Tatverdächtiger von Frankfurt lebt im Kanton Zürich

SDA / dpa

30.7.2019 - 10:56

Ein Mann stösst einen achtjährigen Buben vor einen einfahrenden ICE in den Tod – und schweigt. Bestätigt ist, dass der Tatverdächtige im Kanton Zürich wohnhaft ist. Er soll heute dem Haftrichter vorgeführt werden.

Nach der tödlichen Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof suchen die Ermittler weiterhin nach dem Motiv des Tatverdächtigen. Der 40-Jährige, der am Montag einen achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE in den Tod gestossen haben soll, wird laut Staatsanwaltschaft Frankfurt heute Dienstag dem Haftrichter vorgeführt. Bislang hat er sich nicht zu dem Fall geäussert, wie eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde sagte. fff

Die Kantonspolizei Zürich bestätigte am Dienstagmorgen, dass der mutmassliche Täter im Kanton Zürich wohnhaft ist und über eine Niederlassungsbewilligung verfügt. «Wir stehen im Austausch mit Bund und den deutschen Behörden», schrieb die Kapo Zürich. Weitere Informationen würden folgen.

Wie die «Bild»-Zeitung berichtete, soll der Mann ein Eritreer sein, seit 2006 in der Schweiz leben und Flüchtlingsstatus haben. Warum der mutmassliche Täter nach Deutschland reiste, ist laut der Staatsanwaltschaft Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Debatte über Sicherheit an Bahnhöfen

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer (CSU) will sich «angesichts mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit» derweil am Dienstag in Berlin mit den Chefs der Sicherheitsbehörden beraten. Die Ergebnisse wird er auf einer Pressekonferenz (15.00 Uhr) vorstellen. Bei dem Treffen soll es nach dpa-Informationen neben der Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof auch um Angriffe und Drohungen gegen Vertreter der Linkspartei gehen, um Bombendrohungen gegen Moscheen sowie den rassistisch motivierten Angriff auf einen Eritreer im hessischen Wächtersbach.

Die Attacke im Frankfurter Hauptbahnhof löste auch eine Debatte über die Sicherheit an deutschen Bahnhöfen aus. Der Innenpolitiker Philipp Amthor (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Nach dieser furchtbaren Straftat braucht es jetzt rasche und spürbare Konsequenzen für den Täter. Zusätzlich zum Strafverfahren sollten auch aufenthaltsbeendende Massnahmen diskutiert werden. Darüber hinaus bin ich offen für eine Diskussion über bessere Sicherheitsvorkehrungen an unseren Bahnhöfen.»

Der Verkehrsexperte Martin Burkert (SPD) bemängelte in der «Bild»-Zeitung (Dienstag) eine unzureichende Aufsicht an den Bahnsteigen, ausserdem fehle es an den Bahnhöfen an Bundespolizisten.

Warnung vor Nachahmungstätern

Aus Sicht der Vorsitzenden der Verkehrsministerkonferenz, Anke Rehlinger (SPD), sind Taten wie in Frankfurt durch Sicherheitsmassnahmen allerdings nicht zu verhindern. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag) sagte die saarländische Verkehrsministerin: «Eine solche Tat offenbart keine Sicherheitslücke, sondern eine Menschlichkeitslücke.»

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, warnte unterdessen vor Nachahmungstätern. Aus Grossstädten wie Berlin seien Fälle sogenannter S- und U-Bahn-Schubser schon länger bekannt. «Die Polizei versucht sich nach jedem Fall präventiv besser einzustellen. Bei Taten, die vorsätzlich geschehen, stösst sie jedoch an ihre Grenzen», sagte Radek dem RND. Angesichts von 5600 Bahnhöfen und Haltestellen in Deutschland dürfe nicht mit schnellen Lösungen gerechnet werden. «Die sind alle so unterschiedlich strukturiert, dass es schwer sein dürfte, ein Konzept für alle zu entwickeln.» Forderungen nach mehr Personal bezeichnete der GdP-Vize als unseriös.

Der Frankfurter Fall erinnert an eine Attacke, die sich vor gut einer Woche in Voerde in Nordrhein-Westfalen ereignet hatte: Dort hatte ein Mann eine Frau an einem Bahnhof vor einen Zug gestossen und so getötet.

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