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«Heldin»-Star Leonie Benesch

Für ihre neue Action-Serie trainierte sie mit Ex-Marines

«Gute Action ist eine Kunstform für sich»: Leonie Benesch über ihre Rolle im sechsteiligen Thriller «Prisoner – Auf der Flucht».

«Gute Action ist eine Kunstform für sich»: Leonie Benesch über ihre Rolle im sechsteiligen Thriller «Prisoner – Auf der Flucht».

Sky UK

Für ihre erste Actionrolle trainierte Leonie Benesch mit Ex-Marines und verbrachte Stunden auf Schiessständen. Im Interview verrät die Schauspielerin aber auch, weshalb Hollywood für sie an Reiz verloren hat und warum die spannendsten Filmprojekte heute in Europa entstehen.

Author

Teleschau

28.06.2026, 16:39

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Darum geht’s

  • «Das Lehrerzimmer», «Heldin» und «September 5» sind drei Filme, die in den letzten Jahren internationale Preise en masse ergatterten – bis hin zu Oscar-Nominierungen.
  • In allen drei Filmen spielte die Hamburgerin Leonie Benesch tragende Rollen.
  • Im sechsteiligen Thriller «Prisoner – Auf der Flucht», ab sofort in der ARD-Mediathek zu sehen ist, verkörpert Benesch nun eine Menschenjägerin, die wenig spricht, aber dafür umso bedrohlicher wirkt.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Leonie Benesch, man kennt Sie aus gefeierten Arthouse-Filmen wie «Das Lehrerzimmer» oder «Heldin». Der sechsteiligen Thriller «Prisoner – Auf der Flucht» ist nun ganz klar Action. Wollen Sie Ihr Image verändern?

Ich hatte schon Lust, mal etwas sehr Physisches zu machen. Auch darauf, eine Rolle zu spielen, die sehr klar ist. Ich spiele eine Menschenjägerin, die nicht viel spricht. Der Regisseur Otto Bathurst meinte, der Schlüssel zu dieser Figur sei die Art, wie sich diese Frau bewegt, wie sie rennt und wie sie die Magazine ihrer Schusswaffen wechselt.

Was genau macht Ihnen Spass an einer so körperlichen Rolle?

Ich bin nicht unsportlich, aber faul. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich jeden zweiten Tag ins Gym gegangen bin, um rennen zu gehen. Überzeugende Sprints sind wesentlicher Teil der Rolle. Ausserdem habe ich viel Zeit auf Schiessständen verbracht, um mir von einem Ex-Marine den Umgang mit Pistolen und Maschinengewehren beibringen zu lassen. Die Kombination dieser Trainings lautet natürlich: Wie rennt man mit einem Maschinengewehr?

Ist gute Action zu inszenieren ähnlich schwer, wie ein gutes Drama auf die Beine zu stellen?

Ja. Gute Action ist eine Kunstform für sich. Auch für uns Schauspielende, da geht es nicht nur um Effekte und Inszenierung. Meine Benchmark ist Charlize Theron in «Atomic Blonde», einer meiner Lieblings-Actionfilme und vor allem Lieblings-Schauspielerinnen-Leistungen innerhalb dieses Genres. Action ist Choreografie, und sehr gute Action, das ist Choreografie zum Niederknien. Theron macht in diesem Film alles selbst – und natürlich ist so etwas Kunst. Es ist die Kunst der Bewegung.

Im sechsteiligen Thriller «Prisoner – Auf der Flucht» verkörpert Leonie Benesch eine Jägerin, die wenig spricht, aber dafür umso bedrohlicher wirkt.

Im sechsteiligen Thriller «Prisoner – Auf der Flucht» verkörpert Leonie Benesch eine Jägerin, die wenig spricht, aber dafür umso bedrohlicher wirkt.

Getty Images Europe

Man sagt, in keinem Filmgenre ist der Unterschied zwischen dem, was man dreht, und dem, was am Ende zu sehen ist, so gross bei Massen-Action-Szenen. Die entstehen doch eigentlich erst im Schnitt, oder?

Grundsätzlich stimmt das, wobei wir bei «Prisoner» das Ziel hatten, die Action so zu inszenieren, wie sie auch in der fertigen Serie stattfindet. Da gibt es zum Beispiel eine grosse Szene in Folge eins, die in einem Autotunnel stattfindet. Dafür wurde eine Durchfahrtsröhre in Cardiff für vier Nächte gesperrt, damit wir dort ein grosses Gefecht inszenieren konnten. Eine Szene, in der meine Männer und ich mit Maschinengewehren eine Auto-Konvoi angreifen. Otto war es sehr wichtig, dass wir dabei auch wirklich schiessen, natürlich mit Platzpatronen. Es war ohrenbetäubend laut, obwohl wir Gehörschutz trugen. Nach diesen Nachtdrehs lag ich morgens mit klingelnden Ohren im Bett und konnte vor lauter Adrenalin kaum schlafen. Ich finde, man sieht es im fertigen Film meist schon, wie viel Realismus man in das Inszenieren von Action- und Kampfszenen gesteckt hat.

Hatten Sie als Kind Action-Helden?

Nein, ich bin eher fern von Kino, Fernsehen und Filmkultur aufgewachsen. Deshalb kannte ich damals auch nur ganz wenig. Ich erinnere mich daran, wie ich in meinen Teens «Kill Bill» entdeckt habe. Das fand ich schon supercool damals. Ansonsten war meine Action-Heldin der Kindheit natürlich Pippi Langstrumpf - und auch ein bisschen Ronja Räubertochter.

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Sie haben eine berühmte Schauspielschule in London besucht und sprechen akzentfreies Englisch. Wie bekannt sind Sie in Ihrer ehemaligen Heimat? Oder leben Sie gar noch in London?

