Als Dragqueen ist Olivia Jones weit über St. Pauli in Hamburg hinaus berühmt. Der ZDF-Film «Olivia» erzählt nun ihre bewegende Lebensgeschichte.
In «Olivia» schlüpft Johannes Hegemann in die Rolle von Oliver Knöbel, dem bürgerlichen Ich von Olivia Jones.
Evelin Knöbel, im Film gespielt von Annette Frier, kann es nicht fassen, als sie eines Abends ihren Sohn Oliver als Olivia Jones im Fernsehen sieht.
Nach harten, entbehrungsreichen Jahren auf der Reeperbahn in Hamburg hat Oliver Knöbel als Olivia Jones (Johannes Hegemann) endlich den Durchbruch geschafft.
Wie aus dem kleinen Oliver der Star Olivia Jones wurde
Als Dragqueen ist Olivia Jones weit über St. Pauli in Hamburg hinaus berühmt. Der ZDF-Film «Olivia» erzählt nun ihre bewegende Lebensgeschichte.
In «Olivia» schlüpft Johannes Hegemann in die Rolle von Oliver Knöbel, dem bürgerlichen Ich von Olivia Jones.
Evelin Knöbel, im Film gespielt von Annette Frier, kann es nicht fassen, als sie eines Abends ihren Sohn Oliver als Olivia Jones im Fernsehen sieht.
Nach harten, entbehrungsreichen Jahren auf der Reeperbahn in Hamburg hat Oliver Knöbel als Olivia Jones (Johannes Hegemann) endlich den Durchbruch geschafft.
«Olivia» erzählt die Lebensgeschichte von Dragqueen Olivia Jones. Der ZDF-Film mit Johannes Hegemann in der Hauptrolle und Annette Frier als seine Mutter Evelin ist toll inszeniert und erschreckend aktuell.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Sie ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Promiwelt: Olivia Jones ist mit ihren kunterbunten Kostümen seit Jahrzehnten weit über die Grenzen des Hamburger Party-Kiez' St. Pauli hinaus bekannt.
- Während sich die Dragqueen heute unermüdlich für Vielfalt und Toleranz einsetzt, war ihr bürgerliches Ich, der junge Oliver Knöbel, einst selbst Opfer von üblen Anfeindungen und Gewalt.
- Von beiden Welten, die so unterschiedlich erscheinen, erzählt nun der autobiografische Film «Olivia» von Till Endemann, den das ZDF am Mittwoch, 13. Mai, um 20.15 Uhr, im TV zeigt – und seit dieser Woche bereits in der Mediathek abrufbar ist.
Die Geschichte beginnt 1982 in Springe, einer Kleinstadt mit rund 30'000 Einwohnern in der Region Hannover.
Hier lebt der kleine Oliver (als Kind grandios verkörpert von Arian Wegener, der bereits 2022 als Transmädchen im ARD Degeto Film «Einfach Nina» überzeugte) mit seiner alleinerziehenden Mutter Evelin (ebenfalls sehr stark: Annette Frier).
Der Vater, so erfährt das Publikum alsbald vom Nachbarn (Martin Brambach), sitzt in Brasilien im Gefängnis:
«Ist halt auch keine gute Idee, die eigene Bank auszurauben», erklärt der Spiesser ungefragt und empfiehlt ihr wenig später, ebenso eigenmächtig, «mal einen Blick» auf Oliver zu werfen. Denn der interessiert sich brennend für Muttis Kleiderschrank.
In einer wundervoll langsam inszenierten Szene sieht man, wie sich der kleine Junge ehrfurchtsvoll die Seidenstrümpfe überstreift, in ein Kleid schlüpft, Schmuck anlegt und Lippenstift aufträgt, nur um Sekunden später alles panisch vor seiner besorgt-erzürnten Mutter unter einem Kopfkissen zu verstecken.
