Gefährliche Blutsauger: Die gemeinen Tricks der Zecken

Kerstin Degen

1.5.2018

Gefährliche Blutsauger: Zecken lauern beinahe überall und lassen sich auf der Jagd nach ihren Opfern durch nichts und niemanden beirren.
iStock

Schlange, Wolf oder Skorpion? Nein, der Gemeine Holzbock ist das wohl gefährlichste Tier in unseren Breitengraden. Der Name ist Programm; die kleinen Tierchen lauern im Hinterhalt und attackieren ihre Opfer meist unbemerkt.

Rund 50 verschiedene Krankheitserreger kann eine Zecke auf den Menschen übertragen, darunter die bekanntesten Viren wie bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sowie Borrelien, also Borreliose auslösende Bakterien. Es gibt aber noch viele andere.

Während eine Zeckenimpfung vor FSME zuverlässig schützt, gibt es für die Borreliose keine Vorbeugung. Hier hilft nur das Einhalten einiger Verhaltensmassnahmen:

Tragen Sie immer lange Kleidung, festes Schuhwerk und eine Kopfbedeckung, wenn Sie viel im Wald unterwegs sind. Lassen Sie die kleinen Biester nicht durchkommen und ziehen Sie die Socken über die Hose.

Auch Repellents gegen Zecken – auch Repellens, Repulsivstoff oder Vergrämungsmittel genannt – können helfen. Es ist jedoch nicht ratsam, sich allein auf den Schutz eines Sprays zu verlassen.  Denn die Mittel werden durch Schwitzen und feuchte Haut sehr schnell verdünnt oder an der Luft ausgetrocknet.

Weshalb die grosse Gefahr?

Die rasante Verbreitung des Gemeinen Holzbocks und weiteren Zecken-Arten ist ein weiteres Phänomen, das wir den ansteigenden Temperaturen zuschreiben müssen. Der Herbst kommt später, im Frühjahr wird es schneller warm und dazwischen liegen nur einige wenige Tage, an denen das Thermometer unter minus 15 Grad anzeigt.

Doch nur mehrere dieser frostigen Tage in der Folge können dazu führen, die Zeckenpopulation zu verkleinern. Mildere Winter überstehen die Krabbeltierchen problemlos, es gelingt ihnen sogar, sich weiter zu verbreiten. Steigt das Barometer im März dann über sechs bis sieben Grad, kommt Leben in die Zecken.

Zecken haben hierzulande fast ganzjährig Saison, am aktivsten sollen sie aber im Frühjahr, also zwischen April und Juli sein. Von April bis Oktober veröffentlicht das Bundesamt für Gesundheit jeweils in der ersten Woche des Monats einen Lagebericht mit den Fallzahlen der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und den hochgerechneten Arztkonsultationen wegen Zeckenstich und Borreliose.

Ein Blick auf die Karte verdeutlicht den Ernst der Lage: Orange markiert sind Borreliose-Risikogebiete, für die roten Regionen wird eine FSME-Impfung empfohlen, hier zählen wir die meisten FSME-Fälle.
map.geo.admin.ch

Entgegen einiger Mythen lassen sich Zecken nicht von Bäumen fallen, wenn potentielle Wirte darunter durchgehen. Sie bewegen sich gar nicht auf ihre Opfer zu, sondern lassen sich von diesen Abstreifen. 

Deshalb lauert die Gefahr auch nicht ausschliesslich im Wald, sondern eher im Dickicht, in Sträuchern und Büschen, am Flussufer oder im hohen Gras.

Was tun bei einem Zeckenstich?

Bleibt sie unbemerkt, kann eine Zecke manchmal mehrere Tage lang Blut saugen. Untersuchen Sie deshalb nach jedem Aufenthalt in der Natur besonders die dünnhäutigen, gut durchbluteten oder feuchten Körperstellen. Das sind zum Beispiel der Haaransatz, Ohren, Hals, Achselhöhlen, Ellenbeugen, Bauchnabel, Kniekehlen, Hüft- und Genitalbereich. 

Wurden Sie gestochen, sollten Sie den Parasit sofort entfernen. Denn das Risiko einer Ansteckung steigt, je länger die Zecke Blut saugt. FSME-Viren wandern beispielsweise schon direkt während des Stechens in die Wunde. Borreliose-Bakterien gelangen dagegen erst nach etwa 24 Stunden in den Wirtskörper.

Am einfachsten entfernen Sie die Zecke mit einer Zeckenzange, Pinzette oder anderen Zeckenentfernern (zum Beispiel Zeckenkarte). Setzen Sie die Zange direkt an der Haut an und achten Sie darauf, den Körper nicht zu verquetschen. Vermeiden Sie Drehbewegungen und ziehen Sie die Zecke gerade raus. 

Und Hände weg von Hausmittelchen wie Ölen, Desinfektionsmittel oder Klebstoff! Damit stirbt die Zecke zwar, erbricht sich davor aber noch direkt in die Stichstelle und überträgt weitere Erreger.

Meist treten keine Symptome auf nachdem die Zecke entfernt wurde. Wird die Hautstelle jedoch rot, breitet sich diese Rötung ringförmig aus oder treten grippeähnliche Beschwerden auf, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Lassen Sie der Zecke keine Chance

Und ganz wichtig: Töten Sie das Tier sofort! Am besten legen Sie das Insekt dafür auf den Gaze-Teil eines Heftpflasters und klappen sie das Pflaster in der Mitte zusammen. Töten Sie das Insekt durch Drücken mit dem Fingernagel auf das Pflaster bis es knackt.

Entgegen der landläufigen Meinung sterben Zecken übrigens in der Waschmaschine nicht ab. Untersuchen Sie deshalb auch Ihre Kleidung sorgfältig und entfernen Sie die Tierchen vor dem Waschen und machen ihnen den Garaus.

Zecken entsorgen? So funktionierts.

Bayrischer Rundfunk

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