In der Doku-Serie «The Belonging» von blue und Sky Schweiz werden die Geschichten von Schweizer Fussballern erzählt, die Doppelbürger sind. Manuel Akanji und Breel Embolo gewähren dabei intime Einblicke und sprechen im Interview über ihren Entscheid, für die Schweiz zu spielen.
Die Schweizer Doku-Serie «The Belonging» erzählt von Fussballspielern zwischen mehreren Kulturen – und von der Frage, wie Zugehörigkeit in einer vielfältigen Gesellschaft überhaupt entsteht. Die vierteilige Serie startet am 3. Juni auf blue Play und Sky mit zwei Episoden, die weiteren Folgen erscheinen anschliessend wöchentlich bis zum 17. Juni.
Mit dabei sind Ivan Rakitic, Breel Embolo, Manuel Akanji, Albian Hajdari und GC-Junior Gonçalo Fernandes Da Silva. Bei der exklusiven Premiere der ersten Folge sprachen Embolo und Akanji in einer Medienrunde über «The Belonging» und die Frage der Zugehörigkeit eines Doppelbürgers. blue Sport war dabei.
Manuel Akanji und Breel Embolo, warum war es euch wichtig, bei «The Belonging» mitzumachen und diese Einblicke zu geben?
Embolo: «Weil viele Menschen ähnliche Erfahrungen machen, aber selten offen darüber gesprochen wird. Ich finde wichtig, dass man diese Realität sichtbar macht. Wir wollten zeigen, dass ein solcher Nationenentscheid nicht einfach ist und die Geschichte aus unserer Sicht erzählen. Vielleicht können wir jungen Spielern, denen dieser Entscheid noch bevorsteht, das Leben auch etwas vereinfachen.»
Akanji: «Es ist sicher schon etwa sechs Jahre her, als ich dafür angefragt wurde. Breel und ich spielten damals noch in Deutschland. Wir haben beide sofort gedacht, dass es interessant sein könnte, über unsere Herkunft zu sprechen. Damit die Leute auch einen intimeren Einblick bekommen, was wir alles durchgemacht und auch Schönes erlebt haben.»
Wann habt ihr euch zum ersten Mal wirklich «angekommen» gefühlt und wo war das?
Akanji: «Wahrscheinlich, als ich gemerkt habe, dass ich meinen eigenen Weg gehen kann – unabhängig davon, was andere erwarten. Das war weniger ein Ort und viel mehr ein Gefühl.»
«The Belonging» – jetzt auf blue Play
Die Schweizer Doku-Serie «The Belonging» erzählt von Fussballspielern zwischen mehreren Kulturen – und von der Frage, wie Zugehörigkeit in einer vielfältigen Gesellschaft überhaupt entsteht. Die vierteilige Serie startet am 3. Juni 2026 auf blue Play mit zwei Episoden, die weiteren Folgen erscheinen anschliessend wöchentlich bis zum 17. Juni.
Embolo: «Als ich gemerkt habe, dass ich meinen Platz nicht von anderen abhängig machen darf. Dieses Gefühl kam mit der Zeit – durch meine Familie, Freunde und den Fussball.»
In dieser persönlichen Doku sind auch eure Familienmitglieder, Kinder und Jugendfreunde zu sehen. Hat es Überwindung gekostet, das alles so offen zu zeigen?
Embolo: «Das war sicher nicht einfach. Es brauchte eine grosse Planung mit dem Produktionsteam und natürlich auch Vertrauen. Uns war es wichtig, ehrlich zu sein und alles authentisch rüberzubringen.»
Akanji: «Es hat schon Überwindung gebraucht, auch wenn ich ein sehr offener Mensch bin. Für mich war die Message dahinter wichtig, deshalb wollte ich das auch machen.»
Ivan Rakitic ist der grösste Fussballer, der sich gegen die Schweizer Nati entschieden hat. Auch seine Geschichte wird in der Doku erzählt. Da hatte die Familie wohl entscheidenden Einfluss auf seine Wahl für Kroatien. Wie war das bei euch?
Akanji: «Wir hatten immer wieder darüber gesprochen. Auch in jungen Jahren, als ich noch kein Profi war. Der Entscheid wurde aber immer mir überlassen.»
Embolo: «In der Familie gibt es die eine Seite, die dich gerne bei der Nati spielen sehen würde und den anderen Teil, der es etwas anders sieht. Am Ende des Tages ist es eine persönliche Entscheidung, die du ganz allein treffen musst. Als ich mich entschieden hatte, teilte ich es der ganzen Familie mit – und alle waren glücklich.»
Ihr wart beide noch sehr jung, als ihr euch entscheiden musstet. Die Regel gibt vor, dass ein Spieler die Nation nicht mehr wechseln darf, sobald er ein Pflichtspiel absolviert hat. Steht ihr hinter dieser Regel?