Mutter Evelin: «Travestie ist kein Beruf»
«Was soll nur aus dir werden?», diese Frage stellt Evelin auch Jahre später ihrem inzwischen erwachsenen Sohn (gespielt von Johannes Hegemann):
«Aus mir muss nichts mehr werden. Ich bin schon was», antwortet dieser deutlich selbstbewusster: «Ich bin Travestiekünstler.» Doch «Travestie ist kein Beruf», meint die Mutter.
Wie falsch sie damit liegt, zeigt ein Sprung ins Jahr 2016: Bei einem ihrer Auftritte auf St. Pauli entdeckt Olivia Jones im Publikum plötzlich Thorsten Trapp (Jeremy Mockridge), ihre «erste Liebe», wie sie ihrem langjährigen Freund und Geschäftspartner Marius Körbel (Daniel Zillmann) erklärt.
Die Begegnung mit Thorsten erinnert Olivia an ein weiteres leidgeprägtes Kapitel ihrer Jugend.
So schlägt sich Hauptdarsteller Johannes Hegemann
Der 1996 geborene Hauptdarsteller Johannes Hegemann war bislang vor allem auf der Bühne zu sehen: Seit der Spielzeit 2020/21 ist der gebürtige Jenaer festes Ensemblemitglied am renommierten Hamburger Thalia Theater.
Im Kino sah man ihn unter anderem 2024 in einer Hauptrolle der preisgekrönten Filmbiografie «In Liebe, Eure Hilde». Als Olivia Jones beziehungsweise Oliver überzeugt er nun auf ganzer Linie.
Nicht nur verkörpert er die schillernde Dragqueen glaubwürdig, in seiner Mimik sind auch immer wieder Züge des kleinen, sensiblen Jungen zu entdecken, der er einmal war.
Das Kostüm war es auch, das dem Darsteller neben einem Austausch mit seinem realen Vorbild, am meisten bei der Einfindung in diese doch recht ungewöhnliche Rolle half:
«Als ich ein paar Tage vor dem Dreh das erste Mal komplett im Drag war, habe ich eine unglaubliche Power und Erhabenheit gespürt», erinnert sich Hegemann im Senderinterview.
Und weiter: «Ich habe mich anders bewegt, ganz anders gefühlt. Habe wahrgenommen, was für eine starke Wirkung ich plötzlich auf andere Menschen hatte. Der ganze Schminkprozess hat jedes mal gute anderthalb Stunden gedauert. Dabei lief immer fantastische Musik. Und danach war ich drin.»
Erschreckend aktuelles Thema
Der Gegensatz zwischen dem offenen und bunten Hamburger Kiez der Gegenwart, wo sogar der Pastor (Matthias Bundschuh) aus der benachbarten Kirche mit der Drag Queen feiert und der spiessigen Heimat von Oliver aus den 1970-ern könnte nicht krasser sein.
Es ist dieser Kontrast, der weite Teile des Films bestimmt. Gleichzeitig ist «Olivia» allerdings auch ein Sittengemälde der BRD in den 1970er- und 1980er-Jahren: Zum Soundtrack von Stars wie Nina Hagen und T. Rex erzählt der Film nicht nur von Olivers Kampf um Anerkennung und den Beginn seiner Karriere, sondern auch von gesellschaftlichen Themen wie der großen Angst vor Aids.
Erschreckend aktuell sind die Anfeindungen von rechts, die Oliver beziehungsweise Olivia im Film ertragen muss. Die Gesellschaft, so betont die echte Olivia Jones im Interview zum Film, habe sich zwar verändert:
«Auf der anderen Seite gibt es derzeit wieder einen Rechtsruck, was dazu führt, dass die Rechte von queeren Menschen auch wieder infrage gestellt werden. Das macht mir grosse Sorgen, weil mich das doch sehr an meine eigene Jugend erinnert.»
Und so ist «Olivia» letztlich ein sehr wichtiger Film, der inspiriert, für sich selbst einzustehen, der gleichzeitig aber auch nachdenklich und traurig macht, angesichts der früheren und heutigen Vorurteile gegenüber die LGBTQAI+-Gesellschaft.
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