Fatshaming-Vorwurf vom Tisch Was hinter den schweren Anschuldigungen gegen Lizzo steckt

Noemi Hüsser

19.12.2025

Lange galt Lizzo als Stimme gegen Mobbing und für Selbstakzeptanz – aktuelle Anschuldigungen stellen dieses Image infrage.
Lange galt Lizzo als Stimme gegen Mobbing und für Selbstakzeptanz – aktuelle Anschuldigungen stellen dieses Image infrage.
Keystone

Die Klage einer Gruppe ehemaliger Tänzerinnen hat das Image von Lizzo als Verfechterin von Body Positivity erschüttert. Nun spricht die Künstlerin erstmals wieder öffentlich – und feiert einen juristischen Etappensieg.

Noemi Hüsser

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Lizzo feiert einen rechtlichen Teilerfolg, nachdem Fatshaming-Vorwürfe gegen sie vor Gericht abgewiesen wurden und die Klägerinnen ihre Berufung zurückgezogen haben.
  • Weitere schwere Vorwürfe, darunter sexuelle Belästigung und ein feindseliges Arbeitsumfeld, bleiben bestehen und sind weiterhin Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen.
  • Neben ehemaligen Tänzerinnen hat auch eine Stylistin Klage eingereicht.

Nach einem Jahr weitgehender Stille hat sich die Musikerin und vierfache Grammy-Gewinnerin Lizzo erstmals wieder zu der Klage gegen sie geäussert. In einem Video, das sie in den sozialen Medien veröffentlichte, feierte sie einen für sie bedeutenden Teilerfolg.

Die Klage gegen Lizzo, die mit bürgerlichem Namen Melissa Viviane Jefferson heisst, sowie gegen ihre Produktionsfirma Big Grrrl Big Touring war im August 2023 eingereicht worden. Darin werfen die Tänzerinnen Lizzo unter anderem Fatshaming, sexuelle Belästigung und die Schaffung eines «feindseligen Arbeitsumfelds» vor.

Nachdem die Vorwürfe öffentlich geworden waren, hatte Lizzo die Anschuldigungen in den sozialen Medien vehement zurückgewiesen. Sie sei «nicht die Bösewichtin», schrieb sie damals, die Vorwürfe seien «unglaublich».

Die Anschuldigungen stehen in deutlichem Widerspruch zu Lizzos öffentlichem Image. Lizzo hatte sich über Jahre als Künstlerin positioniert, die für Body Positivity und gegen Mobbing eintritt.

Klägerinnen zogen Berufung zurück

Ein Richter entschied bereits 2024, dass die Fatshaming-Vorwürfe nicht weiterverfolgt werden können. Er begründete dies damit, dass die Klägerinnen nicht ausreichend darlegen konnten, dass das Gewicht der tatsächliche Grund für die Entlassung war. Stattdessen hielt der Richter die von Lizzos Team dargelegten Beweise für schlüssig, wonach die Kündigung aufgrund einer unerlaubten Aufnahme eines privaten Treffens erfolgte. Die Klägerinnen legten zunächst Berufung gegen die Abweisung ein, zogen diese jedoch später zurück.

Auf Instagram feierte Lizzo diesen Entscheid nun als Sieg und bezeichnete die Anschuldigungen erneut als erfunden. Sie werde die Vorwürfe weiterhin bekämpfen, «bis die Wahrheit ans Licht kommt», heisst es im Video weiter.

Für Lizzo bleibt es jedoch bei einem begrenzten Erfolg. Es stehen immer noch schwerwiegende Vorwürfe im Raum. So behaupten die Tänzerinnen unter anderem, sie hätten zwischen 2021 und 2023 «sexuell erniedrigendes Verhalten erdulden müssen». Bei einem Clubbesuch im Rotlichtviertel von Amsterdam seien sie gedrängt worden, nackte Sexarbeiter*innen zu berühren.

Weitere Anschuldigungen richten sich gegen die Leiterin von Lizzos Tanzteam. Diese habe versucht, die religiösen Überzeugungen der Tänzerinnen zu beeinflussen, offen explizite sexuelle Fantasien geteilt und gleichzeitig Personen verspottet, die vorehelichen Sex hatten. Zudem soll Lizzos Team eine Tänzerin in einem Hotelzimmer festgehalten haben, um ihr Telefon zu durchsuchen.

Kreativer Prozess oder Belästigung?

Die Anwälte der Musikerin legten laut dem Branchenmagazin «Billboard» Berufung gegen die Zulassung dieser Anklagepunkte ein. Sie argumentieren, die Ausflüge in die Clubs seien Teil des kreativen Prozesses der Künstlerin gewesen.

Die Gegenseite hält diese Argumentation für unhaltbar. In einer Stellungnahme, aus der «Billboard» zitiert, ziehen die Anwälte der Tänzerinnen einen Vergleich zu Johnny Cash: «Nach diesem Massstab könnte Johnny Cash ‹einen Mann in Reno erschiessen, nur um ihn sterben zu sehen› und Schutz beanspruchen, wenn er hoffte, dass dies seine Performance inspirieren würde.» Die Aussage bezieht sich auf Cashs Song «Folsom Prison Blues» von 1955, in dem er die Zeile «But I shot a man in Reno, just to watch him die» singt.

Unabhängig davon reichte auch eine Stylistin 2023 Klage gegen Lizzo ein und sprach von einer «Kultur des Rassismus und Mobbings» während Lizzos Tour. Ein Richter entschied im vergangenen Jahr, dass Lizzo in diesem Fall nicht persönlich belangt werden könne. Die Klage gegen ihre Firma Big Grrrl Big Touring ist jedoch weiterhin hängig.

Anfang Dezember veröffentlichte Lizzo zudem einen Essay über das Gefühl, «gecancelt» worden zu sein. Darin kritisiert sie eine aus ihrer Sicht überempfindliche Öffentlichkeit, geht jedoch nicht konkret auf die laufenden Klagen ein.


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