Nein, ich lebe mittlerweile voll in Berlin, habe aber natürlich noch viele Freunde in London. Deshalb war «Prisoner» auch privat eine reizvolle Geschichte für mich. Wir haben in Cardiff gedreht. Von dort aus ist man mit dem Zug recht schnell in London. Ich konnte zwischendurch hinfahren und Freunde treffen, wenn mal ein paar Tage frei waren. Und was meine Bekanntheit im Ausland betrifft: Arthouse-Kenner haben mich wegen der auch international beachteten Filme wie «September 5», «Heldin» oder «Das Lehrerzimmer» auf dem Schirm. Doch wenn Sky UK eine grosse Action-Serie inszeniert, spielen diese Filme keine Rolle. Ich musste ganz normal zum Casting gehen, um die Rolle zu bekommen.

Sie haben den Film «September 5» über das Münchener Olympia-Attentat angesprochen. Er hat weltweit viele Preise eingeheimst und sogar eine Oscar-Nominierung erhalten. Hat Hollywood schon angerufen?

Ich habe amerikanische Agentinnen, und die machen sehr gute Arbeit. Ich hätte auch Lust, in Amerika zu arbeiten, aber die Filmbranche steckt durchaus in der Krise. Es ist überall schwierig geworden. Auf der ganzen Welt wird weniger gedreht. Das bedeutet, dass es auch einen Verdrängungs-Wettbewerb unter Schauspielenden gibt. Rollen, die ich vor fünf oder zehn Jahren bekommen hätte, wenn ich damals am jetzigen Punkt meiner Karriere gewesen wäre, werden jetzt einfach mit A-List-Schauspielenden besetzt, also den ganz grossen Namen in der Branche. Wenn insgesamt weniger gedreht wird, setzt man bei den verbliebenen Projekten gerne auf etablierte Stars, weil ihr Name zieht. Das ist vor allem in den USA ein gängiges Prinzip. Es ist also viel schwerer heute, in diesen Markt hineinzukommen.

Wie sehen Ihre Kolleg*innen in den USA überhaupt die Situation im Land?

Ich war in den letzten Jahren aufgrund von «September 5», «Heldin» und «Das Lehrerzimmer» öfter in den USA, um dort für die Filme zu werben oder wegen der Festivals, wo sie liefen. Die meisten Filmschaffenden in den USA sind eher neidisch, dass ich einen europäischen Pass habe und überall hier arbeiten kann. Viele der interessantesten Projekte im Film entstehen gegenwärtig in Europa. Natürlich gibt es auch tolle Projekte in den USA – aber viel weniger als früher. Und was Arthouse betrifft: Da ist Europa längst viel interessanter als die USA.

«Ich hätte auch Lust, in Amerika zu arbeiten, aber die Filmbranche steckt durchaus in der Krise»: Leonie Benesch im Film «Das Lehrerzimmer».

«Ich hätte auch Lust, in Amerika zu arbeiten, aber die Filmbranche steckt durchaus in der Krise»: Leonie Benesch im Film «Das Lehrerzimmer».

ZDF

Gefühlt gibt es jedes Jahr einen neuen Streaming-Dienst am Markt. Menschen, die nichts mit der Filmbranche zu tun haben, würden wohl glauben: Da muss doch viel gedreht werden, um für alle diese Anbieter Content zu schaffen?

Alle Anbieter schauen knallhart auf Wirtschaftlichkeit. Das Versprechen, das vor fünf oder sechs Jahren noch lautete: «Local means global», ist nicht aufgegangen. Man dachte ja, dass alle Streamer in die lokalen Märkte einsteigen, um dort eigene Serien oder Filme zu produzieren. Mittlerweile haben sich viele Produzenten wie Disney oder Sky schon wieder aus Deutschland zurückgezogen und produzieren dort keinen eigenen lokalen Content mehr. Auch die öffentlichen Förderbeiträge sind seit 35 Jahren nicht mehr erhöht worden. Man bekommt als Produzent oder Produzentin also inflationsbereinigt viel weniger Förderung als früher.

Also befindet sich Ihre Branche in der Krise?

Ich glaube, die gesamte Kultur befindet sich in der Krise. Man muss sich nur die Kürzungen anschauen. Überall wird gekürzt. Wenn das Geld insgesamt nicht so locker sitzt, gehört die Kunst fast überall auf der Welt zu jenen Posten, wo man sagt: Ach, brauchen wir das denn so dringend? Lass doch erst mal da kürzen, denn das ist doch nicht überlebensnotwendig. Ich sehe das naturgemäß etwas anders, aber ich glaube: Wir alle brauchen Kultur, auch um die Basics unseres Lebens gesund, motiviert und vor allem inspiriert bestreiten zu können.

Ihre Karriere hat sich über die letzten Jahre rasant entwickelt. Was tun Sie eigentlich, wenn Sie nicht gerade drehen?

Das ist eine gute Frage, denn ich habe in den letzten Monaten tatsächlich so viel gedreht, dass ich kaum Zeit für ein strukturiertes Privatleben hatte. Nun bin ich erst mal wieder für eine gewisse Zeit in Berlin, habe hier meinen 35. Geburtstag gefeiert und mache erst mal ein paar praktische, ja profane Dinge wie Arzttermine und andere Erledigungen. Ich habe zum Beispiel meine Vespa überholen und mein Fahrrad reparieren lassen. Dann will ich Familie in Hamburg und in Süddeutschland besuchen. Gerade herrscht bei mir grosser Nachholbedarf in Sachen Privatleben. Das geniesse ich gerade – und das fühlt sich auch sehr gut an.


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