm. Es ging ihr damals nicht gut. Die gesunde Balance zwischen Arbeit und Privatleben fehlte.
Von der bösesten zur biedersten Schweizerin
Und was geht heute?
«Seit einiger Zeit mutiert die böseste zur biedersten Schweizerin. In ihren Bühnenshows, auf den sozialen Kanälen und in den Podcasts mit ihrem Ehemann ... zelebriert sie seit Jahren obsessiv das Ehe- und Familienglück», schrieb Silvia Süess im vergangenen August in der WOZ.
Und weiter: «War das zu Beginn noch witzig, wirkt diese Möchtegern-Familiencomedy mittlerweile nur noch bemüht und eintönig.»
Die WOZ hat recht. Leider.
Jetzt fragt sich manch eine*r sorgenvoll: Was kommt als Nächstes? Und kennt Hazel Brugger wirklich keine anderen Themen mehr, die sie satirisch verarbeiten könnte, als ihre beiden kleinen Töchter?
Ich werde das demnächst erfahren, wenn ich am Samstag, 13. Dezember, im Kongresshaus Zürich sitzen werde und die Komikerin ein weiteres Mal live erleben darf.
Ich sagte ja bereits: Ich bin Fan von ihr.
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