Akanji: «Ich verstehe die Regel schon, sie hat sicher Vor- und Nachteile. Die Schweiz hat sich früh um mich bemüht. Wenn ich in den Junioren für Nigeria gespielt, dann aber die Nation gewechselt hätte, hätten sich die Nigerianer sicher auch verraten gefühlt. Als junger Spieler weisst du halt noch nicht, wohin dich die Karriere führt. Manch einer bereut so einen Entscheid im Nachhinein vielleicht auch. Aber ich nicht. Ich bin froh, habe ich mich für die Schweiz entschieden und bin sehr stolz, dass ich das Land vertreten darf.»
Embolo: «Ich hatte in bei den Junioren nur den kamerunischen Pass. Ich konnte zwar für die Schweiz Freundschaftspiele bestreiten, aber nicht mit der Nati an Endrunden teilnehmen. Das war sicher etwas, was mich getroffen hat. Es sind solche Kleinigkeiten, die mir gezeigt haben, dass ich hierhin gehöre und am Ende auch entscheidend sind. Am Ende des Tages war es kein Entscheid gegen Kamerun, sondern für die Schweiz. Es war der richtige Entscheid und wird es auch immer bleiben.»
Breel, welche Rolle spielt deine Familie und deine Geschichte für deinen Weg heute?
Embolo: «Eine riesige Rolle. Ohne meine Familie wäre ich nicht hier. Sie hat mir Werte gegeben und mich geerdet – auch in schwierigen Momenten.»
Was bedeutet «Zugehörigkeit» für dich persönlich – unabhängig vom Fussball?
Embolo: «Zugehörigkeit bedeutet für mich, dass man sich gesehen fühlt. Dass man nicht ständig beweisen muss, dass man dazugehört.»
Manu, in der Doku wirst du gefragt, was es bei dir bedeutet, Schweizer zu sein. Deine Antwort: «Keine Ahnung.» Hast du mittlerweile eine Antwort gefunden?
Akanji: «Nein. Ich kann keine Antwort auf die Frage geben, was es bedeutet, Schweizer oder Nigerianer zu sein. Ich bin einfach stolz darauf, was und wer ich bin. Mir geht es um meine Familie und dass ich mich wohl fühle in diesem Land. Ein Physiotherapeut bei Manchester City hat mir mal gesagt: ‹Du hast den Kopf eines Schweizers und den Körper eines Nigerianers›».
Gab es Momente in deinem Leben, in denen du dich zwischen zwei Welten gefühlt hast?
Akanji: «Ja, sicher. Wenn man mit zwei Kulturen aufwächst, kennt man dieses Gefühl. Aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass ich mich nicht entscheiden muss – beides gehört zu mir.»
Wie gehst du damit um, dass deine Identität und Herkunft oft öffentlich diskutiert werden?
Akanji: «Ich versuche, ruhig damit umzugehen. Menschen haben oft schnelle Meinungen, ohne jemanden wirklich zu kennen. Mir ist wichtig, dass ich weiss, wer ich bin.»
Nati-Spieler mit Migrationshintergrund müssen sich oft erklären, wie sehr sie sich mit der Schweiz identifizieren, warum sie die Hymne singen oder eben nicht. Die Spieler, die nur den Schweizer Pass haben, müssen das nicht. Gibt es da einen Austausch mit den Teamkollegen?
Akanji: «Nicht wirklich. Viele meiner Kollegen sind Doppelbürger. Das Thema kam in Vergangenheit durch die Medien immer wieder mal hoch, unter den Spielern ist aber aber nicht wirklich ein Thema.»
Breel, du sprichst in der Doku über das Angebot, an der WM 2014 für Kamerun zu spielen. Wie lief das genau ab?
Embolo: «Ich war 17 Jahre alt, hatte erst ein paar Profi-Spiele hinter mir. Dann musste ich mich entscheiden. Aber ich war noch so jung, hatte erst gerade die Lehre abgeschlossen – und jetzt sollte ich mich entscheiden, für welche Nation ich spiele. Es war sicher eine Ehre, dass mich Kamerun wollte. Aber für mich war relativ schnell klar: Ich will für die Schweiz spielen. Auch wenn ich den Pass dann noch nicht hatte.»
Es gibt einen Fan-Song über dich. Was bedeutet dir das?
Embolo: «Alles! Ich weiss noch, als ich an der EM 2016 am Morgen aufgestanden bin und den Song auf Facebook gesehen hatte. Zuerst dachte ich, das sei fake. Aber die Fans sangen ihn immer wieder. Das ist die Bestätigung, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich hoffe, dass das noch mehr Spieler erleben dürfen. Aber jeder Spieler spielt mit Stolz für die Nati, mit oder ohne Song.»
Manu, was wünschst du dir, dass die Zuschauer:innen aus dieser Serie mitnehmen?
Akanji: «Dass Zugehörigkeit nicht davon abhängt, wie man aussieht oder wo die Eltern herkommen. Und dass man Menschen etwas differenzierter begegnet.»