Nonnenfürze zum Dessert: Was Grossmutter auftischte

6.10.2018 - 18:00, Nathalie Röllin

Diese Leckereien rufen Erinnerungen an meine Grossmutter in der Küche wach.
Bild: iStock

Sie sind klein, sie sind rund – und vor allem schnell gemacht: die Nonnenfürze von der Grossmutter von «Bluewin»-Redaktorin Nathalie Röllin.

Wenn meine Grossmutter für uns kochte, dann musste sicher niemand Angst haben, zu verhungern. Das Essen hätte sicher immer für eine siebenköpfige Familie gereicht – dumm nur, dass wir halt meistens nur zu dritt oder zu viert waren, allerhöchstens einmal zu fünft.

Das war meiner Grossmutter aber herzlich egal, denn sie hat gerne und gut gekocht – wenn vielleicht auch nicht immer wirklich gesund. In den Topf voll Rüebli zum Beispiel hat sie immer noch einen Löffel Zucker gestreut, weil's dann halt einfach «besser schmeckt». Recht hat sie!

Eigentlich will ich ja aber gar nicht von ihren Rüebli erzählen, sondern von einem Dessert, das meine Grossmutter ab und zu am Sonntag aufgetischt hat. Nämlich Nonnenfürze. Sie haben richtig gelesen. Nonnenfürze. So hat mein Grossvater, der in Berlin aufgewachsen ist, zu den Ofenküchlein gesagt, die meine Grossmutter gebacken hat. Er hat die kleinen, mit Rahm gefüllten Windbeutel geliebt. Gerade richtig für einen Happs.

Als ich selbst mal die runden Küchlein backen will, nachdem meine Grossmutter gestorben ist, warnt mich meine Mutter – ihr wären die Windbeutel nie gelungen. Sie seien ihr immer total zusammengefallen, ich solle also aufpassen. Als dann bei mir aber alles klappt und ich ihr das Dessert auftische, meint sie nur lachend: «Dieses Gen hat wohl eine Generation übersprungen.» Und beisst herzhaft in meinen Nonnenfurz.

Meine Grossmutter mit meiner Mutter.
Bild: ZVG/Nathalie Röllin

Hier nun also das Rezept für die Nonnenfürze zum Selberausprobieren (ergibt ca. 12 Stücke):

Für den Brühteig:

  • 2 dl Wasser
  • 50 g Butter
  • ½ KL Salz
  • 1 EL Zucker

Alles zusammen in einer Pfanne aufkochen.

100 g Mehl im Sturz dazugeben und kräftig mit einem Holzlöffel rühren, bis sich der Teig vom Pfannenboden löst, Pfanne vom Herd nehmen und leicht auskühlen lassen.

Drei Eier einzeln nacheinander aufschlagen und auch nacheinander unter die Teigmasse geben, bis der Teig glänzt und sich Fetzen von der Holzkelle lösen.

Mit zwei Löffeln (oder auch einem Spritzsack) kleine Häufchen aufs Backpapier setzen.

Bei 180 °C Umluft (wichtig!) in der Ofenmitte während 30-40 Minuten backen.

Achtung: Ofen während des Backens NICHT öffnen und am Schluss den Ofen ausschalten, das Gebäck aber drin lassen und die Ofentüre leicht öffnen. Am besten die Holzkelle in den Spalt schieben, damit der Ofen offen bleibt und die Küchlein trocknen können.

Am Schluss die Küchlein mit der Schere aufschneiden und mit Schlagrahm füllen. Nach Lust und Laune mit Puderzucker bestreuen. Fertig.

Kuchen mit der Familie - hinten links stehen unter der Haube die Nonnenfürze.
Bild: ZVG/Nathalie Röllin

Rezeptserie: «Kurioses aus Grossmutters Küche»

In der Rubrik «Kurioses aus Grossmutters Küche» geben Redaktorinnen und Redaktoren von «Bluewin» einen Einblick in ihre Kindheit und erzählen, mit welchen kulinarischen Kuriositäten sie von Ihren Grosseltern verwöhnt wurden. Leserinnen und Leser, die auch ein tolles Rezept zur Hand haben, schreiben bitte eine Mail an: redaktion2@swisscom.com

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