So klappts – Ostereier natürlich gefärbt

Kerstin Degen

13.4.2019 - 10:00

Rüebli, Spinat, Zwiebelschalen, Randen, Kurkuma und Rotkohl (von unten links nach unten rechts); auch mit Pflanzenfarben wird Ostern bunt.
Bild: zVg

Die künstlichen Ostereierfarben stehen immer mal wieder im Verdacht, krankmachende Zusatzstoffe zu enthalten. Zeit für einen Selbsttest mit Pflanzenfarben aus der Natur.

Zugegeben, ich fand sie früher furchtbar langweilig, die in Brauntönen schimmernden Ostereier aus Grossmutters Produktion. Und die Tatsache, dass diese Eier in Strümpfe gewickelt hergestellt wurden, liess mir doch glatt die Haare zu Berg stehen. 

Doch heute, älter geworden und mit dem Drang nach mehr Nachhaltigkeit und Natürlichkeit, sehe ich das ganz anders. Es muss ja nicht nur braun sein, sage ich mir, und mache mich auf die Suche nach möglichen bunten Pflanzenfarben. 

Eines vorweg, die Strümpfe erspare ich mir und meinen Kindern, obschon der zarte Nylon frisch aus der Verpackung stammt, hat Fussbekleidung für mich in der Küche nichts verloren. Und zweitens verfüge ich nicht über das feinmotorische Geschick, zarte Pflänzchen um Eier und in Strümpfe zu wickeln.

Farbenpracht aus dem Vorratsregal

E104 (Chinolingelb), E110 (Gelborange S) oder E124 (Cochenillerot A): So und ähnlich lauten die Inhaltsangaben auf Färbetabletten oder Ostereier-Kaltfarben. Schädlich oder nicht, diese Frage will ich hier gar nicht diskutieren. Doch für mich hört sich eine Aufzählung  von Kurkuma, Rüeblisaft und Randen weitaus attraktiver an als eine Reihe von E's. 

Diese Kunst des Eierfärbens erfordert Fingerspitzengefühl und eine gehörige Portion Geduld.
Bild: iStock

Und das Gute daran, diese und die meisten anderen Gewürze oder Gemüsesorten habe ich so gut wie immer vorrätig. Also müssen nur noch Eier her, viele und am besten von strahlendem Weiss. 

Ich entscheide mich für Kurkuma – für ein knalliges Gelb, Spinat – für ein saftiges Grün, Randen – für Rot oder Pink, Rotkraut – für ein dunkles Blau, Rüebli – für Orange und Zwiebeln,  aus Macht der Gewohnheit.

Schritt für Schritt zum gefärbten Ei

Schritt 1: Man schneide zirka 500 Gramm pro Liter Wasser vom gewählten rohen Gemüse und koche es zirka 30 bis 40 Minuten weich (natürlich kann man es anschliessend weiter verarbeiten). Von Gewürzen in Pulverform benötigt man zirka drei bis vier Teelöffel. Beeren, Blätter oder Hölzer weicht man vorgängig etwa zwei Stunden ein und kocht sie anschliessend für 30 bis 60 Minuten. 

Schritt 2: Schon bei diesem Schritt scheiden sich die Geister. Die einen sieben den Färbesud ab und stellen ihn kühl, während sie das Ei separat für zehn Minuten weich kochen. Die anderen kochen das Ei direkt für zehn Minuten im Pflanzensud. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Trotz einer Nacht im Rotkrautsud leuchten die Eier nur in einem zarten hellblau. Ein bisschen enttäuschend, aber Pastelltöne liegen ja gerade wieder im Trend.
Bild: zVg

Schritt 3: Abschrecken oder nicht – auch hier gehen die Meinungen auseinander. Das Abschrecken soll die Eierschale porös machen, auf diese Art gelangen mehr Farbstoffe ins Eiweiss und die Haltbarkeit verringert sich.  Besser sei es, das Ei langsam abkühlen zu lassen. Ein hartgekochtes Ei ist so bis zu vier Wochen im Kühlschrank lagerbar.

Schritt 4: Hat man das Ei separat gekocht und abgekühlt, geht es nun für mindestens drei Stunden in den Färbesud. Für ein intensiveres Ergebnis kann es auch mal über Nacht im Kühlschrank liegen. 


Der natürliche Farbkasten

Viele Pflanzen enthalten kräftige Farbstoffe, dies sind die Kräuter, Gewürze und Gemüsesorten, die sich am besten zum Färben eignen:

Blautöne: Rotkohl, Hibiskusblüten, Heidelbeeren

Hellgrün bis dunkelgrün: Spinat, Brennesselblätter, Efeu, Johanniskraut

Rot, Pink oder Lilatöne: Randen, Malventee, Heidelbeeren

Gelb bis Orange: Rüebli, Safran, Kurkuma

Brauntöne: Schwarztee, Zwiebelschalen oder Kaffeesatz


Am Ende doch wieder braun

Zuerst war ich ja ein bisschen enttäuscht von meinen Ostereiern. Was mir als kräftig leuchtendes Färbemittel vorgegaukelt wurde, hinterliess auf meinen Eiern gerade mal einen pastellfarbenen Schimmer. Besonders Spinat und Rüebli lieferten enttäuschende Ergebnisse. Auch die Randen, die sonst ja wirklich alles nachhaltig färben, womit sie in Berührung kommen, haben kein kräftiges Farbresultat erzielt.  

Einzig Grossmutters Zwiebelschalen hinterliessen auf den weissen Eiern einen wirklich intensiven Farbton. 

Die Zwiebelschalen liefern das mit Abstand überzeugendste Ergebnis. Ein bisschen Speiseöl verleiht dem Osterei einen zusätzlichen Glanz.
Bild: zVg

Woran's liegt? Ich hab nicht die geringste Ahnung. Beim nächsten Mal kühle ich jedenfalls den Färbesud ab und versuche es einfach mal auf diese Weise. Oder nehme ich Brennesselblätter, Rüebli- oder Randensaft?

Von meinem etwas farblosen Ergebnis lasse ich mich sicher nicht entmutigen, ich sehe es vielmehr als Ansporn, bis Ostern doch noch ein paar knallig bunte Eier auf den Tisch zu zaubern.

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